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Der aus Unterfranken stammende Rudolf Wöhrl hatte 1933 in Nürnberg sein erstes Geschäft eröffnet

Modeunternehmer Wöhrl gestorben

Nürnberg - Im Alter von 96 Jahren ist der Nürnberger Unternehmer Rudolf Wöhrl, bekannt durch seine gleichnamige Modehauskette, in der Nacht zum Montag gestorben. Dies teilte die Stadt Nürnberg mit.

Der Knopf war sein Markenzeichen: Im Alter von 96 Jahren ist am Montag der Nürnberger Modeunternehmer Rudolf Wöhrl gestorben. Der gebürtige Unterfranke hatte 1933 in Nürnberg sein erstes Geschäft eröffnet und damit den Grundstein für die Modehauskette Wöhrl gelegt, die heute mit 2900 Mitarbeitern in 40 Filialen und einem Umsatz von etwa 360 Millionen Euro zu den großen Modeunternehmen in Deutschland gehört. Wöhrl starb nach langer Krankheit am frühen Montagmorgen in Nürnberg, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte.

Rudolf Wöhrl war eine der letzten großen fränkischen Unternehmerpersönlichkeiten. Er stand in einer Reihe mit Elektronik- Unternehmer Max Grundig, Quelle-Gründer Gustav Schickedanz, “Eis- König“ Theo Schöller oder dem Rüstungsunternehmer Karl Diehl. Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) würdigte Wöhrl als herausragenden Unternehmer: “Rudolf Wöhrl war maßgeblich an der Entwicklung Nürnbergs zu einer attraktiven Einkaufsstadt beteiligt. Auf ihn geht unter anderem die Einrichtung einer Fußgängerzone in der Innenstadt zurück“, erklärte Maly.

Geboren wird Rudolf Wöhrl am 1. August 1913 in Dettingen bei Aschaffenburg. Dort findet er in jungen Jahren - so erzählt es jedenfalls die Firmengeschichte - auf der Straße einen Knopf. Zunächst ein Talisman, wird dieser Knopf später zum Markenzeichen und ziert noch heute das Firmenlogo. 1933 eröffnet Wöhrl, gerade einmal 20 Jahre alt, im alten “Kaufhaus zum Christkind“ in Nürnberg sein erstes Geschäft, das er “Zetka“ (“Zuverlässige Kleidung“) nennt.

Zwölf Jahre später sinkt bei der Bombardierung Nürnbergs am 2. Januar 1945 auch das Wöhrl-Geschäftshaus in Schutt und Asche. In Roth bei Nürnberg startet Wöhrl mit seiner Frau Berta neu - aus Uniformen, Decken und Zeltplanen werden Anzüge, Mäntel und Hosen hergestellt. 1949 begründet er am Weißen Turm in Nürnberg auf 60 Quadratmetern das Stammhaus, das heute als “Wöhrl-City“ eines der größten Mode- und Sporthäuser in Deutschland ist.

Der Wirtschaftsboom der 50er Jahre lässt das Modeunternehmen wachsen, die ersten Filialen werden eröffnet. 1970 überträgt Rudolf Wöhrl das Unternehmen auf seine Söhne Gerhard und Hans Rudolf. Sein Erfolgsrezept beschreibt er einmal so: “Die Eigenart des Hauses Wöhrl ist der Geist des Gemeinsamen, der die “Wöhrl-Familie“ schuf - durch die jahrelange vertrauensvolle Verbundenheit des Hauses mit seinen Stammkunden. Diesen treuen Zusammenhalt drückt ein Sinnbild aus, so schlicht, dass es jedes Kind versteht: der Knopf.“

Nach der Übergabe zog sich Rudolf Wöhrl aus dem operativen Geschäft zurück, war aber bei Firmenanlässen immer wieder gerngesehener Gast. Seit 1985 war er in zweiter Ehe mit seiner Frau Mizzi verheiratet. Wöhrl wurde mehrfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er als Vizekonsul von Marokko den marokkanischen “Al Radi- Orden“. Das 2002 in eine Familien-AG umgewandelte Modeunternehmen wurde lange Zeit vor allem von Hans Rudolf Wöhrl repräsentiert, dem Ehemann der CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl. Der leidenschaftliche Pilot engagierte sich auch in der Luftfahrtbranche. 2004 übernahm sein Bruder Gerhard Wöhrl die Mehrheit am Unternehmen, seit 2007 fungiert er als Vorstandsvorsitzender.

dpa

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