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Die 34-Jährige hat die Tat gestanden.

Mordprozess: So tötete sie ihren Mann

Augsburg - Mit fester Stimme, nur von ein paar Schluchzern unterbrochen, schildert die attraktive Angeklagte im Mordprozess um die zersägte Leiche die grauenhafte Tat.

“Es ist richtig, dass ich schuld bin, dass er tot ist“, sagte die 34-Jährige vor dem Landgericht Augsburg. Sie widerspricht aber im selben Atemzug der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Sie habe ihren 46-jährigen Ehemann, einen Polizeihundeführer, im Januar nicht heimtückisch im Schlaf ermordet, sondern am Ende eines heftiges Streits erschlagen.

Nach der Tat brachte die Beschuldigte ihre damals vierjährige Tochter zunächst in den Kindergarten. Zurück im Haus, habe sie dann der Leiche die Beine abgetrennt. “Ich wollte ihn aus dem Haus haben, ich konnte nicht so richtig fassen, was ich gemacht habe, ich wollte nicht mehr erinnert werden.“ Dann habe sie zuerst mit der Schere dem Opfer die Hose zerschnitten und dann mit einem Messer versucht, die Beine abzutrennen. Später habe sie eine Fuchsschwanzsäge zu Hilfe genommen. “Ich kann mich nicht mehr speziell erinnern, wie es war. Ich weiß es einfach nicht mehr“, beteuert sie mehrmals. In Panik habe sie dann am Abend den Torso und die abgesägten Beine ins Auto gebracht und sei ziellos weggefahren. Rund sechs Kilometer von ihrer Wohnung entfernt habe sie die Leiche in einem offenen Feld abgelegt. Sie sei so in Panik gewesen, dass sie die in einem Plastiksack abgesägten Beine im Auto vergessen und erst rund 600 Meter weiter aus dem Auto geschafft habe. Am nächsten Tag hatte sie mit einer Vermisstenmeldung eine große Suchaktion der Polizei ausgelöst, die ergebnislos verlaufen war. Spaziergänger hatten schließlich die Leiche gefunden.

Die Zeit vor der Tat schilderte die Angeklagte als Ehedrama. Nach der Heirat 2004 hätten sie sich heillos verschuldet. Als zwei Kinder geboren worden waren, habe sich der Mann um nichts mehr gekümmert und zu trinken angefangen. Zu den sich häufenden Streitereien seien auch Handgreiflichkeiten und Sex gegen ihren Willen gekommen. “Ich wollte dann einfach nur weg“, die Ehe habe bald nicht mehr funktioniert. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sie habe ihren Mann aus Eifersucht heimtückisch ermordet, weist sie zurück. Sie will von der Beziehung ihrer besten Freundin mit ihrem Ehemann nichts gewusst haben. “Das hätte mich nicht gestört, ich hatte mit der Ehe emotional schon abgeschlossen.“

Auf Nachfrage des Staatsanwaltes, warum sich ihr Mann als ausgebildeter Polizist nicht gegen ihren Angriff mit dem Metallrohr gewehrt habe, sagte die Beschuldigte: “Ich weiß es nicht mehr.“ Und als ihr der Richter vorhält, Gutachten seien aufgrund der Blutspritzer zu dem Ergebnis gekommen, ihr Opfer müsse bei der Tat auf dem Sofa gelegen haben, erwidert sie mit Überzeugung: “Gewiss nicht, er ist beim ersten Schlag gestanden.“ Der Prozessverlauf wird ergeben müssen, ob Mord vorliegt, wie es die Anklage sieht, oder affektiver Totschlag, wie die Verteidigung meint. Das Urteil wird Anfang Dezember erwartet.

dpa

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