Mord vor 32 Jahren: Angeklagter verurteilt

Nürnberg/Schwabach - Die Beweislage war bis zuletzt verzwickt, jetzt sorgte das Gericht mit einem unerwarteten Urteil für einen Paukenschlag:

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Mord vor 32 Jahren: Angeklagter vorbestraft

77-Jähriger schweigt vor Gericht

Sexualmord geklärt

Im Strafverfahren um einen Mord vor 32 Jahren hat das Landgericht Nürnberg-Fürth am Montag einen Rentner lediglich wegen Mittäterschaft verurteilt. Der 77-jährige Rollstuhlfahrer muss für die Tat im Jahr 1977 für sechs Jahre hinter Gitter. Der Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Strafe wegen Mordes, der Verteidiger einen Freispruch gefordert. Der Anwalt kündigte zugleich Revision gegen das Urteil an.

Die Rentnerin war 1977 auf dem Nachhauseweg von einem Bus-Ausflug vergewaltigt, beraubt und anschließend umgebracht worden. Trotz erheblicher Gegenwehr hatte der Täter die Frau so lange gewürgt, bis sie starb. Daraufhin hatte er den leblosen Körper zu einem Wassergraben in der Nähe eines Weihers gefahren und hineingeworfen. Die Ermittler waren erst 2008 auf die Spur des Angeklagten gekommen, als sie den Mordfall noch einmal aufgriffen. Dabei stießen sie auf die DNA-Spur des vorbestraften Mannes, die mit DNA-Material in der seinerzeit sichergestellten Unterwäsche der Rentnerin weitgehend übereinstimmte.

Auch der Vorsitzende der Strafkammer, Richter Richard Caspar, war noch zum Prozessauftakt bei dem nächtlichen Tötungsdelikt in Schwabach von einem Einzeltäters ausgegangen. Das änderte sich, als unterschiedliche Spermaspuren daran Zweifel weckten. Gerichtsmediziner hatten festgestellt, dass allein das in der Unterwäsche der getöteten Rentnerin entdeckte Sperma von dem Angeklagten stammte; dagegen hätten die in der Scheide des Opfers entdeckten Spermaspuren nicht dem 77-Jährigen zugeordnet werden können, stammten also von einem anderen Mann.

Nach Einschätzung des Gerichts weist dieser Umstand auf zwei Täter hin, die die 86-Jährige damals überfallen haben. Vergewaltigt worden sei sie nach der Beweislage von dem Komplizen des Angeklagten. Dieser habe sie nach der Tat wahrscheinlich auch gewürgt, um sie mundtot zu machen. Ob auch der Angeklagte sie gewürgt habe, lasse sich heute nicht mehr nachweisen. Sicher ist nach Einschätzung des Gerichts aber, dass der heute 77-Jährige dem Treiben seines Komplizen tatenlos zugesehen habe. Die Sperma-Spuren auf der Unterhose des Opfers ließen vermuten, dass dieser sich während der Tat selbst befriedigte.

dpa

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