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Faszination Waffen - ein Bild von der derzeit laufenden Nürnberger Waffenmesse.

Nach dem Amoklauf

So viele Waffen gibt es in Oberbayern

München - Knapp eine Woche nach dem Amoklauf: Die Republik diskutiert über Waffengesetze - denn in Privathaushalten gibt es ein beträchtliches Waffenarsenal. Knapp eine halbe Million allein in Oberbayern.

In deutschen Privathaushalten lagern legal zwischen sieben und zehn Millionen Waffen, schätzt das "Forum Waffenrecht". Auch in Oberbayern kommt ein beträchtliches Waffenarsenal zusammen. 453 775 Waffen, also knapp eine halbe Million, sind in Privathaushalten verwahrt, wie eine Recherche unserer Zeitung ergab.

Sie verteilen sich auf 121 640 Waffenbesitzer. Das heißt, auf jeden Inhaber einer Waffenbesitzkarte entfallen statistisch gesehen etwa vier angemeldete Waffen. Das Gros der Waffenbesitzer sind Sportschützen und Jäger. Es gibt aber auch viele Erbstücke in Privatbesitz - allein 1150 Waffenbesitzkarten im Kreis München sind aus diesem Grund ausgestellt. Hinzu kommen 94 sogenannte "Gefährdete", für die ein Waffenschein ausgestellt wurde. Er berechtigt dazu, dass ein Waffenbesitzer seine Waffe am Körper tragen darf. Die Zahl der Sammler ist klein: Im Kreis Freising etwa sind 35 Sammler angemeldet. Mancherorts schlägt sich die Brauchtumspflege in Zahlen nieder - 300 Gebirgsschützen haben beim Landratsamt Miesbach ihre Stutzen angemeldet.

Die politische Debatte kreist um Artikel 36 des Deutschen Waffengesetzes. Demnach sind Kontrollen der privaten Waffenbesitzer nur zulässig, wenn "Zweifel an der sicheren Aufbewahrung" bestehen. Wohnräume dürfen gegen den Willen des Inhabers "nur zur Verhütung dringender Gefahren" betreten werden, heißt es mit Verweis auf die im Grundgesetz verbriefte Unverletzlichkeit der Wohnung. "Das wird nicht einfach", heißt es beim Bayerischen Landkreistag zu den Forderungen, Waffenbesitzer künftig auch ohne Anlass zu kontrollieren. Doch der Vorschlag hat eine prominente Unterstützerin: Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Deutschland hat sicherlich eines der strengsten, wenn nicht das strengste Waffenrecht auf der Welt", sagte Merkel. "Worum es mir geht ist, dass dieses gerecht, aber auch nachvollziehbar umgesetzt wird. Denn es nützt natürlich nichts, wenn es Aufbewahrungspflichten zu Hause gibt, aber es sich am Schluss daran nicht gehalten wird." Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wird darüber mit den Länder-Innenministers sprechen.

In Bayern dürfte so ein Vorstoß (etwa im Bundesrat) am Veto der FDP scheitern. Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der derzeit fast täglich ein Verbot von Killerspielen fordert (und damit den kleinen Koalitionspartner reizt), schweigt. Heute sollen mögliche Änderungen des Waffengesetzes im Kabinett diskutiert werden. Von der FDP kommt auch hier eine eindeutig ablehnende Position: "Es gibt kein Mittel, jedes Restrisiko auszuschalten", sagt der Rechtsexperte der FDP-Landtagsfraktion, Andreas Fischer. Anlasslose Kontrollen seien "ein ungeheurer Aufwand. Da bin ich skeptisch." Auch die SPD kritisiert den Vorschlag. Er sei "hanebüchen und absurd", so der SPD-Innenpolitiker Franz Schindler. Die rechtlichen Hürden bei allen Arten von Hausdurchsuchungen seien zu Recht hoch.

In Winnenden machten die Schüler der Albertville-Realschule gestern vorsichtige Schritte in die Normalität. Rund 90 Prozent der etwa 580 Kinder und Jugendlichen kamen an verschiedenen Orten mit Lehrern und Psychologen zusammen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Todesschützen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Der 17-jährige Täter hatte eine Waffe seines Vaters verwendet, die dieser im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Der Vater könnte ein empfindliche Strafe erhalten. Das zeigt das Beispiel des Amoklaufs im Internat von Brannenburg (Kreis Rosenheim) im März 2000, bei dem ein Schüler mit einer Waffe aus dem Besitz seines Vaters den Heimleiter erschossen hatte. Der Vater wurde damals zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, weil er seine Waffen nicht sorgsam aufbewahrt hatte.

von Dirk Walter und Tanja Köhler

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