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Es ist für sie eine Herzensangelegenheit: Die Erdinger Kabarettistin Monika Gruber appelliert an alle, weniger im Internet und mehr in den Läden vor Ort zu kaufen.

„Man muss solidarisch sein“

Monika Gruber: "Kauft in den (kleinen) Läden"

München – Kabarettistin Monika Gruber hat im Internet eine Welle losgetreten mit einem Appell für den Einzelhandel. Wir sprachen mit ihr über Online-Shopping und Beratungsdiebstahl.

„Bitte kauft mehr in den (kleinen) Läden (...) Wenn wir den Einzelhandel nicht unterstützen, schauen in fünf Jahren alle Städte gleich aus“, postete die 43-Jährige auf ihrer Facebook-Seite. Ihr Appell wurde 20 000 Mal geteilt, 60 000 User klickten „gefällt mir“. Wir sprachen mit der Erdingerin:

Haben Sie mit dieser Resonanz gerechnet?

Es waren sicher viele Einzelhändler, die das geteilt haben und darunter leiden, dass sehr viele Leute im Netz bestellen. Es gibt aber auch viele, die wie ich in einer Kleinstadt leben und nicht möchten, dass die kleinen Läden mit dem persönlichen Flair und besonderen Service nach und nach verschwinden. Aber genau das wird der Fall sein, wenn alle nur noch online kaufen.

Warum machen Sie sich für den Einzelhandel stark?

Ich hab’s ja auf meiner Facebook-Seite so formuliert: Wenn wir den Einzelhandel nicht unterstützen, schauen in fünf Jahren alle Städte gleich aus... Da kann man/frau sich dann zwischen zwei Drecks-Handy-Läden, 18 Bankfilialen, einem Ein-Euro-Shop, vier Wett-Cafés aussuchen, ob er/sie eine indische Döner-Pizza im Stehen oder doch lieber ein kaffeeähnliches Gwasch im Plastikbecher und einen nach PU-Schaum schmeckenden sogenannten Cup-Cake in sich reinstopfen will.

Das Thema scheint eine Herzensangelegenheit von Ihnen zu sein.

Das muss eine Herzensangelegenheit von uns allen sein. Es ist schon ein Wahnsinn, wie wenig Gedanken sich manche Konsumenten machen. Da geht einer ins Sportgeschäft, schraubt dem Verkäufer eine Stunde ein Gespräch über den neuesten Ski ins Knie, lässt sich beraten und sagt: „Danke, ich überleg’s mir noch mal“ – schaut aber dann bereits im Laden, ob der der gleiche Ski im Netz zehn Euro billiger ist und kauft ihn dann im Netz. Das habe ich selbst schon erlebt – und nicht nur einmal. Unglaublich.

Der sogenannte Beratungsdiebstahl...

Genau, das ist ein Armutszeugnis. Der Bürger in uns muss den Konsumenten in uns auch mal besiegen: Okay, dieser Laden in meiner Stadt beschäftigt Menschen aus meiner Stadt. Der gibt beispielsweise Müttern, die nur halbtags arbeiten können, einen Job. Und der Laden ist auch ein Gesicht meiner Stadt. Man muss mit den Händlern solidarisch sein – man profitiert nur selber davon. Der größte Witz dabei ist, dass das Internet nicht unbedingt billiger ist. Wenn man Stammkunde ist und mal mehr kauft, gewähren außerdem viele Händler Rabatt. Sie packen’s Dir außerdem ein, liefern sogar am gleichen Ort vor die Haustür und tauschen auch oft ohne großes Gezeter um. Mein Problem ist ja bei Internetkäufen immer: An wen wende ich mich, wenn das Glump kaputt ist oder ich eine Frage habe? Wenn ich zum Beispiel wieder mal zu deppert bin, alle wunderbaren Funktionen meines Fernsehers zu durchschauen, dann rede ich doch lieber mit dem netten Herrn Frey aus der Münchner Straße anstatt mit einer Hotline in Mumbai zu telefonieren. Und wenn ich ihm einen Cappuccino serviere, dann kommt er sogar vorbei. Auch außerhalb seiner offiziellen Geschäftszeiten! Das nenne ich Service am Kunden!

Kaufen Sie denn nie im Internet ein?

Wirklich nur ganz, ganz selten. Meistens dann, wenn ich nicht weiß, wo ich es besorgen kann. Eine ganz spezielle DVD zum Beispiel. Meistens können die Händler einem das aber auch bestellen – super Sach’.

Viele behaupten, Einkaufen im Netz sei stressfrei. Ist der Bummel durch die Stadt für Sie nicht Stress pur: „Mei, sind Sie nicht die Frau Gruber?“

Quatsch. Wenn ich durch meine Heimatstadt Erding bummle, interessiert sich keine Sau für mich. Die sehen mich ja eh die ganze Zeit. Ich hab da keinen Stress – im Gegenteil, es macht Spaß. Außerdem geh ich als haptischer Mensch ganz gern einkaufen: Ich möchte den Pulli anfassen, die Schuhe anprobieren. Ich bin ja auch nicht ganz ohne Fehl und Tadel und habe mal einen sauteuren Pulli im Internet bestellt. Da holst Du das Stück aus der Verpackung raus und merkst sofort: Aha, den hatte schon mal jemand bei sich zu Hause gehabt. Das ist dann nicht so ein tolles Einkaufsgefühl. Dann muss man das wieder zur Post schleppen und zurückschicken. Das ist Stress.

In welchen Geschäften findet man Sie am häufigsten? Tippe auf Schuhläden, oder?

Nicht vor Weihnachten. Weil ich ein Kinderheim beschenke, kaufe ich häufig in Spielwaren- und Schokoladenläden ein. Ganz wichtig ist der Besuch im Papiergeschäft. Denn ein Geschenk ohne Karte ist für mich kein richtiges Geschenk. Nur meine Neffen und Nichten kriegen an Weihnachten nichts von mir. Da kommt das Christkind und nicht Tante Moni. Die schenkt dann wieder unterm Jahr.

Interview: Bernd Ernemann

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