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Der Brudermord in der Bibel: Kain erschlägt aus Neid seinen jüngeren Bruder Abel.

Prozess gegen Studentin beginnt

Warum wollte Alex ihren Bruder erschlagen?

Alex macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, jedenfalls nicht im Internet.

Dort ist sie bei einem Kennenlern-Portal registriert – und auf die Frage, wen sie gerne mal treffen würde, schreibt die 25-Jährige prügelhart: „Die Frage ist nicht wen, sondern mit was.“ Klingt nach einem Witz, war aber todernst gemeint. Denn noch an dem Tag, als sie zum letzten Mal auf der besagten Internetseite surfte, traf sie ihren Bruder: Und zwar mit einem Baseballschläger. Von hinten auf den Kopf. Gleich zwei Mal.
Der 18-Jährige kam zwar mit relativ glimpflichen Verletzungen davon, trotzdem muss sich seine Schwester wegen versuchten Mordes verantworten. Am Dienstag beginnt vor dem Schwurgericht München II der Prozess.

Der 24. Juni 2008 – in Uffing am Staffelsee geht alles seinen gewohnt beschaulichen Gang. Bis ein junger Mann über die Straße taumelt, sich zu den Nachbarn schleppt. Blutüberströmt.
Noch Minuten zuvor hatte er gemütlich auf dem Sofa gesessen, vorm Fernseher. Dann schleicht sich seine Schwester von hinten an, zieht ihm die Keule über den Schädel. Er kommt mit Platzwunden und Blutergüssen in die Klinik, sie ins ­Frauengefängnis München-Neudeck. Dort wartet Alex seit neun Monaten auf ihren Prozess.

In der Verhandlung sollen zwei Sachverständige und 14 Zeugen dabei helfen, das  große Rätsel zu lösen: Was um Himmels willen hat das Mädel bloß dazu getrieben, ihrem eigenen Bruder so etwas anzutun?
Alex stammt aus einer bodenständigen Familie. Freunde beschreiben sie als herzlich und hilfsbereit, sie engagierte sich im Verein „Menschen helfen“. Sie gilt als blitzg’scheit, studiert in München. Aber aller Klugheit zum Trotz scheint sich der Hass tief in ihr Herz gefressen zu haben. Davon jedenfalls ist der Staatsanwalt überzeugt. In der Anklageschrift unterstellt er der 25-Jährigen Heimtücke. Theoretisch hätte ihr Bruder an den Schlägen sterben können.
Bekannte berichten, dass sich Alex von ihren Eltern regelmäßig herabgesetzt gefühlt hatte. Er bekam angeblich alles, sie nur Arbeit und Ablehnung. Solange, bis sie die Nerven verlor. Aber hat sie das wirklich gewollt?

Andreas Beez

Stichwort

Hass & Liebe bei Geschwistern

Der Brudermord in der Bibel: Kain erschlägt aus Neid seinen jüngeren Bruder Abel.

Kain erschlug Bruder Abel, weil er neidisch war, dass Gott dessen Opfer bevorzugte. Auch heutzutage zanken sich Geschwister bis aufs Blut: Liam und Noel Gallagher von der englischen Band Oasis sollen sich mit Cricketschlägern verprügelt haben, nachdem Liam im Rausch Pub-Besucher ins Tonstudio seines Bruder zum Weiterfeiern eingeladen hatte.
Geschwister – sie lieben und sie hassen sich. Psychologen wie der Münchner Geschwisterforscher Prof. Hartmut Kasten sprechen hier von einer emotionalen Ambivalenz, die ganz typisch für Geschwister sei. Der Experte erklärt das Phänomen:
Ungewollt verbunden: Die Geschwisterbeziehung ist die längste Beziehung im Leben eines Menschen. Durch das Aufwachsen in einem Nest ist sie von Anfang an sehr nah und intim. Gleichzeitig haben diese Beziehungen etwas Schicksalhaftes, weil man sie sich nicht aussuchen kann, sondern in sie hineingeboren wird – sie können nicht beendet werden. Im späteren Erwachsenenalter sind Geschwister zudem oft gezwungen, zu kooperieren, wenn es etwa um die Pflege der Eltern geht.
Entthronungs-Trauma: Schon ganz früh kämpfen Geschwister um die Liebe der Eltern. Die Rivalität beginnt für das ältere Geschwisterkind, wenn das jüngere auf die Welt kommt und es vom Thron stößt. Wenn die Eltern nicht gegensteuern, kann die Eifersucht bleiben.
Der ewige Vergleich:  Es liegt auf der Hand, dass Geschwister sich  aufgrund der ähnlichen Gene oft vergleichen. Eltern, die auch unbewusst häufig Eigenschaften, das Aussehen oder schulische Leistungen ihrer Kinder vergleichen, verstärken die Rivalität. Unter den Geschwistern entstehen Neid und Eifersucht.
Ein schlummerndes Problem: Zwar wandeln sich die Inhalte, um die rivalisiert wird, und es gibt immer wieder Phasen, in denen die Probleme in den Hintergrund rücken. Viele Geschwister tabuisieren diese ganz. Die Rivalitätsprobleme bleiben aber und können jederzeit aufbrechen, etwa wenn ein Geschwisterkind im Gegensatz zum anderen ungewollt kinderlos bleibt.

nba

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