Rentnerpaar erstochen: elf Jahre Gefängnis

Regensburg - Weil er ein Rentnerehepaar nach einem lange schwelenden Nachbarschaftsstreit erstochen hat, ist ein Mann aus Niederbayern zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Das Landgericht Regensburg wertete am Donnerstag die Bluttat vor dem Zweifamilienhaus in Mainburg (Landkreis Kelheim) als zweifachen Totschlag. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes eine lebenslange Haft verlangt.

Das 66 und 72 Jahre alte Ehepaar hatte die Familie des 36-Jährigen zwei Jahre lang mit permanentem Türenschlagen und ähnlichen Aktionen schikaniert. Als die Rentner wegen Ruhestörung vom Vermieter abgemahnt wurden, eskalierte die Situation im Haus. Denn als Reaktion auf den Brief machte das Ehepaar noch mehr Krach. Der 36-Jährige arbeitete in Nachtschicht und konnte wegen des Krachs nicht schlafen. Als der verzweifelte Mann wegen des Lärms im Garten Ruhe suchte, stellten die Rentner sogar ein Radio ins Fenster und beschallten so den Garten. Der 36-Jährige lebte mit Frau und zwei Kindern im Erdgeschoss des Gebäudes, das ältere Paar in der Etage darüber.

Zu der Tat kam es im vergangenen Juli, als die Senioren gerade von einem Sonntagsspaziergang zurückkamen. Der 36-Jährige wollte die Eheleute zur Rede stellen und lief mit einem Küchenmesser aus dem Haus. Im Hof kam es dann zur erneuten Auseinandersetzung. Schließlich stach der übermüdete Arbeiter insgesamt 25 Mal mit einem mitgebrachten Küchenmesser wie von Sinnen zu - mal auf den Mann, mal auf die Frau. Der 66-jährige Mann starb noch am Tatort, seine 72 Jahre alte Ehefrau etwa zwei Stunden später im Krankenhaus. Nach Überzeugung der Strafkammer waren auch gewisse Vorurteile gegen Ausländer mit ein Grund für die Lärmbelästigung. Die Rentner seien mit türkischen Nachbarn nicht einverstanden gewesen.

Der 36-Jährige ist in der Türkei geboren, hat aber mittlerweile einen deutschen Pass. Seine Familie gilt in der Bundesrepublik als tadellos integriert. Unmittelbar vor der Tat soll der 66-Jährige den Angeklagten auch noch mit einem fremdenfeindlichen Spruch beleidigt und in seine Richtung gespuckt haben. Daraufhin stach der Mann mit dem Messer zu, dass er nach Überzeugung der Richter eigentlich zunächst nur als Drohung mitgenommen hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Verbrechen als heimtückisch eingestuft und deshalb auf Mord plädiert. Die Richter sahen allerdings nicht das Mordmerkmal der Heimtücke. Die Verteidiger des 36-Jährigen betonten hingegen, wie sehr die Familie des 36-Jährigen unter dem "massiven psychischen unerträglichen Terror" der Rentner gelitten habe. Die drei Anwälte hatten deshalb nur sechs Jahre Haft wegen eines minderschweren Totschlags gefordert. Nach dem Urteil verzichteten allerdings alle Seiten auf eine Revision, so dass das Urteil sofort rechtskräftig wurde.

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