Vulkanasche: Wie gefährlich wird der schmutzige Regen?

München - Wetterexperten erwarten wegen der Aschewolke verunreinigte Niederschläge. Wir sprachen mit Karsten Brandt von donnerwetter.de. Er erklärt, was uns im Bezug auf die Aschewolke erwartet.

Ein Kontinent „in Nullstellung“: Auch das Wochenende über blieb ein Großteil aller europäischen Flughäfen geschlossen. Während das Personal in den Terminals derzeit kaum zu tun hat, sind Europas Meteorologen im Dauereinsatz: Passagiere, Flugsicherung und Wirtschaftskonzerne warten angespannt auf ihre Vorhersagen.

Vulkanasche: Passagiere sitzen am Münchner Flughafen

Vulkan-Asche: Passagiere sitzen am Münchner Flughafen fest

Wir sprachen mit Wetterexperte Karsten Brandt von donnerwetter.de und erklärt, was uns im Bezug auf die Aschewolke erwartet.

Wo befindet sich die Aschewolke derzeit?

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Flugsicherung schließt Luftraum bis 20 Uhr

Münchens Flughafen - ein schlafender Riese

Im Augenblick zieht sie sich von Norwegen bis Bulgarien. Gleichzeitig stößt der Übeltäter, Islands Vulkan Eyjafjallajökull, unvermindert Asche in eine Höhe von rund 8000 Metern aus. Der Nordwind treibt diese hinüber auf den europäischen Kontinent. Der Deutsche Wetterdienst wies bei einer Lasermessung auf dem Hohenpeißenberg bei München Aschestaub in Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern nach. Dies könne anhand deutlich gesunkener Messwerte für Ozon gezeigt werden, das mit Stoffen aus der Aschewolke reagiert habe.

Wie lange wird die Wolke noch über Deutschland hängen?

Das stabile Hoch verhindert derzeit, dass stärkere Winde oder Niederschläge den Vulkanstaub weiterwehen oder auswaschen. „Die Wolke steckt gerade über uns fest“, sagt Meteorologe Karsten Brandt. „Weil keine Frischluft nachkommt, ist die Konzentration an Aschepartikeln sehr hoch und kann sich schön verteilen.“ Ab Dienstag ändert sich die Lage: Dann bringt Tief Queenie Schauer mit sich. Für den Flugverkehr ist das ein Segen. Das Problem: „Auch dieses Tief kommt von Nordosten“, so Brandt – also aus Richtung des Vulkans. Trotzdem gibt der Wettermann Entwarnung: „Spätestens am Freitag dreht der Wind und weht aus südwestlicher Richtung. Dann haben die Isländer selber das Problem.“

Kann man die Asche sehen?

Reine Asche regnet es nur im Nordwesten Europas. Hierzulande werden wir sie eher indirekt wahrnehmen, wenn sich die Asche gemischt mit Wasser abregnet. „Die Tropfen könnten eine schwarzbraun, möglicherweise gelbliche Färbung haben“, erklärt Brandt – der sogenannte Blutregen.

Ist dieser Regen giftig?

Karsten Brandt warnt vor Panikmache, rät aber zur Vorsicht: „Kein Experte hat bisher gesicherte Erkenntnisse darüber, was für Schadstoffe der Blutregen enthält.“ Wer vor die Tür muss, sollte auf jeden Fall einen Schirm mitnehmen, Kinder sollten möglichst nicht mit dem Regen in Berührung kommen. Brandt: „Auf jeden Fall wird es saurer Niederschlag mit einem niederigen pH-Wert sein, der weder der Haut noch den Schleimhäuten guttut.“

Aus was besteht die Vulkan­asche überhaupt?

66 Prozent der Asche sind Silizium, 18 Prozent Aluminium, sechs Prozent Eisen und je fünf Prozent Kalzium und Natrium. Getränkt ist die Asche außerdem mit Schwefel, der mit Regen zu Schwefelsäure wird.

Ist der Aschealarm mit dem Regen dann endgültig vorbei?

Nein! Zwar entspannt sich die Lage in er kommenden Woche, Anfang Mai werden jedoch neue Winde aus nördlicher Richtung erwartet. „Wenn der Vulkan auf Island dann immer noch spuckt, wird Europa komplett lahmgelegt“, prophezeit Brandt.

Kann man ein erneutes Chaos im Flugverkehr verhindern?

Kaum. „Selbst wenn die Asche-Konzentration nicht mehr so hoch ist, bleibt das Risiko für die Flugsicherung hoch.“ Experte Brandt sieht das Problem vor allem in Europas Unerfahrenheit mit solchen Naturphänomenen. „Wir kennen sowas ja nur aus Ländern wie Malaysia. Nicht mal wir Meteorologen haben damit gerechnet, dass hier alles zusammenbricht.“ Brandt hofft jedenfalls, dass der Ausbruch des Eyjafjallajökull eine Lehre für Forschung und Politik ist: „Vielleicht hatten wir 40 Jahre einfach nur Glück und wurden verschont.“ Was einmal passieren könnte, wenn beispielsweise der Vesuv in Italien ausbricht? „Das möchte ich mir gar nicht vorstellen."

ISP

Rubriklistenbild: © Haag

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