130 Briefe samt toter Stechmücken haben Schulkinder an den Umweltminister geschickt.
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130 Briefe samt toter Stechmücken haben Schulkinder an den Umweltminister geschickt.

Mückenpost für den Minister

München/Grabenstätt - Plage der stechenden Biester in Grabenstätt: Schulkinder senden Hilferuf an Markus Söder.

Solche Post hat Markus Söder auch noch nicht bekommen. Anfang der Woche flatterten dem bayerischen Umweltminister 130 Briefe von Schulkindern aus Grabenstätt (Kreis Traunstein) auf den Schreibtisch. Inhalt: tote Stechmücken und viele verzweifelte Hilferufe wie „Herr Minister, erlösen Sie uns bitte von der Mückenplage!“

Nirgendwo in Bayern gibt es derzeit so viele Plagegeister wie im Mündungsdelta der Tiroler Achen im Chiemsee. Hier dürfen die Mückenlarven nicht bekämpft werden – nicht einmal mit dem biologischen Mittel BTI. Die Folge: Ohne Anti-Mückenmittel traut sich in der 4300-Einwohner-Gemeinde kaum jemand auf die Straße.

Und nicht nur dies: Am Mittwoch gab’s an der Grundschule ab 11.15 Uhr sogar mückenfrei. Nicht offiziell, da hieß es hitzefrei. Aber Rektor Albert Reißl erklärte: „Wir können wegen der Mücken die Fenster nicht aufmachen.“ Nicht mal die Pausen konnten die Schüler mehr genießen. Rektor Reißl: „Wir haben jede Menge Büsche rund um den Pausenhof und alle sind schwarz vor Mücken.“ Eine Bach-Expedition vor ein paar Tagen musste abgebrochen werden, obwohl die Schüler mit Kapuzen-Anoraks ausgerüstet waren. „Um im Bach laufen zu können, hatten wir halt die Hosen hochgekrempelt. Nur bis zu den Wadln. Nach kurzer Zeit hatte einer meiner Schüler 35 Stiche“, erzählt der Rektor.

Elf Jahre ist Reißl jetzt in Grabenstätt Schulleiter. „Schlimm war’s schon oft“, berichtet er, „aber so schlimm wie heuer war’s noch nie.“ Wird Söder helfen? Im Umweltministerium hieß es zunächst, man sei mit den Behörden im Gespräch. Und in der Tat: Nach einem Ortstermin mit einem Ministerialdirektor wurde endlich ein Durchbruch erzielt. Erstmals überhaupt darf BTI bei Grabenstätt eingesetzt werden. Jetzt warten alle. Am ungeduldigsten dürften die Kinder sein.

Wolfgang de Ponte

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