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Vorsichtig schiebt sich der Konvoi mit dem Rumpf und dem ersten Oberdeck der neuen MS Utting um eine Kurve.

Mittwochnacht kommt sie an

MS Utting auf dem Weg zum Ammersee: Riskante Fahrt über A96

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Das neue Vorzeigeschiff der bayerischen Seenflotte wird Mittwochfrüh am Ammersee Wasser unter den Bug bekommen. Die MS Utting hat eine Reise durch die halbe Republik hinter sich – zum Teil auf dem Landweg. In der Nacht auf Mittwoch stand die finale Etappe an.

Inning – Ein bisschen verloren liegt die MS Utting am Rande der Autobahn nördlich von München und wartet auf die Dämmerung. Sie ist nicht in ihrem Element, das sieht man ihr an. In zwei Teilen, einmal der Rumpf und einmal das Oberdeck, ruht das Schiff am Dienstag auf den wuchtigen Tieflader-Lkw, auf die sie für ihr Fortkommen angewiesen ist.

In der Nacht zuvor hat es das neue Ausflugsschiff für den Ammersee so vom Main-Donau-Kanal bis kurz vor München geschafft. Die Strecke von der Werft bei Bonn bis ins mittelfränkische Roth hat sie auf dem Kanal sowie dem Main und dem Rhein zurückgelegt. Wenn alles glatt geht, hat sie Mittwochfrüh wieder Wasser unter dem Bug: Die letzte Etappe führt die MS Utting über den Münchner Autobahnring bis zum Hafenbecken in Stegen bei Inning am Ammersee (Kreis Starnberg).

Lagebesprechung auf der Autobahnraststätte im Münchner Norden. Erst am Abend, sobald der Berufsverkehr abgeebbt ist, geht die Reise an den Ammersee weiter.

MS Utting darf auf Autobahn links abbiegen

„Wir legen um 20 Uhr ab“, erklärt Polizeisprecher Andreas Aichele und übt sich dabei in Seemanns-Rhetorik. Die Polizei eskortiert den Konvoi. Zwei prekäre Stellen muss er auf seinem Weg über die A 96 noch passieren – beide wenige Kilometer vor dem Ziel. „Am Etterschlagtunnel haben wir nur wenige Zentimeter Luft nach oben“, erklärt der Polizeisprecher. Und noch einmal wird es eng: Mit 68 Metern ist der Laster mit dem Schiffsrumpf zu lang, um an der Autobahnausfahrt Inning die Kurve zu kriegen. Deshalb hat der Konvoi die einmalige Erlaubnis, auf der Autobahn links abzubiegen und die Einfahrt auf der Gegenspur zu nehmen. Dafür demontiert die Autobahnmeisterei mitten in der Nacht eigens bei gesperrter Autobahn die Mittelleitplanke.

Ist nach Redaktionsschluss alles gut gegangen, hat die MS Utting noch vor dem Morgengrauen das Hafenbecken erreicht, wo am Vormittag im Wasser der Zusammenbau beginnen soll. Unterwegs ist dann noch ein dritter Schiffsteil: Die Brücke samt Steuereinheit trifft wohl am Donnerstag ein. Danach beginnt der Innenausbau des Schiffs. „Das macht man traditionell vor Ort“, erklärt Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Eine Besonderheit sind dabei Holzintarsien aus der alten MS Utting, die nun als Kulturbühne auf einer Münchner Brücke steht. Die Holzbilder aus den 40ern werden derzeit restauriert und dann im Nachfolger-Schiff verbaut.

Die alte MS Utting: Das ausrangierte Vorgänger-Schiff wird in Sendling auf einer alten Eisenbahnbrücke zur Kulturbühne.

Die Taufe der MS Utting ist im Juli

Grießer freut sich schon auf Juli: Dann steigt die Taufe des 50 Meter langen und neun Meter breiten Schmuckstücks, das rund fünf Millionen Euro kostet – finanziert aus den Ticketverkäufen, wie der Schifffahrtschef betont.

Stramme Ketten sichern den Schiffsrumpf, an dem schon die Antriebsschrauben montiert sind, auf dem Tieflader-Spezial-Lkw.

Platz hat die neue Utting für bis zu 500 Passagiere – besonders stolz ist Grießer auf den großen Salon, in dem bis zu 170 Menschen Platz finden, was auch etwas größere Veranstaltungen möglich macht. Und: Das Schiff ist komplett barrierefrei. Dank eines Rollstuhlaufzugs können auch Menschen mit Gehbehinderung aufs Frischluftdeck und dort Sonne und Seewind spüren.

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