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Die getötete Wirtin.

Nach Mord an Wirtin: Massen-Gentest in Burgau

Burgau - Nach dem schrecklichen Mord an einer beliebten Wirtin in Burgau startet die Polizei am Wochenende einen Massen-Gentest. 2800 Männer im Alter von 15 bis 40 Jahren müssen Speichelproben abgeben.

Lesen Sie dazu den Archivartikel vom Januar 2006

Im Januar 2006 erschütterte ein schreckliches Verbrechen die kleine schwäbische Gemeinde Burgau im Landkreis Günzburg. Ein bis heute Unbekannter hatte eine beliebte Wirtin am Vormittag des 23. Januar in ihrer Wirtschaft überfallen und mit mehreren Messerstichen in den Oberkörper tödlich verletzt. Ein Maler, der in ihrer Gaststube Renovierungsarbeiten machen sollte, fand die 71-Jährige blutüberströmt, alarmierte Notarzt und Polizei. Doch der Frau war nicht mehr zu helfen. Der Maler hatte auch noch einen Mann, möglicherweise den Täter, gesehen, der den Tatort fluchtartig verlassen hatte. Seitdem tappt die Polizei im Dunkeln.

Jetzt soll ein Massen-Gentest zum Täter führen. Die Polizei hatte damals am Tatort DNA-Spuren gefunden. An zwei Wochenenden sollen sich jetzt rund 2800 Männer aus dem Ort und der Umgebung im Alter von 15 bis 40 Jahren in der Turnhalle der Burgauer Hauptschule einfinden und sich einem Speicheltest unterziehen. Die ersten 1400 Männer sind an diesem Wochenende dran, 700 pro Tag am Samstag, weitere 700 am Sonntag. Hinter Stellwänden sollen sie sich mit einem Wattestäbchen einen Abstrich nehmen lassen. "Wir hoffen, dass alle freiwillig mitmachen", sagt Ulrich Feistle von der Kriminalpolizei Neu-Ulm. Die Betroffenen wurden angeschrieben und sollen sich alphabetisch geordnet zum DNA-Test einfinden.

Nach wie vor fehlt der Polizei eine heiße Spur. Die Tatwaffe ist nie aufgetaucht, obwohl die Fahnder nach der Tat mit Metallsuchgeräten Dachrinnen und Grundstücke akribisch absuchten. Alle Stammgäste der Kneipe waren befragt und gecheckt worden. Straße für Straße hatten die Ermittler die Nachbarn nach Hinweisen befragt, alles verlief negativ. Sogar der Einsatz eines Profilers, eines hochspezialisierten Ermittlers, brachte nichts. Schon nach der Tat hatte die Polizei einen Großeinsatz mit Hubschrauber und Suchhunden gestartet. Ergebnis: nichts.

"Die Polizei hat wirklich intensivst ermittelt", sagt Burgaus Bürgermeister Konrad Barm. "Grundsätzlich stehe ich dem Massen-Gentest" positiv gegenüber", sagt er. Er selbst ist aber überzeugt, dass der Täter nicht aus Burgau oder Umgebung stammt. "Das ist reine Gefühlssache", meint Barm. "Vielleicht war es jemand aus dem osteuropäischen Bereich von weit, weit weg", meint der Bürgermeister. Er kann sich noch gut erinnern, wie geschockt die Gemeinde nach der Tat war. "Die Wirtin hat doch jeder gekannt, so ein schreckliches Gewaltverbrechen hatte es in Burgau noch nie gegeben." Noch lange Zeit nach dem Verbrechen hätten sich vor allem Ältere im Ort gefürchtet, allein zu Hause oder unterwegs zu sein.

Schon am Montag nach dem ersten Testwochenende sollen die genommenen Speichelproben an die Rechtsmedizin nach München zur Auswertung gehen. "Es wird dann vier bis sechs Wochen dauern, bis wir hoffentlich ein positives Ergebnis haben", sagt Feistle. Niemand soll zu dem Test gezwungen werden. Weigere sich einer der in Frage kommenden Männer, dann bestehe nicht gleich Tatverdacht. "Dann müssen wir die Umstände abklären und - wenn nötig - eine richterliche Anordnung erwirken." Drei Jahre nach der Tat hofft die Polizei, dem Täter endlich auf die Spur zu kommen.

Von Nikolaus Dominik

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