Protestaktion vor der Staatskanzlei

Bäuerinnen zelten vor der Staatskanzlei

München - Die Milchpolitik raubt den Bäuerinnen den Schlaf, wie es in einer Resolution des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) heißt.

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Um die durchwachten Stunden sinnvoll zu nutzen, haben rund 400 Frauen die komplette Nacht vor der Staatskanzlei für einen Milchkrisengipfel demonstriert. Die Laune unter den rund 400 Milchbäuerinnen aus ganz Bayern, die sich gestern Nachmittag vor der Staatskanzlei versammelt hatten, war gut. Viele genossen auf ihren mitgebrachten Liegen und Luftmatratzen die Sonne. Doch die Urlaubsstimmung konnte nicht über das ernste Anliegen hinwegtäuschen, dass die Frauen zu diesem bundesweiten Protest bewegte. „Wir sind sehr oft diejenigen, die in den Betrieben für das finanzielle Management zuständig sind, deshalb wollen wir jetzt öffentlich auf unsere dramatische Situation aufmerksam machen“, erklärt BDM-Bundesbeirätin Christine Schneebichler die ungewöhnliche Aktion, deren Ziel ein Milchkrisengipfel unter der Federführung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist. „Jetzt in der Krise müssen unsere Probleme zur Chefsache werden“, fordert die Milchbäuerin aus Neubeuern (Kreis Rosenheim). Denn die seien inzwischen existenzbedrohend: „Haben wir in Bayern von den Molkereien noch vor einem Jahr für einen Liter Milch gut 40 Cent bekommen, sind es heute nur noch 25 Cent“, beklagt Schneebichler den dramatischen Preisverfall. Zur Zeit bräuchten die Landwirte ihr zufolge aber etwa 40 bis 43 Cent, um kostendeckend produzieren zu können. „Wir sind nicht groß auf Gewinne aus“, betont die BDM-Vertreterin. „Wir wollen einfach nur überleben.“

Um dieses Ziel zu erreichen, hat der BDM eine Resolution verfasst, in der der Verband Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ebenso wie andere Regierungschefs um Unterstützung für einen Milchkrisengipfel auf Bundesebene bittet. Ihrer Forderung wollten die Bäuerinnen Nachdruck verleihen, indem sie unter freiem Himmel vor der Staatskanzlei übernachteten. Das Schreiben überreichten sie gestern Nachmittag an Amtschef Walter Schön. Seehofer selbst konnte die Resolution nicht persönlich in Empfang nehmen, weil er in Berlin war. Der Landesvater ließ aber über Staatskanzleisprecherin Daniela Philippi verkünden: „Die Forderungen sind berechtigt. Wir kämpfen um einen Milchpreis, mit dem die Bauern leben können und unterstützen die Forderungen nach einem Milchgipfel.“

Dass das nicht nur leere Worte sind, hofft nicht nur Regina Hafner aus Sontheim (Unterallgäu). „Der Milchpreis liegt derzeit auf dem Niveau von 1946, unsere Ausgaben aber auf dem von 2009“, beklagt die Milchbäuerin in Anspielung auf die hohen Energiepreise. Außerdem ärgert die Landwirtin, dass in die Autoindustrie Milliarden gepumpt werden.

„Nur uns Bauern hilft niemand, obwohl jeder siebte Arbeitsplatz an der Landwirtschaft hängt.“ Monika Gaisreiter aus Bichl (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fordert derweil eine „flexible Mengensteuerung“. So solle die Milchproduktion begrenzt und die Preise stabil gehalten werden. Sogar die nächste Generation an Milchbäuerinnen ist nach München gereist, um gegen die Milchpolitik zu protestieren. Katharina Prey etwa, deren Eltern einen Betrieb in Niedermurach (Kreis Schwandorf) haben. Die 18-Jährige befürchtet: „Wenn sich nichts ändert, habe ich keine Zukunft.“

Silke Fischer

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer

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