Großfahndung: 12-Jähriger nach Bayern-Spiel vermisst

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Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger musste damals die Leiche von Ursula Herrmann obduzieren.

Gerichtsmediziner: "Ursula muss furchtbare Angst gehabt haben"

Augsburg - Im Prozess um die tote Ursula Herrmann hat am Donnerstagvormittag der Gerichtsmediziner Wolfgang Eisenmenger ausgesagt. "Das Kind muss furchtbar Angst gehabt haben", so Eisenmenger im Prozess.

Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger, noch bis zu seiner Pensionierung im April Leiter des Gerichtsmedizinischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität, schilderte dem Gericht in Augsburg Details über das tote Mädchen, das 1981 von ihren Entführern in einer Kiste im Waldboden vergraben worden war und erstickte. So berichtete der Professor, dass Ursula vermutlich keinen langen Todeskampf erleiden musste. Die damals Elfjährige sei an einem sogenannten Hypoxischen Ersticken gestorben - das ist vergleichbar mit dem Tod von Bergsteigern in großen Höhen, die nicht mehr genügend Sauerstoff bekommen.

Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Dabei bekommt der Sterbende keine Atemnot und schnappt nicht verzweifelt nach Luft, sondern fällt in eine Art Bewusstlosigkeit. Daraufhin tritt der Gehirntod ein. "Das ist vielleicht eine tröstliche Überlegung, dass das Mädchen keine Luftnot hatte", sagte Eisenmenger. Seinen Erkenntnissen zufolge hatte Ursula in der Kiste gegessen, spätestens eineinhalb Stunden später war sie tot.

Im Gerichtssaal ist auch Ursula Herrmanns Bruder Michael - er tritt als Nebenkläger auf. Er meldete sich erstmals im Verlauf des Prozesses zu Wort und wollte von Eisenmenger wissen: "Waren Ursulas Augen geschlossen?" Der Gerichtsmediziner antwortete nach einem Blick in die Akten mit "Ja".

Bilder vom Prozess

Der Prozess um den Tod von Ursula Herrmann

Eisenmenger, der die Leiche des Mädchens - 1,40 Meter groß und 30.5 Kilogramm schwer - damals gemeinsam mit drei Kollegen und in Anwesenheit von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei obduzierte und auch am Fundort der Kiste im Wald war, zeigte sich sichtlich erschüttert: "Für mich war es in hohem Maße erschreckend, was ich da gesehen habe."

Im zweiten Teil des Verhandlungstages sagten Ermittler von damals aus. Dabei wurde erklärt, warum die Polizei den Erpresser nicht über die Anrufe bei Ursulas Eltern ausfindig machen konnte. Damals sei Stand der Technik gewesen, dass in einem Ort jeweils nur eine Fangschaltung installiert werden konnte. In Eching war zum Zeitpunkt der Entführung Ursulas bereits eine aktiviert - bei der Tochter eines Rechtsanwaltes. Sie hatte Schweigeanrufe bekommen. Diese waren, so stellte sich zwei Tage nach Ursulas Verschwinden heraus, von einem Liebhaber gewesen. Erst dann wurde die Fangschaltung bei den Herrmanns eingerichtet. Doch um den Anruf zurückverfolgen zu können, hätte der Erpresser aus dem Ort anrufen müssen - sobald die Ortsvorwahl gewählt wurde, war die Technik nicht imstande, den Anrufer ausfindig zu machen.

Thema war zudem der Ex-Polizist, der inzwischen verstorben ist, lange Zeit aber als Hauptverdächtiger galt. Ein Ermittler gab an, dass zahlreiche Indizien gegen ihn gesprochen hätten -  mehr als gegen den aktuell Angeklagten Werner M. So sei das Auto des Ex-Polizisten am Entführungstag in der Nähe des Ortes gesehen worden, an dem Ursula bereits in der Holzkiste im Waldboden verscharrt worden war.   

bl

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Ursula Herrmanns Eltern vor Gericht

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