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„Klatsch – klatsch – klatsch“: Auch am Starnberger See werden Spaziergänger von Mücken gequält.

Mücken-Plage an Bayerns Seen

München - Ein Sirren, ein Jucken - und schon schwillt die Haut um den Stich an. Mücken können einen Tag im Freien ganz schön beeinträchtigen. So nervig wie in diesem Jahr waren die Plagegeister schon lange nicht mehr.

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Fünfseenland im Griff der Stechmücken

Freising: Mückenplage den ganzen Sommer

Irgendwann ist es Ernst-Gerhard Burmeister zu bunt geworden. Da stand er mit ein paar Studenten aus seinem Zoologie-Seminar mitten im Wald bei Schöngeising im Kreis Fürstenfeldbruck, und die hörten einfach nicht auf mit ihrem Gefuchtel. Beinahe im Sekundentakt: „Klatsch - klatsch - klatsch!“ Die Studenten sollten am Samstag Natur hautnah erleben.

Doch der Ausflug an die Amper wurde zu einem Kampf gegen Mücken. Burmeister verteilte sein eigenes Mückenschutz-Mittel, extra konzipiert für tropische Sumpf-Touren, an die Studenten. Da war Schluss mit dem Geklatsche, der Unterricht konnte weitergehen. Für Burmeister blieb von der Lotion nichts übrig. Die Stanzen stürzten sich auf ihn. Als er am Abend nachzählte, waren es mehr als 50 Stiche.

Schuld ist der Regen

Professor Burmeister, stellvertretender Direktor der Zoologischen Staatssammlung in München, und seine Studenten von der Ludwigs-Maximilians-Universität sind nicht die einzigen Mücken-Opfer - in ganz Oberbayern jammern die Menschen derzeit über die Insekten. Manche sprechen von einer Plage, und viele spekulieren: Das Wetter, der viele Regen ist schuld. Und das stimmt. „Überschwemmungsmücken haben Hochkonjunktur“, sagt Experte Burmeister. Und die sind besonders fies.

Durch die großen Niederschlagsmengen in den Wochen, bevor der Sommer sich durchsetzte, sind viele Gewässer übervoll. Die Überschwemmungsmücke wittert, so erklärt Burmeister, wann es regnen wird. Kurz vorher legt sie ihre Eier ins Trockene. Sobald sich auf der Fläche Wasser ansammelt, schlüpfen die Larven, kurze Zeit später sirren die Mücken durch die Gegend, die weiblichen suchen sich eine Blutmahlzeit - in einem Radius von bis zu zehn Kilometern. „Die anderen Stechmücken legen erst ab, wenn das Wasser da ist“, erklärt der Experte. Die Überschwemmungsmücke ist überdies bescheiden: Ihr genügt eine Pfütze, die etwa auf einem buckligen Waldweg entsteht. Spaziert nun ein Mensch durch Niedermoore, Auenwälder oder entlang flacher, zugewachsener Seeufer, lockt er Mücken an.

Schlimmste Mückenplage seit 10 Jahren

Das Gemeine an der Überschwemmungsmücke, die auch in Regentonnen und auf Blumentopf-Untersetzern lauert: Im Gegensatz zu den Artgenossen ist sie tagaktiv. Und so verdirbt sie derzeit vielen, die den Sommer am See genießen möchten, die Laune. Ein Schwerpunkt: der Ammersee. Ein Leser, der anonym bleiben möchte, spricht von einer Plage „biblischen Ausmaßes“. Der zweifache Familienvater ist im November von Pforzheim nach Breitbrunn am Ammersee gezogen und erlebt seinen ersten Sommer dort. „Man wird regelrecht aufgefressen, auch tagsüber“, berichtet er. Nach dem Feuerwehrfest im Dorf hatte der Mann 41 Mückenstiche am Rücken. Die Viecher stachen sogar durch festen Polo-T-Shirt-Stoff. Auch Gastronomen, die See-Terrassen betreiben, jammern: „Das ist heuer extrem“, sagt eine Mitarbeiterin vom Hotel Seehof. Und noch im fünf Kilometer vom See entfernten Raisting heißt es: „Mit einer Hand erschlägst da drei Stanzen.“

„Das ist so schlimm wie seit zehn Jahren nicht“, schätzt Heinrich Schuster, Sprecher von der Regierung von Oberbayern - er lebt selbst in Herrsching und geht nur noch mit langem Beinkleid in den Garten. Auffällig, aber nicht ganz so schlimm ist die Lage am Starnberger See und am Wörthsee. Der Tegernsee ist wegen seiner Uferbeschaffenheit nicht außergewöhnlich betroffen.

Chemiekeulen für Umwelt bedenklich

Am Chiemsee kennt man sich aus mit Mückenplagen - dort hat man Anfang Juni aus Hubschraubern das Schädlingsbekämpfungsmittel BTI verteilt. Erfolgreich, wie Thomas Weimann vom örtlichen Abwasser- und Umweltverband sagt. Fast alle Larven sind tot. Die Regierung hatte eine Spezialgenehmigung für die BTI-Hubschrauberflüge erteilt. Weimann hat bereits Anrufe aus dem Fünf-Seen-Land bekommen, ein Klinikbetreiber habe sich interessiert nach dem Verfahren erkundigt.

Mückenexperte Burmeister warnt jedoch davor, diese Insektenvernichtung auch an anderen Seen durchzuführen: Diese Chemiekeulen seien aus Umweltschutz-Sicht bedenklich. Heinrich Schuster beruhigt: Die Chiemsee-Methode ist nicht überall anwendbar. Während die vielen offenen Flächen rund um das Bayerische Meer gut anzufliegen seien, sei der Ammersee beispielsweise viel zu sehr verbuscht.

Von Carina Lechner

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