BR-Bericht deckt Skandal auf

Verschwundene Peggy: Falsche Zeugenaussagen

Lichtenberg - Es ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Bayerns: Der Fall der kleinen Peggy aus Lichtenberg (Oberfranken), die 2001 spurlos verschwand. Jetzt tauchen sensationelle neue Erkenntnisse auf. 

Peggy verschwand am 7. Mai 2001.

Es ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Bayerns: Am 7. Mai 2001 verschwindet die kleine Peggy aus Lichtenberg (Oberfranken) spurlos. Das Mädchen mit den blauen Augen ist wie vom Erdboden verschluckt. Drei Jahre später wird der geistig behinderte Ulvi K. schuldig gesprochen, Peggy getötet zu haben. Aber war er es wirklich? In einer BR-Dokumentation geht Autor Christian Stücken nun dieser Frage nach – mit überraschenden Ergebnissen: Im Fall Peggy sagten Zeugen die Unwahrheit, es wurden wichtige Hinweise ignoriert. Sein Schluss: Ulvi K. ist möglicherweise unschuldig!

„Mord ohne Leiche – Neue Spuren im Fall Peggy“ lautet der Titel der Dokumentation, die heute Abend um 23 Uhr in der ARD läuft. In dem Film werden viele relevante Zeugen von damals noch einmal zu ihren Beobachtungen befragt. Ihre Aussagen dürften manchem ermittelndem Beamten von einst die Haare zu Berge stehen lassen.

Da ist zum einen der Kronzeuge Peter H. Der gibt vor laufender Kamera zu, dass er seine belastende Aussage damals schlichtweg erfunden hatte – weil man ihm die Freiheit versprach. Peter H. saß in der geschlossenen Psychiatrie ein und wurde von den Beamten aufgefordert, den gerade eingewiesenen Ulvi auszuhorchen. Wenig später erzählte H. den Ermittlern, was sie hören wollten: Ulvi habe erzählt, Peggy getötet zu haben. Eine glatte Lüge!

Doch das ist nicht alles: Zwei Buben sagten damals aus, Peggy noch um 15 Uhr im Ort gesehen zu haben, dann sei das Mädchen in einen roten Mercedes gestiegen. Ein entscheidender Hinweis, denn das würde bedeuten, Ulvi K. hätte gar nicht die Zeit gehabt, die Schülerin zu töten. Wenig später zogen die Buben ihre Aussage zurück. Warum?

Heute sagen sie, sie seien von der Polizei unter Druck gesetzt worden – dennoch sind sie sich sicher: Peggy stieg damals um 15 Uhr in den Wagen mit tschechischem Nummernschild. Zudem ergaben die Recherchen: Die Aussage eines Mädchens, Peggy um eine gewisse Uhrzeit vom Bus aus beobachtet zu haben, kann nicht stimmen. Ulvi hätte somit gar ein Alibi.

Ist das die Wende im Fall Peggy? Michael Euler, Anwalt von Ulvi K., denkt, dass die neuen Ergebnisse nicht wieder ignoriert werden. Er ist überzeugt: Der Killer von Peggy ist noch immer frei …

AGE

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