„Danke für eure Freundschaft“: Mit diesem Herz verabschiedeten sich die Mitschüler von den vier toten Freundinnen. Es war während des Gottesdienstes in der Kirche aufgestellt.Denk

Uns wurde das Herz aus dem Leib gerissen

Der Himmel weinte, als am Donnerstag Nachmittag die vier Opfer des Horror-Unfalls von Waldkirchen zu Grabe getragen wurden. Dicke Wolken hingen über dem Bayerwald-Örtchen, tiefe Trauer hatte alle Bewohner erfasst.

Trost konnte auch Pfarrer Bruno Pöppel in seiner Predigt kaum spenden: „Viele von Ihnen würden das wohl als Zumutung empfinden“, wandte er sich während des Requiems an die Eltern der verstorbenen Schülerinnen Jeanett B. (19), Christina S., Tanja S. und Nicole F. (17). Mitschüler hatten ein von Kerzen umrandetes Herz mit Namen und Bildern der Verstorbenen sowie ihrem Sterbedatum gestaltet, das neben dem Altar in der Stadtpfarrkirche stand. „Danke für eure Freundschaft“ stand darauf.

Der Horror-Unfall

Horror-Unfall in Ostbayern: Vier Mädchen sterben

Statt melancholischer Orgelklänge begleitete optimistische Gitarren- und Flötenmusik die vier Freundinnen, die am Montag nur rasch zum McDonald’s nach Freyung fahren wollten, auf ihrem letzten Weg. Pfarrer Pöppel: „Vielleicht haben sie noch ‚Tschüss, Mama‘ gesagt, vielleicht ‚Bis morgen‘. Doch den neuen Morgen haben sie nicht mehr erlebt.“

Mit kurzen Stichpunkten aus ihrer Biografie erinnerte der Geistliche an das viel zu kurze Leben der vier Mädchen. Da war Jeanett, die Fahrerin: Mit vier zog sie aus Sachsen mit ihren Eltern nach Stierberg. Sie stand kurz vor dem Abi, wollte ab September studieren. Tanja, die ihren Traumberuf Friseurin wegen einer Allergie nicht ausüben konnte, aufgrund ihrer neuen Liebe Michael aber dennoch lebenslustig war – und wenige Stunden vor ihrem Tod der Mutter noch eine SMS schrieb: „Mama, i mog euch recht.“

Christina, die wie Jeanett gerne ritt, von Kunden und Kolleginnen an ihrem Ausbildungsplatz geschätzt wurde und deren Fürsorge vor allem der Oma galt. Und Nicole. Pfarrer Pöppel: „Sie hat das Leben geliebt. Ihre Freunde verlieren eine temperamentvolle Freundin.“ Als Pfarrer Pöppel eine Aussage von Tanjas Mutter in der Stunde des Todes wiedergab, hallte lautes Stöhnen und Schluchzen durch die Kirche. Sie hatte gesagt: „Mir wurde das Herz aus dem Leib gerissen.“

Sanitäter standen vor der Kirche und am Friedhof für Notfälle bereit. Die Polizei sicherte den Zug der über 1000-köpfigen Trauergemeinde nach dem Requiem ab. Von der Aussegnungshalle wurden die drei hellbraunen Särge von Tanja, Christina und Nicole zu ihren Gräbern getragen. Jeanett war schon drei Stunden zuvor in Böhmzwiesel beigesetzt worden. Auf einem der Sterbebildchen stand ein Spruch zu lesen, den an diesem traurigen Tag wohl alle in ihren Herzen trugen: „Niemals gehst du ganz...“

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