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Die zehnjährige Ursula erstickte in ihrem Gefängnis

Ihr schwerer Gang

Drei Wochen haben sie gehofft und gelitten, die Hölle durchgemacht. Die Eltern von Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee mussten 1981 das Schlimmste durchmachen, was einer Mutter und einem Vater widerfahren kann.

Ihr zehnjähriges Kind war am 15. September verschleppt und am 4. Oktober tot aufgefunden worden. Am Dienstag müssen Anneliese und Michael Herrmann im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Werner M. (58) die ganze schreckliche Zeit im Zeugenstand schildern.

Aktualisierung (Dienstag 9.30 Uhr):

Das Gericht hat für die Aussage der Herrmanns die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

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Ursula radelte am Abend von ihrer Oma in Schondorf heim nach Eching. Gegen 19.25 Uhr riss ein Verbrecher das Kind vom Radl und verschleppte es in den nahen Wald. Dort steckte er das Mädchen in eine im Boden vergrabene Kiste, schloss den Deckel und warf Erde darauf. Die Eltern alarmierten nach langem bangem Warten die Polizei. Das Auffinden von Ursulas Fahrrad musste ihnen einen Stich ins Herz gegeben haben. Jetzt war klar, ihr Kind ist Opfer eines Verbrechens geworden. Eines Sexualmörders vielleicht? Es muss zunächst eine Erleichterung gewesen sein, als sich ein Entführer meldete und zwei Millionen Mark Lösegeld forderte. Immerhin deutete dies darauf hin, dass Ursula am Leben war. Die Zeit verging. Der Entführer quälte die Eltern immer wieder mit schrecklichen Schweige-Anrufen.

Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Unterdessen durchkämmten hunderte von Polizisten die ganze Umgebung. Noch hatten die Eltern Hoffnung, ihr Kind sei in einem Keller versteckt. Welche Fragen sich die Eltern stellten, kann man nur erahnen: Wird Ursula misshandelt? Gibt der Täter ihr genug zu Essen und zu Trinken? Dann meldete sich der Entführer nicht mehr.

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Gerechtigkeit für die kleine Ursula

Am 4. Oktober die schreckliche Gewissheit: Ursula wurde tot in der Kiste aufgefunden. Vermutlich hat das Mädchen verzweifelt gegen die hölzernen Wände gepocht, hat geschrien, Niemand hat sie gehört. Der Sauerstoff wurde knapp. Ihr Tod muss grausam gewesen sein. Die Ermittlungen blieben zweieinhalb Jahrzehnte erfolglos. Für die Eltern eine nie heilende, schmerzende Wunde.

Erst jetzt wird dem früheren Nachbarn Werner M. der Prozess gemacht. Ursulas Eltern sind sich aber nicht sicher, ob er der wirkliche Täter ist, sagt ihre Anwältin Marion Zech. Sie hat für die Zeugeneinvernahme den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. „Dem kommt das Gericht wahrscheinlich nach“, sagte sie am Montag der tz. Auch bei schonender Befragung werden all die schrecklichen Erinnerungen bei den betagten Eltern wieder wachgerufen. Und wie wird der Angeklagte reagieren?

Eberhard Unfried

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