Mordprozess neu eröffnet: Angeklagter schweigt

Kempten - Vor dem Landgericht Kempten hat am Montag die Neuauflage eines Prozesses um den gewaltsamen Tod einer 39-jährigen Frau begonnen.

Im ersten Verfahren war ein 30-Jähriger wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Diesen Richterspruch hatte der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben, da in Untersuchungshaft ein belastendes Gespräch zwischen der Ehefrau und dem mutmaßlichen Täter mitgeschnitten worden war. Diese Aussagen hätten laut BGH nicht als Beweis verwendet werden dürfen. Das Landgericht hatte sein Urteil auch auf Telefonverbindungsdaten, Blutspuren der Getöteten an der Kleidung des Angeklagten sowie DNA-Spuren in ihrem Auto gestützt.

Der Angeklagte soll im September 2007 die Frau getötet haben, weil sie eine Affäre mit ihm beenden wollte. Die Leiche der Frau war Monate später im Unterholz bei Börwang im Landkreis Oberallgäu gefunden worden. Im ersten Verfahren hatte der Beschuldigte die Tat bestritten, jetzt schwieg er zu den Vorwürfen.

Die Anklage wirft ihm wie im ersten Verfahren Totschlag vor. Das Gericht wies aber darauf hin, dass eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht zu ziehen sei. Während den Ermittlungen war bei einem Gefängnisbesuch das Gespräch des Beschuldigten mit seiner Ehefrau heimlich abgehört worden. Er hatte sie damals gebeten, sich nach Italien abzusetzen und die Schuld für die Tat per Videogeständnis auf sich zu nehmen.

Sie sollte die Sache als Auftragsmord aus Eifersucht darstellen, für den sie 30.000 Euro an zwei Russen gezahlt habe. Heimliche Lauschangriffe gegen Eheleute beim Besuch während der Untersuchungshaft sind laut BGH jedoch verboten. Die dadurch gewonnenen Beweise dürfen im Prozess nicht verwertet werden, weil solche Maßnahmen den Grundsatz des fairen Verfahrens verletzen, hatte das Karlsruher Gericht im April entschieden.

Das Verfahren mit umfangreicher Zeugenvernehmung ist auf acht Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird nach Angaben des Gerichts am 9. November gerechnet.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann stellt sich vier Jahre nach Gewaltverbrechen
Vor vier Jahren fand die Polizei eine ermordete Frau. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Nun hat ein Mann das Verbrechen überraschend gestanden.
Mann stellt sich vier Jahre nach Gewaltverbrechen
Mann greift Einsatzkräfte an und randaliert im Rettungswagen
Ein 27-Jähriger ist auf Sanitäter losgegangen, die ihm helfen wollten. Im Rettungswagen randalierte der Mann und beschädigte einiges.
Mann greift Einsatzkräfte an und randaliert im Rettungswagen
Modellbahn, Briefmarke & Co: Deutsche Hobbys in der Alterskrise
Wo früher die neue Märklin durchs Zimmer fuhr, stehen heute Computer und Spielekonsolen. Die einst typisch deutschen Hobbys wie Modellbahn und Briefmarkensammeln stecken …
Modellbahn, Briefmarke & Co: Deutsche Hobbys in der Alterskrise
Knapp den Jackpot verpasst: Darum kann sich ein Bayer trotzdem freuen
Knapp daneben lag ein Lottospieler aus Bayern beim Eurojackpot. Den Gewinn von 90 Millionen Euro hat er zwar verpasst, trotzdem kann er sich freuen.
Knapp den Jackpot verpasst: Darum kann sich ein Bayer trotzdem freuen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.