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Die Katholische Universität Eichstätt.

Uni-Krise Eichstätt: Kritik an Erzbischof Marx

Eichstätt -­ Das Drama an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt nimmt kein Ende. Jetzt gerät sogar Erzbischof Marx in die Kritik.

Erneut ist die kleine Uni im Altmühltal bundesweit in den Schlagzeilen und erneut ist eine gescheiterte Präsidentenkür der Grund. Der erst vor drei Wochen neu gewählte Präsident Reinhard Hütter (50) tritt sein Amt völlig überraschend nicht an. Schon vor einem Jahr stand die Uni kopflos da, nachdem sich der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke geweigert hatte, den damals bereits gewählten Uni-Präsidenten Ulrich Hemel zu ernennen. Eichstätter Studenten spotten mittlerweile im Internet : "Wer bleibt jetzt eigentlich noch übrig als KU-Präsidentenkandidat? Der Allmächtige himself?"

Dabei hätte dieses Mal alles so glatt laufen können: Stolz präsentierten die Hochschul-Offiziellen am 6. Mai als neuen Uni-Chef den zum Katholizismus konvertierten Theologen Hütter, der zur Zeit an der Duke University in Durham ( USA ) lehrt. Er war vom KU-Hochschulrat mit 13 von 16 Stimmen gewählt worden und hatte die Wahl umgehend angenommen. Sein Amt als Uni-Chef sollte er am 1. August antreten. In den folgenden Verhandlungen konnte sich der Träger der Uni, also Bayern katholische Bischöfe, allerdings nicht mit Hütter einigen. "Zum Schutz der KU" habe man Hütters Forderungen nicht akzeptieren können.

Konkret nannte die bayerische Bischofskonferenz weitgehende Pensionsforderungen und den Wunsch eines Stiftungslehrstuhls, der Hütter auch nach einem Ablauf der Präsidentschaft bis zu seiner Emeritierung garantiert werden sollte. Aus "Habemus praesidentem" wurde daher am Montag "Wir haben ein Problem": In einer Sondersitzung informierte der Träger den Senat der KU , dass Hütter das Präsidentenamt nicht antreten wird.

Der studentische Konvent begrüßte die Entscheidung und kritisierte zugleich das Verhalten Hütters: "Die exorbitanten Forderungen lassen uns Studierende gerade bei einem erst jüngst konvertierten katholischen Theologen an seiner Auslegung, vielmehr aber noch an seiner Verinnerlichung des "K's" zweifeln", teilten die Studierendenvertreter am Dienstag mit. Hütter sei ohnehin "nicht der Wunschkandidat der Mehrheit der Studierenden" gewesen. Der Konvent sei von der aktuellen Situation betroffen, allerdings hätte ein Amtsantritt Hütters der Universität mehr geschadet als "das sich nun abzeichnende Desaster", hieß es weiter.

Die Laienbewegung "Wir sind Kirche" hingegen kritisierte das Verhalten des Trägers: "Wenn man exzellente Wissenschaftler haben will, muss man auch das nötige Geld in die Hand nehmen", sagte Christian Weisner vom Bundesteam der Kirchenvolksbewegung.

Ulrich Hemel , der vor einem Jahr am Veto der Kirche gescheitert war und das Präsidentenamt an der KU deshalb nicht antreten konnte, sprach von einem "erheblichen Schaden", der der Hochschule durch das erneute Platzen der Präsidentenkür entstanden sei. Er wisse zwar keine Details über die Verhandlungen Hütters mit dem Träger, die Verantwortlichkeit für das jetzige Desaster liege jedoch letztlich bei Münchens Erzbischof Reinhard Marx und dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Marx soll ab Herbst den KU-Stiftungsratsvorstand von Hanke übernehmen, um die Uni an die kurze Leine der bayerischen Bischöfe zu nehmen. "Es ist unvermeidlich, dass er durch die Vorgänge schon jetzt beschädigt ist", sagte Hemel. Der Stiftungsvorstand der KU , Prälat Peter Beer, wies derartige Befürchtungen zurück. Das Ganze werfe die KU sicherlich nicht unbedingt nach vorne, der Betrieb laufe aber geordnet weiter. "In der Trägerschaft einer Hochschule wird es immer Höhen und Tiefen geben, dessen ist sich Erzbischof Marx als früherer Professor schon heute ganz bewusst", sagte Beer. Er sei sich sicher, dass Marx sich "den jeweils aktuellen Anforderungen mit ganzer Kraft stellen" werde.

Die KU muss sich nun jedenfalls erneut auf die Suche nach einem Uni-Chef machen ­ und das dürfte dauern: Intern rechnet man an der einzigen katholischen Universität des deutschsprachigen Raumes mit einem bis zu zwei Jahre dauernden Verfahren. Bis dahin soll ein neuer Interimspräsident die Hochschule leiten. Wer dies sein soll, könnte bereits am 4. Juni, nach der nächsten Sitzung des Hochschulrats, bekanntgegeben werden. Ein Eichstätter Student hat sich jedenfalls am Montag bereits in einer Online-Community angeboten: "Ich würds machen!", schrieb er.

dpa

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