Mit Armbrust beschossen - Opfer verweigert Aussage

Nürnberg - Im Prozess gegen eine Mutter und ihren Sohn, die auf dessen jüngeren Bruder mit der Armbrust geschossen haben, hat das Opfer seine Aussage verweigert. Der Jugendliche hatte die beiden wegen Inzests und Missbrauch angezeigt.  

Inzest, Missbrauch und ein Mordversuch mit einer Armbrust sind die perfekte Mischung für einen fiktiven Thriller. Doch was seit Freitag vor der Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth verhandelt wird, war aus Sicht der Staatsanwaltschaft traurige Realität in einer Nürnberger Familie. Angeklagt sind eine 38 Jahre alte Gelegenheitsarbeiterin und ihr 19-jähriger Sohn. Sie sollen gemeinsam dessen jüngeren Bruder mit einer Armbrust zu töten versucht haben, nachdem dieser die beiden wegen Inzest und Missbrauch seiner siebenjährigen Halbschwester angeklagt hatte.

Bilder vom Prozess

Prozess: Mordversuch mit Armbrust

Zu Prozessbeginn dann die Überraschung: Das Opfer verweigert die Aussage. Auch die Verwendung früherer Angaben bei der Polizei und dem Untersuchungsrichter lehnte der Jugendliche ab. Welche Folgen dies für die Anklage haben wird, war am Freitag auch den Juristen nicht klar. Zuvor hatten die beiden Angeklagten den Schuss auf den Wehrlosen gestanden. Den Mordvorwurf wiesen sie jedoch zurück: "Es trifft zu, dass ich auf meinen Bruder geschossen habe, aber erst, als er mich aufgefordert hat. Es war ursprünglich nicht meine Absicht", sagte der 19-Jährige, der bereits mehrere Vorstrafen hat.

Auch der Anwalt der Mutter betonte: "Zu keinem Zeitpunkt haben sie darüber gesprochen, (Name des Opfers) zu töten." Die Anklage sieht das anders: "Bereits im Vorfeld des Treffens hatte die Angeschuldigte eine Armbrust, die normalerweise im Schlafzimmer aufbewahrt wurde, mit einem Pfeil geladen und neben der Wohnungseingangstür hinter einem Gefrierschrank abgestellt, um so sicherzustellen, dass dem Geschädigten ein Verlassen der Wohnung nicht mehr möglich war", sagte die Staatsanwältin. "Ich wollte nur, dass er uns in Ruhe lässt", erläuterte der Angeklagte den Grund, warum er den Pfeil letztlich abschoss.

Dem Pflichtverteidiger seiner Mutter zufolge hatte die Frau die beiden Jungen im Kleinkindalter verlassen, nachdem der Vater sich in die Türkei abgesetzt und später umgebracht hatte. "Im Alter von 15 und 14 Jahren sind sie wieder zu ihr gezogen, und Mark (der ältere Sohn) und sie haben eine besondere Beziehung aufgebaut", schilderte der Anwalt. Das Opfer zeigte Mutter und Bruder deshalb im Dezember 2007 wegen Inzest an. Seinem Bruder warf er zudem vor, die kleine Halbschwester missbraucht zu haben. Im Februar 2008 lud die Mutter den Jugendlichen deshalb zu einer "Aussprache" ein, zu der sich auch der ältere Bruder gesellte. Als der Streit eskalierte, schoss dieser laut Anklage aus geringer Distanz einen Pfeil ab, der genau das Brustbein des Opfers traf. Zu einem zweiten Mordversuch kam es nicht, weil die Freundin des Jugendlichen, die den Streit per eingeschaltetem Handy mitgehört hatte, die Polizei gerufen hatte.

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