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Am bayerischen Schulsystem soll sich einiges ändern, fordern Experten.

Top-Berater des Freistaats fordern Radikalreform der Schulen

München  - Die Top-Berater der Staatsregierung fordern eine Radikalreform des bayerischen Schulwesens. Der Wissenschaftlich-Technische Beirat empfiehlt eine grundlegende Neuordnung von Schulorganisation und Lehrerausbildung.

Die Schulen sollen selbstständiger und weitgehend vom Gängelband der Kultusverwaltung entlassen werden. In der Lehrerausbildung müsse die Pädagogik im Vordergrund stehen und nicht die Fachwissenschaft, empfahl der Unternehmensberater Herbert Henzler als Chef der Kommission am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Mehrere Lehrerverbände protestierten umgehend.

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Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nannte die Vorschläge "unbequem", sagte aber eine vorurteilsfreie Prüfung zu.
Henzler kritisierte vor allem die Leistungen von Lehrern und Kultusministerium. Entscheidend für die Qualität der Schule seien in erster Linie die Lehrer und ihre Ausbildung. "Leider sehen wir in Bayern noch keinen echten Ansatz", klagte Henzler. Die Diagnose des Beirats: Die Lehramtsstudenten lernen zu viel wissenschaftliche Theorie, sind aber vielfach im Umgang mit den Schülern überfordert. Henzler empfahl Aufnahmeprüfungen für Lehramtsstudenten, um sie wie Lufthansa-Piloten auf ihre Eignung für den Beruf zu testen.

"Leider gehen wir im Moment in Bayern in die falsche Richtung", sagte der frühere Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey. Jeder Absolvent könne wegen des Lehrermangels in Bayern auch Lehrer werden - ungeachtet seines pädagogischen Talents. Lehrer sollen künftig genauso Helfer und Berater der Kinder sein wie Vermittler von Fachwissen. Gleichzeitig betonte Henzler, es gehe "nicht um Lehrerschelte." Der Beirat empfiehlt außerdem, künftige Lehrer von Gymnasien, Real- und Volksschulen zumindest teilweise gemeinsam auszubilden.

Im Beirat hat die Staatsregierung kluge Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft versammelt. Maßgeblich beteiligt an dem Gutachten war unter anderem Marion Schick, die frühere Chefin der Fachhochschule München. Sie kritisierte, nicht der Pädagoge sei das Leitbild der Lehrerausbildung, "sondern der kleine Fachwissenschaftler". Die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände reagierte empört. Das Gutachten sei von "Ahnungslosigkeit und Anmaßung" geprägt.
Der Beirat forderte außerdem für die Kindergärten mehr Erzieherinnen und eine bessere Ausbildung. Anstelle von derzeit durchschnittlich 11,5 Kindern soll eine Erzieherin künftig nur noch 8 Kinder betreuen.

Auch die Schulorganisation soll unter dem Motto "entfesselte Schule" grundlegend geändert werden. Die Schulleiter sollen viel eigenständiger werden und über Budget und Personal ihrer Schule mitbestimmen können. Dies entspricht weitgehend den Forderungen der FDP.
Ministerpräsident Seehofer lobte das Gutachten, ließ aber wenig Neigung erkennen, die Erkenntnisse umzusetzen. "Es geht darum, Visionen zu entwickeln, auch unbequeme Visionen. Dieses Fegefeuer muss die Politik aushalten", sagte er. Seehofer sicherte aber die "vorurteilsfreie" Prüfung zu. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU)reagierte ebenfalls zurückhaltend. "Wir sind dabei, in der Koalition eine grundlegende Konzeption zu erarbeiten."

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