Streit um ein Haus in Augsburg

Drama im Gericht: 60-Jähriger erschießt sich und seine Schwägerin

Landshut - Blutiges Familiendrama im Landshuter Landgericht: Ein 60-Jähriger hat sich selbst und seine Schwägerin (48) erschossen, ein Anwalt und eine weitere Schwägerin sind durch Schüsse schwer verletzt worden.

Zum wiederholten Male wurde am Vormittag im Amtsgericht, das mit dem Landgericht in dem Klinkergebäude in der Maximiliansstraße angesiedelt ist, der Erbschaftsstreit unter sieben Geschwistern verhandelt. Gegenstand des Zwists: ein Haus in Augsburg, Streitwert 200.000 Euro. Beklagter war der 60 Jahre Franz N. aus dem niederbayerischen Dingolfing.

Bilder aus Landshut

Amoklauf in Landshut

In der Prozesspause gegen 10.15 Uhr gingen die Prozessbeteiligten vor den Sitzungssaal 8. Das Verfahren war unterbrochen worden, damit ein anderes Urteil verkündet werden kann. Der Erbstreit der Familie aus dem Landkreis Dingolfing-Landau gehe bereits seit mehreren Jahren und sei, so ein Sprecher des Gerichts, am Dienstag beigelegt worden. Die Stimmung sei ruhig gewesen. Dennoch eskalierte der Streit auf dem Flur: Der 60-jährige Koch aus Dingolfing zückte einen Revolver - und eröffnete das Feuer.

Franz N. als junger Mann bei seiner Hochzeit.

Er zielte mit der großkalibrigen Waffe der Marke Smith&Wesson zuerst auf den Kopf seiner 48 Jahre alten Schwägerin. Die Frau wurde von mindestens einer Kugel getroffen und dadurch so schwer verletzt, dass sie noch im Justizgebäude starb. Zwei weitere Personen - ein Rechtsanwalt und eine weitere Schwägerin - wurden angeschossen. Dann ging der verheiratete Mann in den Sitzungssaal im ersten Stock zurück und forderte den Richter auf, den Raum zu verlassen. Er werde sich nun umbringen, sagte Franz N. dem Richter und einem noch anwesenden Anwalt. Kurz darauf schoss sich in den Kopf. Der 60-Jährige soll die Tat in einem Abschiedsbrief angekündigt haben.

Ein Verletzter wird aus dem Gerichtsgebäude transportiert.

Wie auf der Pressekonferenz am Nachmittag bekannt wurde, war der Rentner Mitglied der königlich-privilegierten Feuerschützen und somit berechtigt, die großkalibrige Smith&Wesson (Kaliber 375 Magnum)  zu besitzen. Die Polizei habe im Zuhause des 60-Jährigen einen ordnungsgemäß verschlossenen Waffenschrank vorgefunden.

Nach Angaben von Polizeisprecher Rupert Grasmüller konnte die Frau zunächst wiederbelebt werden, erlag dann aber ihren Verletzungen. Bei den beiden Schwerverletzten handle es sich um eine Frau und einen Rechtsanwalt. Sie wurden mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert, schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Einer der Verletzten erlitt einen Schuss in den Oberkörper. Zeugen des Vorfalls erlitten einen Schock und wurden vor Ort von Ärzten und einem Kriseninterventionsteam betreut, einige wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei traf wenige Minuten nach dem Tod des Schützen im Gericht ein.

Zwischenzeitlich hieß es, dass es bei der Bluttat nur einen Toten - den 60-jährigen Täter - gegeben habe. Diese Angaben korrigierte die Polizei gegen 12.45 Uhr.

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Wie kommt die Waffe in den Gerichtssaal?

Debatte über Sicherheitsschleusen

Der Abschiedsbrief des Todesschützen

Im Prozess soll es um eine sogenannte Auskunftsklage gegangen sein. Zu einer solchen Klage kommt es meist, wenn ein Erbe befürchtet, dass ihm der andere etwas über den Nachlass verheimlicht, wie ein Experte der Nachrichtenagentur AP erklärte. Wer beispielsweise nur den Pflichtteil bekommt, hat gegenüber dem Erbschaftsbesitzer, der etwa im geerbten Haus wohnt, das Recht auf Auskunft über den Nachlass. Nur so kann er die Höhe seines Pflichtteils beurteilen. Wird diese Auskunft verweigert, kann der Teilerbe Auskunftsklage erheben. Auf die Frage, wie der Täter eine Waffe in das Gerichtsgebäude bringen konnte, sagte eine Gerichtssprecherin, bei Zivilverfahren gebe es keine Kontrollen.

Das Gebäude, das etwa einen Kilometer von der Innenstadt entfernt liegt, wurde weiträumig abgeriegelt. Justizgebäude und Mitarbeiter in einem größeren Nachbargebäude wurden sofort evakuiert. Hubschrauber kreisten über Landshut. Das Telefonnetz in der 63.000-Einwohner-Stadt und der Autoverkehr um das Gebäude brach zusammen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, darunter auch Ermittler der Spurensicherung in weißen Overalls. “Diese Amoklage hat sich aus heiterem Himmel ergeben“, sagte Mayer. Die Tat habe sich binnen Minuten abgespielt.

Rubriklistenbild: © Walter Schöttl

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