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In dieser Asylunterkunft erstach der Täter den fünfjährigen Buben. 

Kindstötung in Asylunterkunft

Messerstecher von Arnschwang: Bub (5) getötet, weil er zu laut war

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Ein verurteilter Verbrecher klagt erfolgreich gegen seine Ausweisung. Er landet in einer Asylunterkunft, wo er einen fünfjährigen Buben tötet – offenbar, weil er sich von dem spielenden Kind gestört fühlt. Wie konnte es so weit kommen? Eine Rekonstruktion.

Arnschwang – Im Fall des fünfjährigen Salim, den ein Asylbewerber aus Afghanistan am Samstag in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Oberpfalz erstochen hat, ist das Tatmotiv offenbar geklärt: Die Mutter des Jungen, die wegen ihrer schweren Stichverletzungen erst gestern vernehmungsfähig war, hat ausgesagt, der 41-jährige Mostafa K. habe sich von spielenden Kindern in seiner Ruhe gestört gefühlt. Deswegen habe er zuerst sie und dann ihren Sohn angegriffen. Vieles deutet darauf hin, dass der Tragödie von Arnschwang ein verhängnisvolles Urteil voranging.

Es müssen große Bauchschmerzen im Spiel gewesen sein, als das Verwaltungsgericht München dem verurteilten Brandstifter Mostafa K. ein Abschiebeverbot zusprach. Der Afghane hatte gegen die Ablehnung seines Asylantrags geklagt. Drei haupt- und zwei ehrenamtliche Richter bescheinigten dem Mann, dass von ihm eine „konkrete Gefahr für die Allgemeinheit“ ausgehe. Er habe das Potenzial zum Wiederholungstäter, trotzdem dürfe er nicht abgeschoben werden. Das entsprechende Urteil vom Juli 2014 liegt unserer Zeitung vor.

Mostafa K. saß zu der Zeit in Landsberg am Lech eine Haftstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten ab. Der Afghane hatte im Dezember 2008 seine Münchner Wohnung in einem Haus mit 64 Parteien angezündet. Wegen dieser Brandstiftung ließ das Verwaltungsgericht sowohl seinen Asylantrag als auch seinen Antrag auf subsidiären Schutz durchfallen.

Massives und wiederholtes Fehlverhalten von Mostafa K.

In einer Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt Landsberg ist außerdem von massivem und wiederholtem Fehlverhalten die Rede: In den ersten dreieinhalb Jahren seiner Haft verbrachte Mostafa K. 27 Tage im Arrest. Während dieser Zeit konvertierte er allerdings auch zum Christentum, ließ sich 2012 in der Gefängniskirche taufen und tätowierte sich christliche Symbole auf den Rücken.

Da er sich bei seiner Anhörung 2014 in wesentlichen Punkten mit den Themen Bibel und christlicher Gottesdienst auskannte, befanden die Richter seinen religiösen Sinneswandel für echt. Und leiteten daraus ab, dass ihm wegen seines Übertritts in Afghanistan landesweit „erhebliche Gefahr für Leib und Leben“ drohe – laut Aufenthaltsgesetz ist das die notwendige Begründung für ein Abschiebeverbot.

Bluttat in Asylunterkunft in der Oberpfalz: Bilder

Wie aber landete ein wiederholungsgefährdeter Straftäter mit Fußfessel in einer Arnschwanger Flüchtlingsunterkunft? Die Regierung der Oberpfalz verweist auf eine Bitte der Kripo München, den Afghanen in Nordbayern unterzubringen. Anlass war wohl, dass die Ex-Frau von Mostafa K. vor ihm geschützt werden sollte. Sie hatte sich während seiner Haft von K. scheiden lassen, nachdem dessen Bruder ihre Schwester 2009 ermordet hatte. Die beiden waren ebenfalls verheiratet.

Mostafa K. habe „unauffällig gelebt“

K. soll seine Frau wegen der Scheidung aus dem Gefängnis heraus bedroht haben. In einer Erklärung schreibt der Bezirk weiter: „Aufgrund der damaligen Zugangssituation und der Konversion des Afghanen kam nur die Unterbringung in der nicht überwiegend muslimisch geprägten Unterkunft in Arnschwang infrage.“

Als geduldeter Asylbewerber sei Mostafa K. dazu verpflichtet gewesen, in einer Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen. Dort habe er, abgesehen von gelegentlichen Lärmstörungen, unauffällig gelebt. Einen ihm angebotenen Umzug in eine andere Unterkunft schlug er aus. Wie die Bezirksregierung weiter schreibt, sei die Eskalation vom Samstag, bei der Mostafa K. nach seiner Bluttat durch acht Kugeln aus der Dienstwaffe eines Polizisten starb, nicht absehbar gewesen.

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