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Eine Million Menschen pilgern jährlich nach Stonehenge, um sich die weltberühmte Kultstätte der Kelten anzusehen – wegen des Vandalismus darf man den Steinkreis allerdings nicht mehr betreten.

Unternehmer aus Wunsiedel will die Kultstätte aus Kunstfels nachbauen

Stonehenge in Oberfranken! Wahnsinn oder Geniestreich?

Was würden dazu die alten Kelten sagen? Ein Unternehmer aus Wunsiedel will in Oberfranken das englische Nationalheiligtum Stonehenge nachbauen!

Wunhenge hat Kai Hammerschmidt (43) seine Idee getauft – und einen regelrechten Glaubenskrieg entfacht.

Hammerschmidt, der Chef eines Kunstfels-Unternehmens, versteht sich auf künstliche Welten. In Tierparks, Badelandschaften oder im Legoland sind seine Werke bisher zu bewundern. Stonehenge in Wunsiedel wäre aber eine ganz andere Dimension: Auf fünf bis sechs Hektar soll neben Wunhenge noch ein Keltenpark entstehen. Investitionsvolumen: zwei bis vier Millionen Euro. 40 Prozent davon, so hofft Hammerschmidt, könnten aus staatlichen Fördertöpfen fließen, den Rest sollen Banken und Privatleute lockermachen. Felsen-Mann Hammerschiedt ist zuversichtlich, dass er das Projekt bis 2011 realisieren kann. Allerdings sind nicht alle in Wunsiedel begeistert. Der Stadtrat hat sich zwar für das Projekt ausgesprochen, aber denkbar knapp. „Mit zwölf zu elf Stimmen“, so Hammerschmidt, „das war alles andere als glorreich.“

Hammerschmidts Pech: Zu seinen Gegnern zählt fast die komplette lokale Prominenz: der Ehrenbürger, der Kulturpreisträger, die langjährige Kulturbürgermeisterin und auch noch der Leiter des Fichtelgebirgsmuseums. Ihr Einwand: Die Stonehenge-Kopie passe nicht in die Gegend. Außerdem hätten nie Kelten in der Region gesiedelt. Und jetzt laufen auch noch die Jäger Sturm gegen das Projekt, weil der Keltenpark mitten in ihrem Lehr- und Forschungsrevier liegen soll. Und das stört die Ruhe der Rebhühner …

Hammerschmidt hält dem entgegen, dass der Park wirtschaftlich für einen Schub sorgen würde. Untersuchungen ergaben, dass man mit rund 150 000 Besuchern jährlich rechnen könne. Und er hat noch einen Trumpf im Ärmel: Sogar Peter Carson, der Geschäftsführer von Stonehenge in England, hat sein Projekt abgesegnet. Dessen Sorge war, dass Wunhenge eine Art Disneyland werden könnte. Doch Hammerschmidt konnte alle Bedenken zerstreuen, auch weil er zusicherte, dass man das Konzept einer „leisen Veranstaltung“ verfolge.

Hammerschmidt will Stonehenge maßstabsgetreu nachbauen – und sogar originalgetreu nach dem Sonnenstand ausrichten. Einziger Unterschied zum Original: das Gewicht. Die Steinkolosse von Stonehenge bringen rund 50 Tonnen auf die Waage, die Kunstfelsen nur fünf. Aber dafür haben sie einen großen Vorteil: Sie dürfen betreten werden. Das Original ist eingezäunt.

Ob das reicht, um echte Stonehenge-Mystik zu vermitteln? Immerhin: Es gibt eine Verbindung zwischen den Orten in Südengland und Oberfranken. Wenn auch nur eine profane: Beide liegen an der Straße 303 …

Sollte Wunhenge scheitern, will Hammerschmidt übrigens nicht so schnell aufgeben: „Ich bin sicher“, meint er, „dass es Regionen gibt, wo man sich über 150 000 Besucher jährlich freuen würde. Interessenten dürfen sich gern melden.“

WdP

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