+
Das schlammbedeckte Auto des Landwirts Rudi R.

Toter Bauer Rudolf R.: Kein neues Verfahren

Neuburg - Nach dem Fund der Leiche des vor acht Jahren von seiner eigenen Familie in Neuburg a.d. Donau getöteten Landwirts Rudolf R. ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens unwahrscheinlich.

"Die neuen Ermittlungen müssten schon neue Tatsachen schaffen, die Einfluss auf die Verurteilung der Täter haben", sagte Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle am Donnerstag in Ingolstadt. Ein anderer Tatablauf als bisher vermutet reiche allein nicht aus, um den Fall neu aufzurollen. Seit der Identifizierung des Toten aus der Donau steht fest, dass der getötete Bauer weder zersägt noch an die Hofhunde verfüttert wurde. Diese makabre Version vom Verschwinden der Leiche galt bisher als möglich.

Die Ehefrau von Rudolf R. und der Verlobte einer der beiden Töchter der Familie waren 2005 wegen Totschlags zu je achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch die Töchter saßen im Gefängnis. Von der Leiche des 52-Jährigen fehlte jede Spur, bis am Dienstag an einer Donau-Staustufe in Bergheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) zwei Autos aus der Donau gefischt wurden. In einem Wagen, nachweislich dem Auto des vermissten Opfers, saß ein weitgehend skelettierter Toter. Bei der Leiche handelt es sich laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord zweifelsfrei um den Bauern aus dem Neuburger Ortsteil Heinrichsheim. Letzte Gewissheit habe die Überprüfung des Zahnschemas gebracht.

Damit ist die grausige Version vom Zerstückeln und Verfüttern des als Haustyrann verrufenen Familienoberhauptes vom Tisch. So hatte es der Verlobte nach seiner Festnahme geschildert, das Geständnis aber später widerrufen und ausgesagt, den Mann mit Hammerschlägen auf den Kopf getötet zu haben. Dennoch galt es als möglich, dass der 52-Jährige den Hunden zum Frass vorgeworfen worden sein könnte. Die Leiche wurde jedenfalls nicht gefunden, obwohl der Garten des Anwesens vollständig umgegraben wurde. Auch die Suche in einem nahen Baggersee verlief seinerzeit ergebnislos. Eine der Töchter hatte ausgesagt, ihr Vater sei im Auto versenkt worden. Der alkoholkranke Landwirt hatte sich jahrelang an seinen Töchtern vergangen.

Die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt will jetzt erst einmal das endgültige Ergebnis der Obduktion samt toxikologischem Gutachten abwarten. Danach würden die Ermittlungen von damals mit den neuen Erkenntnissen verglichen. "Für eine Wiederaufnahme des Verfahrens wären neue Tatsachen nötig, die Auswirkungen auf das Urteil haben", erläuterte Oberstaatsanwalt Herrle. Ohnedies könnte sich nachträglich nur etwas an der Haftdauer der Verurteilten ändern, mutmaßt Herrle. An der Täterschaft von Ehefrau und Verlobtem bestünden keine Zweifel.

Mit den im Gefängnis sitzenden Tätern haben die Ermittler bislang keinen Kontakt aufgenommen. "Dies würde zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn machen", sagte der Oberstaatsanwalt. Auch mit den beiden Töchtern, die ihre Jugendstrafe abgesessen haben, sei noch nicht gesprochen worden. Ohnedies glaubt Herrle, dass das im wahrsten Sinne des Wortes "Auftauchen" der Leiche "nichts wesentlich Neues bringt".

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Für 90.000 Euro: Mann bestellt seit Jahren online Waren - bezahlt aber nie
Ein Mann aus dem fränkischen Schwarzenbruck hat sich über Jahre in mindestens 220 Fällen Waren online Waren liefern lassen - aber nie bezahlt. Jetzt entlarvte die …
Für 90.000 Euro: Mann bestellt seit Jahren online Waren - bezahlt aber nie
Bayerischer Regionalligist trauert um Neuzugang (23): So gedenkt ihm ein kroatischer WM-Star
Schock für den SV Schalding-Heining: Neuzugang Edvin Hodzic ist kurz nach seinem Wechsel zum Regionalligisten gestorben. Auch Kroatiens WM-Held Mateo Kovacic trauert um …
Bayerischer Regionalligist trauert um Neuzugang (23): So gedenkt ihm ein kroatischer WM-Star
Fahrgäste bleiben in Gondeln stecken - Vorfall ruft Polizei auf den Plan
Bei einem Besuch einer Sommerrodelbahn in der Fränkischen Schweiz sind mehrere Gäste in Gondeln steckengeblieben und mussten von der Bergwacht befreit werden. Nun …
Fahrgäste bleiben in Gondeln stecken - Vorfall ruft Polizei auf den Plan
Die Seenotretter wollen nicht aufgeben
Die Hilfsorganisationen bekommen für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer momentan sehr viele Spenden – obwohl sie aktuell nicht ins Einsatzgebiet fahren dürfen. Doch …
Die Seenotretter wollen nicht aufgeben

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.