Vor dem Psychiater schwieg er

Mollath: „Habe meine Ex-Frau nicht geschlagen“

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Regensburg - In Anwesenheit eines Psychiaters wollte Gustl Mollath am zweiten Prozesstag in Regensburg nicht sprechen. Nach der Verhandlung sprach er stattdessen mit den Medien.

Als Gustl Mollath, 57, den Sitzungssaal betritt, klatschen seine Anhänger. Es ist der zweite Prozesstag am Regensburger Landgericht – und Mollath wird heute schweigen, wird seinem Verteidiger nur eine Notiz über den Tisch zuschieben; solange ein Psychiater zugegen ist, sagt er kein Wort.

Doch nach der Verhandlung, da wird Mollath vor Journalisten erklären: „Ich habe meine Ex-Frau nicht geschlagen. Die Vorwürfe sind mir bekannt.“ Doch die Taten hätten nicht stattgefunden. Mollath muss sich bei seiner Wiederaufnahme unter anderem wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten: Er soll seine inzwischen geschiedene Frau Petra im August 2001 geschlagen, getreten, gebissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Er soll ihr sogar mit dem Tod gedroht haben.

Die vorgeworfenen Taten liegen mehr als ein Jahrzehnt zurück, und die beiden Polizeibeamten, die heute als Zeugen geladen sind, können sich kaum noch an die Vernehmungen von Petra M. erinnern. Der erste zitiert vor allem aus den Akten, der zweite sagt gleich zu Anfang: „Ich kann mich an nichts mehr erinnern – nicht einmal, dass ich den Vorgang bearbeitet habe.“ Trotzdem bleibt heute an Mollath das Bild eines prügelnden Ehemannes hängen, der auf den beruflichen Erfolg seiner Frau neidisch gewesen sein soll – während es bei ihm finanziell bergab ging.

Gleichwohl tauchen Ungereimtheiten und neue Fragen auf: Warum hat Petra M. ausgerechnet am 15. Januar 2003 Anzeige gegen ihren damaligen Mann erstattet? Just an dem Tag, als sie in der HypoVereinsbank, wo sie als Vermögensberaterin tätig war, von der Revisionsabteilung vernommen wurde – Mollath hatte sie wegen Schwarzgeldgeschäften angezeigt.

Sein Anwalt Gerhard Strate sieht darin „ein tragendes Motiv für den Gang zum Kommissariat“. Eine Art Rache, könnte man es überspitzt nennen. Auch Gerichtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger, der als Sachverständiger bestellt ist, fragt nach, warum in einer der Anzeigen von Petra M. von Fausthieben die Rede sei, in einem Attest, das sie einst dem Gericht vorlegte, hingegen von Schlägen mit der flachen Hand gesprochen wird?

Antworten gibt es darauf nach so langer Zeit nicht. Am heutigen Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt – mit Aussagen von Petra M.s Bruder und dessen Lebensgefährtin.

Barbara Nazarewska

Rubriklistenbild: © dpa

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