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172,5 Kilometer lang ist die Autobahn zwischen München und Lindau.

Die A 96 in den Mühlen der Politik

München - Acht Kilometer fehlen noch – dann wäre die Autobahn München-Lindau komplett. Der Lückenschluss steht unmittelbar bevor. Aber wer weiht die Autobahn wann ein? Das ist jetzt die Frage aller Fragen.

Mit was sich ein Autobahnbauer so alles beschäftigen muss: Nicht nur mit Rüttelstopfsäulen und Zementsuspensionen, Hangverdübelungen und der richtigen Ortsbetonpfählung – nein, auch die Terminplanungen von Günther Oettinger und Peter Ramsauer sollte er stets im Blick haben. Denn diese Politiker wollen die Einweihung des neuen und letzten Autobahnabschnitts zwischen Gebrazhofen und Dürren, wo sich heute noch die Autos über eine einspurige Bundesstraße quälen, keinesfalls verpassen. Autobahnbau verheddert in der höheren Politik – doch der Reihe nach.

Erst hatte das zuständige Regierungspräsidium Tübingen nur brav abgewartet, welcher neue Bundesverkehrsminister denn wann Zeit haben würde für die letzten acht Kilometer. Dann kam die Nachricht, dass der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger als EU-Kommissar nach Brüssel gehen würde. Schnipselt jetzt er oder sein designierter Nachfolger Stefan Mappus das Einweihungsband durch? Das war lange unklar. Seit gestern steht immerhin fest: Oettinger macht’s. Aber wann? Dazu wird hinter den Kulissen hart gerungen.

„Irgendwann Ende November“ soll es soweit sein, heißt es aus dem baden-württembergischen Innenministerium. „Es gibt ein riesiges Abstimmungsproblem“, sagt einer der Bediensteten im Regierungspräsidium. Denn eigentlich ist der Autobahnbau abgeschlossen. Ein, höchstens zwei Wochen dauern noch die letzten Feinschliff-Arbeiten an den allerletzten Autobahnkilometern. In der zweiten Novemberhälfte wäre die sogenannte Verkehrsfreigabe möglich – theoretisch. Offiziell ist noch nichts. Der neue Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wartet ebenso auf eine Einladung wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Auch diese Termine müssen ja abgestimmt werden. Immerhin: „Wir gehen davon aus, dass wir eingeladen werden“, sagt Herrmanns Pressesprecher.

Sollte die Einladung irgendwann einmal eintrudeln, wäre eine Epoche im Autobahnbau geschafft. 37 Jahre lang ist an den 172,5 Kilometern gebaut worden. 1972 begann der Bau des Abschnitts zwischen München-Sendling und Oberpfaffenhofen. Danach ging es abschnittsweise weiter. Im Juli 2008 wurden die letzten Autobahnkilometer auf bayerischem Grund zwischen Erkheim und Memmingen-Ost eingeweiht.

Die Autobahn ersetzt weitgehend die alte B 12 (München-Buchloe) und dieB 18 (Buchloe-Lindau) – anders als etwa die derzeit heiß umkämpfte A 94 durchs unberührte Isental nutzten die Autobahnplaner vorhandene Strecken, die lediglich zweispurig ausgebaut wurden. Skeptische Kommunen, etwa Eching am Ammersee, erhielten autobahn-parallele Verbindungsstraßen und Lärmschutz-Wände, die Trasse wurde zum Teil tiefergelegt. Das sparte Geld und mühselige Prozesse.

Gehemmt wurde der A 96-Bau indes durch futuristisch anmutende Planungen für eine Voralpenautobahn. Sie sollte bei Bad Aibling von der Salzburger Autobahn abzweigen, auf Höhe Penzberg die Garmischer Autobahn kreuzen und weiter bis nach Kempten führen. 1980 wurden diese Planungen beerdigt und stattdessen der A 96-Bau vorangetrieben.

Ultimativ fertig wird die A 96 indes wohl nie. Für den im Berufsverkehr überlasteten Abschnitt Oberpfaffenhofen-Germering gibt es schon Planungen für eine sechsstreifige Verbreiterung. Mal sehen, wer dann zur Einweihung kommt.

Dirk Walter

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