Zugunglück an Bahnübergang in Penzberg: Eine tote Person, 30 verletzte Bahninsassen

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Mit Traktoren und Schweinen gegen Patent auf Zuchtverfahren

München - Bauern und Umweltschützer sind am Mittwoch in München gegen Patente auf Tiere und Pflanzen auf die Straße gegangen.

Bayerns Bauern sind wütend. Wütend auf Lebensmittel-Discounter. Wütend auf die Gen-Lobby. Wütend auf die Globalisierung und wütend auf die Politik. Rund 1000 von ihnen verschafften ihrer Wut gestern Luft. Doch hinter der Wut, wohnt die Angst.

Bilder von der Demonstration

Mit Schwein und Traktor: Demo gegen Patent auf Tier

„Man stelle sich eine Live-Videoübertragung vor: Vom Betrieb mit Massentierhaltung bis zur Fleischtheke beim Discounter. Wer würde dann noch dort einkaufen wollen?“ Die irritierende Vision stammt vom Vorsitzenden des Bund Naturschutz in Bayern, Hubert Weiger. Deutschland sei eines der reichsten Länder der Welt, hätte aber die höchste Dichte an Lebensmittel-Discountern, behauptet Weiger. „Lebensmittel haben hier keinen Stellenwert“, ruft er wütend den Demonstranten entgegen. Er ist gegen die industrielle Tierhaltung, gegen Gen-Produkte auf den Feldern und gegen die „Gängelung durch die EU“. „Alle zwei Minuten hört in Europa ein Bauernhof auf zu existieren.“ Traditions-Betriebe, die für immer verloren seien.

Mit ihren Traktoren sind sie zur Staatskanzlei gekommen – Bauern, Landfrauen, Kinder. Sie stehen hier in der Hoffnung, dass man sie drinnen hören möge, wenn sie nur laut genug schreien und pfeifen. Die Globalisierung sei gescheitert, sagen sie. Die Rahmenbedingungen auf dem Milchmarkt habe die Politik „kaputt geschlagen“. Weltweit agierende Konzerne wie Monsanto versuchten, die Bauern in die Abhängigkeit zu treiben.

Draußen auf ihren Feldern und ihren Ställen haben sie Angst um ihre Existenz. Denn den Reibach, den machen andere. „Die da oben zerstören mit einem Federstrich, was wir das ganze Jahr erarbeitet haben“, ruft Romuald Schaber vom Bundesverband Deutscher Milchviehalter. „Der Kapitalismus hat seine Fratze gezeigt.“ Man brauche die Bürokraten in Brüssel nicht und auch keine Subventionen. Man brauche lediglich „verlässliche Rahmenbedingungen“. Mit dem Arm deutet Schaber über seine Schulter in Richtung Staatskanzlei: „Denen werden wir Beine machen. Wir sind das Volk!“ So eingestimmt geht es zum Marienplatz.

Vor dem Neuen Rathaus schließen sich die Bauern mit Umweltschützern, unter anderem von Greenpeace, zusammen. Gemeinsam kämpfen sie gegen Gen-Patente. Gemeinsam pfeifen sie Umweltminister Markus Söder aus, weil er für die Blauzungen-Impfung ist. Gemeinsam fürchten sie, dass Monsanto und andere Firmen planen, die Bauern „durch die Hintertür“ zu enteignen. Warum, fragen sie sich, sollen wir für ein Zuchtverfahren zahlen, dass wir im Grunde seit Jahrtausenden betreiben? Wird die natürliche Auslese durch die Gen-Analyse ersetzt? Der Schulterschluss der Verbände ist bemerkenswert, sind sich doch viele von ihnen nur all zu oft uneins. Man müsse die alten Grabenkämpfe überwinden, beschwören alle Beteiligten. Denn jetzt gehe es um etwas wichtigeres: Um die eigene Existenz. Heute geht der Kampf weiter: Bundesweit protestieren Bauern gegen den Verfall des Milchpreises.

Von Thomas Schmidt

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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