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Kurzes Intermezzo mit der Freiheit: Gustl Mollath spricht auf dem Weg zur Buchvorstellung in der Innenstadt von Bayreuth mit Journalisten.

Freigang bei Buchvorstellung

Mollath für wenige Stunden in Freiheit

Bayreuth - Gustl Mollath kommt zu Fuß, mit zwei Stofftaschen voller Unterlagen. Deutschlands berühmtester Psychiatrie-Insasse ist bei einer Buchvorstellung zu Gast. Und die Entscheidung über seinen Wiederaufnahmeantrag rückt näher.

Der seit sieben Jahren in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath hofft, bei der möglichen Wiederaufnahme seines Falls vollständig vor Gericht rehabilitiert zu werden. „Rausdürfen heißt nicht, wirklich frei zu sein“, sagte er am Dienstag in Bayreuth. Dort war er in Begleitung eines Arztes aus dem Bezirkskrankenhaus Bayreuth bei einer Buchvorstellung zu Gast. Den kurzen Weg von der Klinik zum Hotel, wo das neue Buch des CSU-Kritikers Wilhelm Schlötterer „Wahn und Willkür“ vorgestellt wurde, bewältigte er zu Fuß. Zuvor hatte ihm die Klinik auf Antrag des Heyne Verlags, der Schlötterers Buch verlegt, Ausgang gewährt. Ein Ausgang, der allerdings nur einige Stunden währte.

Wilhelm Schlötterer, der sich sehr in dem Fall engagiert, sagte bei der Buchvorstellung: „Dieser Mann ist nicht geisteskrank, er ist völlig normal.“ Die Geisteskrankheit sei ihm „angedichtet“ worden. In seinem Buch zeichnet der pensionierte Ministerialrat im bayerischen Finanzministerium, der nach wie vor CSU-Mitglied im Ortsverband Pullach ist, das „System Strauß“ nach, es geht um Korruption, Lügen, Vermögensanhäufungen. Und natürlich um den Fall Mollath, der vielleicht sehr bald frei kommt.

Gustl Mollath: Erster Freigang

Gustl Mollath: Erster Freigang

Denn nach Angaben des Landgerichts Regensburg steht eine Entscheidung über die Wiederaufnahme des Verfahrens unmittelbar bevor. Die Anträge stammen von der Staatsanwaltschaft und Mollaths Anwalt Gerhard Strate – der sich aber pessimistisch über die Erfolgsaussichten geäußert hat. Die Entscheidung könne nun jeden Tag fallen, sagte ein Sprecher des Gerichts gegenüber unserer Zeitung. Gustl Mollath wertet dies als „Riesenschritt“. „Ich bitte um ordentliche Rechtsstaatlichkeit und um Überprüfung dieses skandalösen Urteils.“ Auch müssten die Gutachten überprüft werden, „die sagen, ich sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, was überhaupt nicht stimmt“.

Der 56-Jährige sitzt seit 2006 auf gerichtliche Anordnung in der Psychiatrie, weil er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Er sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts zur Vertuschung von Schwarzgeldgeschäften der HypoVereinsbank. Mollath sagte, er sei durchaus bereit, sich einer neuen Untersuchung durch einen Gutachter zu unterziehen. Zur Bedingung mache er aber, dass die Untersuchung „in Bild und Ton“ aufgezeichnet werde und dass eine Vertrauensperson dabei sein könne.

„Ich habe die Hoffnung, dass die Dinge positiv enden“, sagte Mollath. Er sei kein rachsüchtiger Mensch. Er stelle sich trotz der Forderungen nach seiner Freilassung auf den schlechtesten Fall ein, nämlich dass er weiter in der Psychiatrie bleiben müsse. Da sei ihm ein ordentliches Gefängnis noch lieber.  

mm/dpa

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