Ein Mord, viele Missverständnisse

Albaching - Er suchte das große Glück, sie wollte der Armut entkommen. Ludwig B. (68) lernte seine Razel (37) vor zehn Jahren im Urlaub auf den Philippinen kennen. Bald folgte die Asiatin ihrem Wiggerl nach Albaching (Kreis Rosenheim). Nun kam es zur Tragödie.

Am Freitag trugen Bestatter Razels Leiche aus dem schmucken Anwesen. Ludwig B. war kurz zuvor in eine Verkehrskontrolle in der Freisinger Landstraße im Ortsgebiet von Unterföhring geraten. Verstört hatte er dort den Beamten gestanden: „Ich habe meine Frau umgebracht.“

In Albaching sind die Menschen fassungslos. Viele hatten den Eindruck, dass Wiggerl und Razel ein Leben in Harmonie führten. Nach außen verlief das Leben beinahe perfekt. Razel hatte eine Tochter (heute 13) mit nach Deutschland gebracht, und bald folgten für Ludwig eigene Kinder. Erst Isabella (9), dann Reaven Philip (3). Der Kleine war Wiggerls ganzer Stolz. Und auch sonst schien alles zu passen. Erst heuer wurde Isabellas Erstkommunion groß gefeiert.

Nach zwei gescheiterten Ehen mit einer Einheimischen und einer anderen Philippinin schien Ludwig endlich die Richtige gefunden zu haben. Das Paar galt als harmonisch und fleißig. Arbeit war für Wiggerl ohnehin fast das ganze Leben. Meist hatte er mehrere Jobs parallel: Tagsüber fuhr er einen Milchlaster, nachts stand er in einer Folienfabrik an der Maschine. Und dann war da ja auch noch die Landwirtschaft. Erst in den letzten Jahren ließ er es etwas langsamer angehen. Dabei halfen die großzügige Abfindung aus der Fabrik Ende der 1990er Jahre und die Mieteinnahmen, die die Einliegerwohnungen des Anwesens brachten.

Trotzdem muss es immer wieder Ärger gegeben haben. „Die Razel war lieb, aber halt auch eine Matz“, erzählt einer der Nachbarn. „Der Wiggerl sollte immer wieder Geld heranschaffen. Für ihre Familie auf den Philippinen. Aber das war nicht alles. Zuletzt, so erzählt man sich, wollte sie knapp 2000 Euro von ihm, weil sie eine Internetbekanntschaft in Ägypten besuchen wollte.“

Hat das Ludwig B. so irre gemacht, dass er seine Frau totgeschlagen hat? Der Landwirt war zwar immer hilfsbereit, doch er konnte auch gewaltig aufbrausen, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Seine zweite Ehefrau soll vor ihm im Frauenhaus Zuflucht gesucht haben.

Und Razel? Offensichtlich wollte sie der Enge des Dorfes im Internet entkommen. Hier suchte sie - ohne Bayern, ihren Mann oder die Kinder zu erwähnen - nach Freundschaften oder einer Beziehung. Wiggerl soll deshalb erst vor kurzem den Computer zertrümmert haben. Über Frauen von den Philippinen sagte er übrigens einmal: „Eine solche musst Dir zulegen, dann geht’s Dir gut.“ Die Liebe, das Glück und der Wiggerl: ein furchtbares Missverständnis, das eine dreifache Mutter jetzt mit ihrem Leben bezahlte.

Wolfgang de Ponte

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