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Der 27-jährige Angeklagte. Als das Urteil  verkündet wurde, ging ein Raunen durch den Gerichtssaal.

Schwangere Geliebte ermordet

Landshut - Ein 27-jähriger Mann hat seine schwangere Geliebte ermordet und auf grausame Art verschwinden lassen. Jetzt wurde er verurteilt.

Als das Urteil verkündet wird, geht ein Raunen durch den vollbesetzten Saal im Landshuter Landgericht. Lebenslange Haft wegen Mordes. Eine junge Frau beginnt zu weinen.

“Die Kammer hat sich die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht“, sagt die Vorsitzende Richterin Gisela Geppert am Montag. Doch am Ende war der Fall klar. Der Angeklagte hatte ein Motiv, seine schwangere Geliebte zu töten - und die “unvorstellbare Tat“ sei auch zeitlich möglich gewesen, sagt Geppert. Die Krisensituation, in der er sich befand, habe er selbst herbeigeführt.

Nach Überzeugung des Gerichts ermordete und verbrannte der 27-Jährige die Schwangere, weil sie ihm und seiner festen - ebenfalls schwangeren - Freundin im Weg war. “Der Angeklagte erkannte, dass er dieses einfache Mädchen, das ihm hörig war, nicht mehr im Griff hatte“, sagt Geppert. Für die Geliebte kam eine Abtreibung nicht infrage. Er habe das Kind mit ihr nicht gewollt. An den Tagen vor und nach der Tat am 3. Oktober 2009 soll er sich “völlig normal“ verhalten haben, wie Zeugen berichtet hatten.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach rund 70 Verhandlungstagen eine lebenslange Haft gefordert. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Als der 27-Jährige am Ende in Handschellen abgeführt wird, ist ihm keine Regung anzumerken. Er hatte bis zuletzt bestritten, mit dem gewaltsamen Tod der 23-Jährigen etwas zu tun zu haben. Tatsächlich gab es zuvor nicht einen handfesten Beweis für seine Täterschaft. Selbst die Staatsanwaltschaft sprach von “vielen kleinen Mosaikstücken“, die letztlich ein Gesamtbild ergäben - und verlangte nach rund 70 Verhandlungstagen lebenslange Haft. Die Anwälte des Kochs plädierten auf Freispruch, warfen Kripo und Staatsanwaltschaft mangelhafte Ermittlungen vor. Die Anklage sei reine Spekulation. Die Frau könnte Selbstmord begangen oder einen epileptischen Anfall gehabt haben, hatten sie zuvor argumentiert.

Doch das Gericht sah es anders. “Sie hatte keine Epilepsie“, sagte Geppert. Auch selbstmordgefährdet sei die 23-Jährige nicht gewesen. Die Frau habe lediglich hin und wieder “Befindlichkeitsstörungen“ gehabt, wie jeder andere Mensch auch. “Sie freute sich auf ihr Kind, auch wenn sie traurig war, dass eine dauerhafte Beziehung nicht möglich war.“ Die im fünften Monat Schwangere habe “eigentlich ganz gut“ gelebt. Das Kind hätte ihre Lebenssituation aus ihrer Sicht weiter verbessert - kein Grund für einen Selbstmord.

Die 23-Jährige habe wohl geahnt, dass es für den Koch neben ihr noch andere Frauen gab. Aber die junge Frau wollte ihn nicht verlieren, wie Geppert sagte. “Sie war vollständig unvernünftig und nicht belehrbar.“ Ihre Hoffnung sei gewesen, ihr Geliebter werde sich am Ende für sie entscheiden. Währenddessen plante der Koch die Hochzeit mit seiner “Hauptfreundin“. Diese Verlobung halte bis heute, sagte die Vorsitzende Richterin. Während der Koch in Untersuchungshaft saß, brachte die “Hauptfreundin“ im April das gemeinsame Kind zur Welt. “Es passt nicht zu ihm, er ist nie aggressiv“, hatte sie als Zeugin vor Gericht zur Anklage gegen ihren Verlobten gesagt.

 lby

 

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