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Eine Szene aus der Passion.

Passion Oberammergau: Wer darf Jesus spielen?

Oberammergau - Nicht nur die Bewohner von Oberammergau fiebern dem 18. April entgegen. An diesem Samstag nämlich gibt Regisseur Christian Stückl die Namen der Hauptdarsteller für die Passionsspiele 2010 bekannt.

Der Ablauf der Spielerwahl folgt einem Jahrhunderte alten Ritual. Am Vorabend der Bekanntgabe, also am kommenden Freitag, ziehen sich die Gläubigen zu Gottesdiensten in ihre Kirchen zurück. Danach tagt der Oberammergauer Gemeinderat (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) in geheimer Sitzung. Regisseur Christian Stückl schlägt dann dem Gremium, dem er selbst angehört, seine Kandidaten für die Hauptrollen vor. Diese werden alle doppelt besetzt.

Da Stückl sich für die dritten Passionsspiele unter seiner Regie ein Vorschlagsrecht ausbedungen hat, dürfte eine Vorauswahl längst getroffen sein. Auf die oft gestellte Frage, ob er bereits weiß, wer für die Hauptrollen infrage kommt, wiederholt Stückl monoton, dass „ich mit niemandem darüber rede“. Früher entschieden allein die Gemeinderäte über die begehrten Hauptrollen. „Es braucht eine Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat, um einen Spieler abzulehnen“, erläutert Bürgermeister Arno Nunn (parteilos) das Wahlverfahren. Tags darauf ist die feierliche Erneuerung des Versprechens für das Passionsspiel, das auf ein Pestgelübde im Jahr 1633 zurückgeht.

Erstmals in der fast 380-jährigen Geschichte der Passion erneuern die Dorfbewohner ihr Gelübde bei einem ökumenischen Gottesdienst, wie das Erzbischöfliche Ordinariat am Mittwoch in München mitteilte. Den Gottesdienst halten der katholische Weihbischof und frühere Oberammergauer Pfarrer Franz Dietl sowie die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Danach ziehen alle Mitwirkenden in einer feierlichen Prozession ins Passionsspielhaus ein, wo der elfjährige Darsteller und Ministrant Christoph Stöger stellvertretend für alle das Gelübde mit folgenden Worten erneuern wird: „Eingedenk des Gelübdes und getreu dem Verspruch unserer Vorfahren werden wir Oberammergauer im Jahr 2010 das Passionsspiel aufführen.“

An der Zeremonie nimmt auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Nach einem Empfang gibt Spielleiter Stückl am Samstag Mittag vor dem Passionstheater die Namen der Hauptdarsteller bekannt, die sich anschließend in einer Pressekonferenz vorstellen. Jeder Einheimische, der seit mindestens 20 Jahren in Oberammergau lebt, hat Spielrecht, muss also in einer der vielen Rollen verwendet werden.

Probenbeginn ist im November. Doch schon im Juli wird an drei Wochenenden mit einem eigenen Pestspiel für die Passion geübt. Zu den Spielen vom Leiden und Sterben Jesu Christi werden rund eine halbe Million Zuschauer aus aller Welt erwartet. Die festliche Premiere ist am 15. Mai, es folgen 102 Spieltermine bis zum 3. Oktober 2010. Über 2500 Einheimische, darunter 450 Kinder, haben sich zum Spiel gemeldet, so viele wie nie zuvor. Bei der Passion 2010 wird Christus erstmals im Dunkel der Nacht ans Kreuz genagelt werden. Der Regisseur will damit auf der nach oben offenen Bühne spezielle Lichteffekte in der Abenddämmerung nutzen.

Von Paul Winterer

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