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Elisabeth Zeller, die sich rührend um ihren Lebensgefährten Dr. Wolf-Dieter Flakowski kümmert, sagt: „Noch nie in meinem Leben bin ich so beleidigend und entwürdigend behandelt worden.“

Weil sich Gäste eines Luxus-Hotels beschwerten

Sauna-Verbot für Behinderten

Röhrnbach - Eigentlich sollte es ein kurzer Erholungsurlaub werden. Fünf Tage wollten Elisabeth Zeller und ihr Lebensgefährte Dr. Wolf-Dieter Flakowski im Bayerischen Wald verbringen, um sich von einer anstrengenden Reha zu erholen.

Als Domizil hatten sich die beiden das mit vier Sternen versehene Wellness-Hotel Jagdhof in Röhrnbach (Lkr. Freyung-Grafenau) ausgesucht. Der Kurzurlaub war jedoch vorbei, ehe er so richtig begonnen hatte: Weil sich andere Hotelgäste beschwert hätten, sagt Elisabeth Zeller, habe die Hotelleitung den behinderten 66-Jährigen gebeten, nicht mehr in die Sauna zu gehen. Das berichtete jetzt die Passauer Neue Presse (PNP).

Elisabeth Zeller ist noch immer aufgebracht, wenn sie von ihrem kurzen Aufenthalt im „Jagdhof“ erzählt: „Noch nie in meinem Leben bin ich so beleidigend und entwürdigend behandelt worden“, sagt die pensionierte Krankenschwester.

Seit zweieinhalb Jahren lebt sie mit Wolf-Dieter Flakowski zusammen in Fürstenfeldbruck. Ein Jahr lang waren sie ein glückliches Paar, bis im März 2007 ein schwerer Schicksalsschlag ihr Leben veränderte. Über Nacht erlitt Wolf-Dieter Flakowski einen Kleinhirninfarkt. Seitdem ist der gesamte Bewegungsapparat des ehemaligen Allgemeinarztes eingeschränkt. Er sitzt im Rollstuhl, das Sprechen fällt ihm schwer.

Der Jagdhof in Röhrnbach im Bayerischen Wald

Regelmäßige Saunabesuche muntern den 66-Jährigen wieder auf, sagt Elisabeth Zeller. Gerade deswegen hätten sie sich für das luxuriöse Hotel in Röhrnbach entschieden, das auf seiner Internetseite mit einer ausgedehnten Saunalandschaft wirbt. Gleich am ersten Abend besuchten die beiden die Sauna des Hotels. „Erholung war das jedoch nicht für uns“, erzählt Elisabeth Zeller. „Kurze Zeit später kam Juniorchef Michael Ritzinger auf uns zu. Er forderte uns auf, die Sauna künftig nicht mehr aufzusuchen, da sich andere Gäste beschwert hätten. Ich war erst mal so perplex, dass ich gar nicht die passenden Worte für diese Dreistigkeit fand.“

Am nächsten Morgen suchte die 60-Jährige erneut das Gespräch mit dem Juniorchef, der aber habe seine Forderung wiederholt. Der Jagdhof sei „kein Behinderten-Hotel“, habe Michael Ritzinger betont. Besonders schmerzhaft empfand Elisabeth Zeller eine weitere Aussage. „Er hat zu uns gesagt: Wir sind eine Zumutung für die anderen Hotelgäste.“

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich die Hotelleitung entschieden. Dem Paar sei der Zutritt zur Sauna nicht verboten worden, stellt Hotelchef Josef Ritzinger klar. Vielmehr hätten andere Hotelgäste den Anblick des schwerbehinderten Wolf-Dieter Flakowski als „unangenehm“ empfunden. „Zwei Paare kamen zu uns und sagten, dass sie deshalb nicht mehr in die Sauna gehen wollten.“ Er habe daraufhin Wolf-Dieter Flakowski und seine Lebensgefährtin mit den Bedenken der anderen Gäste konfrontiert. Schließlich müsse er versuchen, zwischen seinen Kunden zu vermitteln, um alle, die bei ihm ihren Urlaub verbringen, zufriedenstellen zu können. Flakowski sitze im Rollstuhl, könne kaum sprechen, der Kopf sei nach vorne geneigt und zeitweise laufe Speichel aus seinem Mund. „Dieser Anblick deprimiert andere Gäste“, ist Ritzinger überzeugt und verweist auf die, wie er sie nennt, „Ethikfrage“.

„Ich an seiner Stelle würde anderen den Anblick dieses schlimmen Schicksals nicht zumuten wollen“, sagt der Chef des Jagdhofs. Wolf-Dieter Flakowski und Elisabeth Zeller sind am Montag entrüstet aus dem Vier-Sterne-Haus (Doppelzimmer ab 176 Euro) abgereist. Ursprünglich hatten sie bis zum Donnerstag gebucht. „Sie mussten natürlich nur den einen Tag bezahlen“, sagt Josef Ritzinger und betont: „Wir wollten nicht, dass sie das Hotel verlassen. Uns sind alle Gäste willkommen.“

Stefan Endl/Isabell Metzger

VdK-Präsidentin: Das ist leider kein Einzelfall

Dass ein Mann wegen seiner Behinderung abgewiesen wird – das ist leider kein Einzelfall. Ähnliche Fälle, bei denen etwa Eltern mit einem behinderten Kind gebeten wurden, sich nicht den Gästen ihres Hotels zu zeigen, gingen bis vor Gericht, sagte Ulrike Mascher, die Präsidentin und bayerische Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Deutschland, am Dienstag zur tz. „Grundsätzlich gilt doch schon gemäß unserer Verfassung, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Er darf also auch nicht aus Restaurants oder Hotels abgewiesen werden, nur weil er nicht der Normvorstellung der Gäste entspricht.“ Jedem Menschen könne es passieren, dass er zum Beispiel aufgrund eines Unfalls behindert wird. „Wenn man sagt, so jemanden wollen wir nicht, in welcher Gesellschaft leben wir denn da?“ Zum Glück sage aber die Mehrheit: Wir wollen niemand ausgrenzen!

ast

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