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Bruder Barnabas muss schweigen: Michael Lerchenberg wird heute niemanden derblecken.

In letzter Minute verschoben

Nockherberg nach Amoklauf abgesagt

Der Starkbier-Anstich 2009 wird wegen des Amoklaufs in Baden-Württemberg abgesagt. Das entschieden Bayerns Spitzenpolitiker nach stundenlangen Beratungen unter anderem mit Kanzlerin Merkel. Jetzt wird ein neuer Termin gesucht.

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Am späten Nachmittag trommelte Horst Seehofer seine engen Berater in der Staatskanzlei zusammen: den Büroleiter, die Pressesprecher, den Amtschef. Im Büro N 406, Blick auf den verregneten Hofgarten, musste die Runde diese hoch symbolträchtige Entscheidung treffen. Bis weit nach Einbruch der Dunkelheit wälzten Seehofer, seine Beamten und per Telefon zugeschaltete Politiker die Argumente.

Es sind Bilder, die nicht zusammenpassen: Trauernde Angehörige vor der Schule in Winnenden, lachende Politiker beim Gaudi-Termin am Nockherberg. Aber, anders argumentiert: Darf ein so bedeutsames Stück gelebter bayerischer Tradition, weit über ein Jahrhundert alt, dem Akt eines irren Attentäters geopfert werden?

Video: Fassungslosigkeit nach Amoklauf

Zweimal nur fiel das Politiker-Derbleckn, das Einläuten der "fünften Jahreszeit", bisher aus. 1991 wegen des Golfkriegs und 2003 wegen des Irak-Kriegs. Nur die Generalprobe des Singspiels fand 2003 vor laufenden Kameras statt und wurde später im Fernsehen gezeigt. "Der Ernst der weltpolitischen Lage verbietet es, zu diesem Zeitpunkt eine kabarettistische Veranstaltung durchzuführen", lautete vor sechs Jahren die Begründung der Paulaner-Brauerei, die das Spektakel seit Jahrzehnten veranstaltet. Die Fastenpredigt allerdings wurde wegen der Abwesenheit politischer Prominenz komplett aus dem Programm genommen.

Seehofer griff gestern Abend mehrfach zum Telefon, nahm persönlich Rücksprache mit der Spitze der Brauerei. Die Staatskanzlei brachte eine Verschiebung um wenige Tage ins Gespräch. Paulaner warb auch wegen der Schwierigkeiten mit der TV-Übertragung zunächst für die Durchführung. Man wolle "das Derbleckn stattfinden lassen, wenngleich uns der Amoklauf schockiert hat", sagte Sprecher Christoph Bohning am frühen Abend, während gleichzeitig im Saal bereits die Generalprobe lief. Er bot an, dass bei der Veranstaltung der Toten gedacht werde. Ein Gedenken zu Beginn war ohnehin geplant - zunächst für den verstorbenen Brauerei-Eigner Stefan Schörghuber.

Seehofer, merklich von den Ereignissen im Nachbar-Bundesland berührt, genügte das aber nicht. Er telefonierte am frühen Abend mehrfach mit Kanzlerin Angela Merkel. Von ihr ließ er sich kurz informieren, inwieweit der heutige Donnerstag unter dem Eindruck erster Gedenkfeiern in Winnenden stehen wird. Mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) vereinbarte der CSU-Chef am Telefon ein gemeinsames Vorgehen. Auch Kirchenvertreter bat er um Rat in der heiklen Frage.

Am Abend entschieden die Beteiligten gemeinsam: Absage. "Wir können das beim besten Willen nicht machen", sagte Seehofer unserer Zeitung. "Das fordert der Respekt vor den Opfern." Nun wird ein neuer Termin gesucht, Seehofer hofft auf eine Veranstaltung in zwei Wochen. Er und Ude sagten der Brauerei zu, zu einem neuen Termin auf jeden Fall zu erscheinen. Man wolle die Tradition natürlich auch, wenn möglich, aufrecht erhalten, sagte der Ministerpräsident.

Für den Nockherberg 2009 waren hunderte Gäste geladen worden und müssen nun binnen Stunden über die Absage informiert werden.

Von Christian Deutschländer und Stephanie Ebner

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