Schilderbrücke auf der A 8 mit eingebautem Blitzer. foto: tp

Irschenberg und Co.

So modern sind die neuen Super-Blitzer

Rosenheim - Ob fest installierte oder mobile Radarkontrollen: Bayerns Blitzer sind im digitalen Zeitalter angekommen – auch auf den Autobahnen. Denn gerade dort sind Autofahrer oft zu schnell unterwegs.

Der „Traffistar S 330“ kennt keine Gnade. Wer auf der A 8 am Irschenberg (Kreis Miesbach) in Fahrtrichtung München das Gaspedal auf über 100 Kilometer pro Stunde durchdrückt, den erwischt’s. Ohne Wenn und Aber. Dann schnappt die moderne Radarfalle zu, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Im Schnitt macht die Messanlage täglich 200 Blitzerfotos. Das ist in Bayern ein Rekordwert, sagt Winfried Thalmaier von der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim (VPI), bei der die Fotos der Verkehrssünder ausgewertet werden.

Gut, dass die Rosenheimer die Umstellung von analog auf digital schon vor über drei Jahren abgeschlossen haben. Das ist ein Segen für die Arbeit in der VPI. Denn vieles geht jetzt schneller. „Früher hatten wir Kodak-Filme in den Messanlagen“, erzählt Thalmaier. „Damals musste man raufklettern, sie rausholen und im Fotolabor entwickeln.“ Heute geht das wesentlich unkomplizierter. Die Digitalfotos landen direkt auf den PCs der zuständigen Polizeistellen, die diese dann der VPI in Rosenheim „online anliefern“, wie Thalmaier es ausdrückt.

Die Qualität der Bilder ist wesentlich besser planbar

Ein weiterer Vorteil der Digitaltechnik: „Früher hat ein Messbeamter erst mal die Einstellung der Kamera gemacht und dann gehofft, dass das Bild nach der Entwicklung was wird. Jetzt können wir die Einstellung anpassen, haben immer eine Kontrollmöglichkeit.“ Damit meint Thalmaier, dass die Polizeibeamten auf ihrem Bildschirm sehen, wenn sich die Witterung ändert, die Sonne beispielsweise plötzlich tiefer steht und ins Objektiv blendet. Die Qualität der Bilder ist digital also wesentlich besser planbar als analog. Außerdem ist die Auflösung digitaler Bilder ohnehin höher, sagt Thalmaier.

Leichter ist es für Temposünder also nicht gerade geworden, mit der Aussage davonzukommen, die Bildqualität des Blitzerfotos sei nicht ausreichend, um den Fahrer eindeutig benennen zu können. Das ist nach wie vor einer der beliebtesten Einsprüche gegen Bußgeldbescheide. Werden Einsprüche eingelegt, landen die Fälle vor dem jeweiligen Amtsgericht. Große Aussicht auf Erfolg haben sie aber nicht, wie Alexander Lorenz vom Bayerischen Polizeiverwaltungsamt in Straubing berichtet: „Lediglich in 0,88 Prozent aller Fälle ist es im Jahr 2014 zu einem tatsächlichen Freispruch gekommen.“ Da würden selbst gängige Ausreden wie kranke Personen auf dem Beifahrersitz nichts helfen. Und ganz kuriose Geschichten schon gar nicht. Eine Frau, erzählt Lorenz, habe zum Beispiel einmal erklärt, ihr Ehemann auf dem Beifahrersitz habe sie am Oberschenkel getätschelt. Da das sonst nicht seine Art sei, sei sie so erschrocken, dass sie das Gaspedal durchgetreten habe.

Bayernweit legen Autofahrer ohnehin in nur knapp sieben Prozent der Fälle Einspruch ein. Dass diese Zahl in Zukunft sinken wird, glaubt Thalmaier von der VPI Rosenheim aber nicht. „Viele Leute haben eine Rechtsschutzversicherung“, erklärt er. Deswegen könne sich so mancher Geblitzte einen Einspruch leisten, wenn Verfahrenskosten von der Versicherung übernommen werden.

Messanlage kostete um die 400.000 Euro

Beim Thema Kosten kommt wieder der „Traffistar S 330“ ins Spiel. Auf 400.000 Euro schätzt Thalmaier den Preis für die Messanlage. Das ist der große Nachteil der modernen elektronischen Augen. Das bayerische Innenministerium hatte sie auf der A 99 am Münchner Autobahnring bei Aschheim erfolgreich getestet. Mitte 2014 wurden moderne Blitzer dann an acht weiteren Schilderbrücken integriert: Auf der A 8 befindet sich ein fester Blitzer neben dem Irschenberg noch in Richtung Salzburg in Höhe des Seehamer Sees sowie bei Teisendorf. Auf der A 9 wurden zwei Stück in Richtung München bei Eching und Garching integriert sowie auf der A 92 in Flughafennähe ebenfalls in Richtung München. Auf feste Radarkontrollen müssen Autofahrer außerdem auf der A 94 in Richtung Passau bei Feldkirchen achten sowie auf der A 99, Allacher Spange, in Richtung Stuttgart.

Die Anlage am Irschenberg ist die einzige feste Messstelle, im Gebiet der VPI Rosenheim, die rund um die Uhr blitzt. Der Einzugsbereich erstreckt sich immerhin auf die Landkreise Traunstein, Mühldorf, Miesbach, Garmisch, Tölz, Weilheim und Rosenheim. Der Traffistar ist eben nicht ganz billig. Deshalb setzt die Polizei nach wie vor auf mobile Blitzer, die nur für ein paar Stunden an der Autobahn stehen. „Wir messen gerne in Baustellen“, verrät Thalmaier. Dort sei das Rasen mancher Verkehrsteilnehmer besonders gefährlich, da die Baustellenarbeiter teils nur gut einen Meter von den vorbeirauschenden Autos entfernt stünden. Auch ohne unzählige Traffistars werden der Polizei die Blitzerfotos nicht ausgehen. „Bei der passenden Gelegenheit blitzt es einfach immer“, sagt Thalmaier. „Das Fahrverhalten auf Autobahnen ist einfach nie so, wie es sein sollte.“

Markus Schwarzkugler

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