Hans Göttler lebt heute in Kirchham, Kreis Passau.

Max und Moritz, bayerische Lausbuam

Kirchham/Simbach – Wer kennt sie nicht, die sieben Streiche von Max und Moritz! Jetzt gibt es die Lausbubengeschichten von Wilhelm Busch auch auf Bairisch – ein Germanist hat die Strophen übersetzt. Ein Muss für Freunde von gepflegten „Draddsarein“.

Beim Weißbräu Göttler, dem Wirtshaus im niederbayerischen Simbach, stand früher eine Bank in der Küche. Die hatte einen Deckel, darunter ein Fach und der kleine Wirtsbua Hans wusste genau, was da drin war. Die Bügeldecke der Mutter, ein bisserl Grusch – und sein Lieblingsbuch. „Max & Moritz“ von Wilhelm Busch. Immer wieder zog das Kind dieses dünne, verblichene Heft hervor und bettelte: „Bitte Mama, lies mir das vor!“ Die Mutter tat ihrem Sohn den Gefallen gerne, obwohl sie als Wirtin gut beschäftigt war. Sie setzte sich an einen Tisch im Gasthaus, der kleine Hans daneben, und las Streich um Streich vor. Jetzt, gut 50 Jahre später, hat Hans Göttler seiner Mutter deshalb sein Buch gewidmet: „Max und Moritz in Weiß-Blau“ – auf Bairisch.

Hans Göttler ist heute 58 Jahre alt, Vater von drei Kindern und lehrt an der Uni Passau angehende Pädagogen Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. Zuvor war er selber Lehrer, am Gymnasium in Pocking – zur Unistelle ist er nur durch Zufall gekommen, zumindest erzählt Göttler diese Anekdote gern. „Was Didaktik heißt, hab ich gar nicht genau gewusst“, sagt er in einem Niederbairisch, das breiter nicht sein könnte – und lacht. Man könnte sich schon vorstellen, dass dieser lebhafte Mensch früher einmal ein Lausbua vor dem Herrn war. War er aber nicht. „Ich war sehr brav, eher ruhig“, behauptet er. Aber genau deshalb hätten ihn die unverschämten Streiche von Max und Moritz als Kind fasziniert. Das Geschichterl mit der Witwe Bolte mochte er früher am liebsten, heute sind es die Szenen mit Lehrer Lämpl und der Pfeife – klar.

Seinen Studenten sagt Göttler, bevor sie die Uni verlassen, sie können sich jederzeit an ihn wenden, wenn sie Fragen zu Dialekt haben. Also meldete sich 2009 eine junge Lehrerin, die mit ihrer Klasse in Traunreut „Max und Moritz“ auf Bairisch aufführen wollte. Göttler hockte sich ein Wochenende lang an den Schreibtisch und übersetzte. Aus Streichen wurden „Draddsarein“, aus „Lehrer Lämpl“ der „Lampl“, aus dem Nachttopf das Potschamperl – die Geschichten aber blieben dieselben.

Auf Lesungen (Termine auch unter www.freundeskreis-der-turmschreiber.de) trug er die Lausbubengeschichten manchmal vor. Weil er ständig um Kopien gebeten wurde, gab er 2011 das Buch „Max und Moritz in Weiß-Blau“ heraus (siehe Auswahl von Szenen links). Die zweite, verbesserte Auflage ist druckfrisch. Darin erklärt der Germanist auch, warum Max und Moritz eigentlich bayerische Lausbuam waren: So entstand das Buch, als der Niedersachse Wilhelm Busch ab 1854 zehn Jahre lang in München studierte und lebte. Außerdem sei Busch „wortkarg“, „misstrauisch“ und „stur“ gewesem – Eigenschaften, die auch den bayerischen Lausern gerne einmal nachgesagt werden.

Carina Lechner

Das Buch (Edition Töpfl) mit Hör-CD, die das Bairische auch für Nicht-Muttersprachler leichter verständlich macht, ist beim Verlag (Tel.: 08509/672) oder im Handel erhältlich. Preis: 15 Euro. ISBN 978-3-927108-99-8.

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