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Navigationsgeräte wie dieses können auch schon mal die Orientierung verlieren.

Navi fordert zur Geisterfahrt auf

München - Blindes Vertrauen in die Technik kann tödlich enden. Zum Beispiel dann, wenn das Navigationsgerät hartnäckig zum Wenden auf der Autobahn auffordert.

Dieses Navi der Marke Becker fordert auf der Autobahn zum Umkehren auf.

Er staunte nicht schlecht, als sein nagelneues Navi zu ihm sprach: „In 60 Metern bitte wenden.“ Zum Glück konnte Erhard Marschallek der selbstbewussten Frauenstimme widerstehen und verweigerte den Gehorsam. Eine kluge Entscheidung, denn der Polizist stand gerade – in Fahrtrichtung – auf einem Rastplatz bei Dingolfing an der A 92 nach München.

Kurzerhand entschloss sich Marschallek zu einem Experiment: Er hielt an jedem einzelnen Rastplatz auf dem Weg nach München – stoppte immer für ein paar Minuten in Fahrtrichtung. Jedes Mal das gleiche Bild: Sein Navi berechnete die Strecke neu und forderte den Polizisten auf, zum Geisterfahrer zu mutieren. „Wenden auf der Autobahn, das ist doch pervers“, ärgert sich der Münchner. Für knapp 150 Euro hatte er das „Becker 7927“ erstanden – ein Schnäppchen dank einer Kaufhaus-Neueröffnung. Jetzt ärgert er sich über den Kauf und ruft bei der Firma im badischen Karlsbad an. „Zuerst hieß es, ich bin schuld. Dann hieß es, es liege an der Software“, erinnert sich Marschallek.

Er schickt das Gerät ein und bekommt es mit neuer Software zurück. Doch noch immer fordert ihn das Navi zum Wenden auf, jetzt auf der A 9. Mittlerweile hat Marschallek das 7927 drei Mal eingeschickt und zurückbekommen. Trotzdem spinnt es noch immer. Resigniert wendet er sich an unsere Zeitung. „Das klingt äußerst dubios“, reagiert Olaf Kappler, Pressesprecher bei Becker. Er versichert, jedes Gerät werde sorgfältig geprüft. Ein kurioser Einzelfall, den er sich nicht erklären könne. Es müsse wohl am gestörten GPS-Empfang liegen. Zum Beispiel könnten wärmeisolierte Frontscheiben die Geräte verwirren. Marschalleks Frontscheibe ist aber nicht „metallbedampft“. Kappler verspricht, ihm ein anderes Navi zu schicken.

Auch bei der Stiftung Warentest hat man noch nie von einer solch hartnäckig Funktionsstörung gehört. „Ich kenne einen Fall, wo das Navi statt über eine Brücke über eine Fährstrecke geleitet hat und jemand deswegen im Wasser gelandet ist“, erinnert sich Markus Bautsch. Nach seiner Erfahrung liege das Problem seltener an den Navis, als an den zur Verfügung stehenden Informationen.

Der Preis für die Streckendaten richte sich nach der Menge der Zusatzinformationen – erlaubte Höchstgeschwindigkeit, Anzahl der Spuren oder auch, welche Straße eine Einbahnstraße ist. „Hier sparen viele Hersteller“, meint der Experte. Der Stand der Technik sei mittlerweile „ordentlich“, Becker lande bei den Tests aber meist auf den hinteren Plätzen. Doch auch bei den Testsiegern gelte: „Den Menschenverstand darf man nie ausschalten.“

Thomas Schmidt

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