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Die Angeklagten küssen sich vor Beginn der Verhandlung im Gerichtssaal.

Ursula Herrmanns Eltern vor Gericht: "Um Sachlichkeit bemüht"

Augsburg - Mehr als 27 Jahre nach dem qualvollen Tod von Ursula Herrmann haben ihre Eltern unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Prozess gegen den mutmaßlichen Peiniger ihrer Tochter als Zeugen ausgesagt - sachlich, heißt es.

Erst als die 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg an diesem Montagmorgen alle Journalisten und Zuschauer nach draußen geschickt und die Tür verschlossen hat, betritt Michael Herrmann den Gerichtssaal durch einen Hintereingang. Wie später seine Frau Anneluise wird er nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit gut eine Stunde berichten, wie die Entführung und der Tod seiner damals zehnjährigen Tochter Ursula das Leben der Familie seit 1981 verändert hat.

Ursula Herrmanns Eltern bei der Beerdigung ihrer Tochter.

Es ist das erste Mal, dass die Herrmanns den mutmaßlichen Peiniger ihrer Tochter sehen. Werner M., 58, soll die kleine Ursula am 15. September 1981 in einem Waldstück bei Eching am Ammersee (Landkreis Landsberg) entführt und in eine im Waldboden eingelassene Holzkiste gesteckt haben. Darin erstickte das Mädchen qualvoll. Werner M.s Frau Gabriele, 62, soll ihrem Mann dabei geholfen haben. Sie sitzt hinter ihrem Mann auf der Anklagebank. Beide bestreiten, etwas mit der Tat zu tun zu haben.

Während der Aussage der Herrmanns hätten sie keine Reaktion gezeigt, berichtet später Gerichtssprecher Karl-Heinz Häusler. Anneluise noch Michael Herrmann hätten keinen Blickkontakt zu den Angeklagten gesucht, sagt Häusler. Ursulas Eltern hätten „sachlich und ohne Belastungseifer ausgesagt. Sie hätten geschildert, wie schlimm es gewesen sei, als ihre Tochter nicht mehr nach Hause gekommen sei. „Sie haben gesagt, dass der Mensch auf solche Dinge eben nicht vorbereitet ist“, wiederholt Häusler.

Bilder: Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Marion Zech, die Anwältin der Herrmanns, erklärt kurz darauf: Ihren Mandanten gehe es nicht um Genugtuung, es gehe darum, die Wahrheit herauszufinden. Die Eltern hätten die Hoffnung, dass dieser Prozess ein Stück Klarheit bringe. „Sie waren sehr bemüht, sich zu sammeln, um sich konkret erinnern zu können“, erklärt Zech. Beide seien sehr bemüht gewesen, die Fassung zu bewahren, sagt Zech. „Aber die Betroffenheit war da.“

Bilder vom Prozess

Der Prozess um den Tod von Ursula Herrmann

Anneluise Herrmann habe mitgenommen gewirkt, sagt Häusler. Sie habe berichtet, dass die Familie auch gesundheitlich schwer gelitten habe unter dem Verlust der Tochter. Sie hätten Trost und Hilfe im Gebet gesucht, habe Michael Herrmann gesagt. Der Verteidiger von Werner M., Walter Rubach, erklärt: „Es ist beeindruckend, wie die Herrmanns das verkraftet haben.“ Wie die Familie versucht habe, wieder ein normales Leben zu führen, den anderen Kinder zuliebe – immer in dem Glauben, doch noch eine Spur auf den Täter zu finden.

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Das Schicksal der kleinen Ursula hat auch die Verwandten der Hermanns mehr als 27 Jahre lang beschäftigt. Ursulas Cousine etwa berichtet, dass sie seit dem Verbrechen nie wieder alleine durch das Waldstück zwischen Eching und Schondorf geradelt sei. Und Ursulas Onkel beschreibt die Suche nach dem Mädchen so, als hätte er sie gestern erst erlebt. Der Prozess geht am Donnerstag weiter. Dann soll der Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger als Zeuge kommen. Er erinnert sich noch gut an den Tag, an dem er in die Holzkiste im Waldboden blickte und die tote Ursula sah. Er sagt: „Diesen Anblick werde ich nie vergessen.“

Bettina Link

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