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Ein Großaufgebot der Polizei sperrt in der Nacht auf Dienstag den Ortskern und jagt den Täter.

Nachbarschaftsstreit eskaliert

Mord in Rott am Inn: „Dass so etwas bei uns passiert!“

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Nach dem Raubmord in Königsdorf erschüttert Oberbayern wieder eine Bluttat: Ein 25-Jähriger ersticht zwei Rentner bei einem Nachbarschafts-Streit in Rott am Inn (Kreis Rosenheim). Die Polizei durchkämmt den Ort noch in der Nacht und fasst den Mann.

Rott am Inn– Über den Dächern kreist stundenlang ein Hubschrauber, Blaulichtschein zuckt durch die Straßen – die Bewohner des 4000-Seelen-Dorfes Rott am Inn (Kreis Rosenheim) haben am Morgen des Faschingsdienstags eine unruhige Nacht hinter sich. Doch diese Unruhe weicht in der Früh schnell Entsetzen, als sich herumspricht, dass eine schreckliche Bluttat Anlass für den nächtlichen Großeinsatz war. Ein Nachbarschafts-Streit in einem Mehrfamilien- und Geschäftshaus mitten im Ort ist eskaliert – eine 66-Jährige und ein 73-jähriger Hausbewohner sind tot. Sie starben trotz intensiver Reanimation noch vor Ort an ihren schweren Stichverletzungen.

Als dringend tatverdächtig gilt der 25-jährige Freund einer 20-jährigen Hausbewohnerin. Das teilt die Polizei mit. Die Einsatzkräfte, die nach dem Notruf am Montag gegen 22.20 mit einem massiven Aufgebot an den Tatort eilen, können den Mann noch in der Nacht gegen 1.30 Uhr am nördlichen Ortsrand von Rott stellen. Er lässt sich widerstandslos festnehmen. Auch die 20-Jährige, die in einer Rotter Metzgerei als Verkäuferin arbeitet, wird verhaftet. Sie wehrt sich dabei jedoch heftig, verletzt einen Polizisten. Sie ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Ein Spürhund rekonstruiert am Morgen nach der Tat den Fluchtweg von Izzet S. in ein Rotter Wohngebiet.

Am nächsten Morgen sind die Ereignisse der Nacht Gesprächsthema Nummer eins. In der Bäckerei direkt gegenüber dem Tatort sitzen einige Nachbarn zusammen. „Dass so etwas bei uns passiert!“, ein Satz, der immer wieder fällt. Gegen 9.30 Uhr fährt ein Team der Spurensicherung vor. Ein Spürhund verfolgt eine Duftspur vom Tatort bis in das Wohngebiet gegenüber dem Sportplatz – so rekonstruiert der Hund den Fluchtweg des Mannes, obwohl in der Nacht geregnet hat.

Derweil kursieren im Ort Gerüchte über den Tathergang. Fest steht: In dem Haus war es bereits in der Vergangenheit öfter zu Streitigkeiten gekommen. Anlass dafür sei der Krach in der Wohnung der 20-Jährigen gewesen, die dort regelmäßig mit Freunden gefeiert habe – so berichten es die Nachbarn. Meist sei auch der Türke Izzet S. dabei gewesen, der nun beschuldigt wird, die beiden Rentner getötet zu haben. Wieder sei es in der Tatnacht um Lärm gegangen, bestätigt die Polizei. Dann eskalierte der Streit: Der polizeibekannte Izzet S. stach hochaggressiv und ohne Vorwarnung zu. Laut Polizei hatten die beiden Opfer kaum Chancen sich zu wehren. Besonders tragisch: Nach Informationen unserer Zeitung sollte die 20-Jährige am nächsten Tag ausziehen und hatte bereits ihre Möbel aus der Wohnung geräumt: Der tödliche Streit brach wohl in ihrer letzten Nacht in dem Haus aus – wegen des Krachs, den die jungen Leute beim Renovieren der Wohnung machten.

Der Beschuldigte Izzet S.

Die 66-jährige Getötete habe im Ort jeder gekannt, erzählen die Rotter. Sie habe sich zwar öfter über Lärm beschwert, nicht nur im Haus, sondern auch, wenn auf dem Platz davor Veranstaltungen stattfanden. „Das war aber eine ganz Nette“, sagt ein Nachbar. Sie habe im Haus die Treppen gekehrt und nach dem Rechten gesehen, mit ihrem Mann, der nun Witwer ist, wohnte sie schon lange dort. Das zweite Opfer, der 73-Jährige, sei ein ruhiger und zurückgezogener Typ gewesen. In der Fußballszene habe er sich über viele Jahre engagiert.

Die Ermittler der Kripo verlassen Rott, das die meisten nur als letzte Ruhestätte von Franz Josef Strauß kennen, unter grauen Wolken. Über dem Haus, in dem zwei Menschen brutal getötet wurden, ragt der Glockenturm der Klosterkirche auf, mit zwei Glupschaugen und einem roten Mund zu einem Faschingsgesicht geschmückt. An diesem Tag ist in Rott niemandem zum Feiern zumute.

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