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Mülltrennung leicht gemacht: Dieses Einweggeschirr ist aus Plastik.

No-Deal-Brexit könnte Abhilfe schaffen

Müll-Flut in Bayern: Auch unser Lebensstil erschwert die Situation

In Müllverbrennungsanlagen werden Abfälle aller Art vernichtet. In Bayern fällt allerdings so viel Müll an, dass Entsorgungsunternehmen mittlerweile den doppelten Preis zahlen müssen. Jeder Verbraucher könnte helfen, das Problem zu entschärfen.

  • InBayern besteht ein Problem mit der Müllentsorgung - woran auch private Haushalte ihren Anteil haben.
  • Der Preis für Gewerbeabfälle hat sich mittlerweile verdoppelt.
  • Ein No-Deal-Brexit könnte für etwas Entlastung sorgen.

Moosburg - Um seinen Müll loszuwerden, muss Thomas Buchner von der Firma „Heinz Entsorgung“ in Moosburg (Landkreis Freising) jeden Tag betteln. „Ich muss immer wieder nachfragen, welche Verbrennungsanlagen noch Gewerbeabfälle nehmen.“ Denn den Müll der Haushalte müssen die Anlagen laut ihrem gesetzlichen Auftrag annehmen, den Müll von Unternehmen nicht.

Die Entsorgung der Gewerbeabfälle unterliegt dem freien Markt. „Wenn es zu viel Hausmüll gibt, werden unsere Anliefermengen gekürzt“, sagt Buchner. Seine Müllfahrzeuge muss er dann dorthin umleiten, wo noch Kapazitäten frei sind. Das ist mit Kosten und Aufwand verbunden. „Teilweise wird der Müll sogar in Anlagen außerhalb Bayerns transportiert.“

Müllentsorgungsproblem in Bayern: Mengen steigen im Freistaat jährlich um bis zu drei Prozent

Das Problem spitzt sich im Freistaat immer mehr zu. Laut dem Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen steigen die Müllmengen jährlich um zwei bis drei Prozent. Mit diesem Zuwachs können die Müllverbrennungsanlagen nicht mithalten. „Vor wenigen Jahren haben die Verbrennungsanlagen noch ihre Preise gesenkt, um ihre Anlagen voll zu bekommen“, erklärt Rüdiger Weiß, Geschäftsführer des Verbands der bayerischen Entsorgungsunternehmen. „Der Entsorger hatte die Auswahl zwischen Anlage A, B oder C und hat dann die günstigste genommen.“ 

Mittlerweile hätten sich die Preise verdoppelt. Vor fünf Jahren habe die Entsorgung einer Tonne Gewerbeabfälle noch 100 Euro gekostet, derzeit sind es 200 Euro. Geld spiele keine Rolle mehr: „Es wird jeder Preis gezahlt, Hauptsache, das Zeug kommt vom Hof.“ Manche Entsorger lassen ihren Müll nach Dänemark oder Schweden bringen, weil dort weniger bezahlt werden muss.

Die Müllverbrennungsanlagen in Bayern sind ausgelastet - deswegen müssen die Entsorgungsunternehmen höhere Preise zahlen oder ihren Müll weit transportieren. Unser Bild zeigt die Anlage in Olching.

Müllentsorgungsproblem in Bayern: Importierter Müll vor allem aus Großbritannien

Gründe für den Engpass gibt es viele. Die anhaltend gute Konjunktur versorgt die Anlagen mit Unmengen an Müll. Schuld sind auch Verträge mit Großbritannien. Mittlerweile kommt der Großteil der importierten Abfälle in Deutschland von der Britischen Insel. „Die haben selbst zu wenig Verbrennungsanlagen und sind aus purer Not heraus bereit, ordentliche Preise für die Entsorgung zu zahlen“, erklärt Weiß. Ein No-Deal-Brexit würde die Müllbranche entlasten, da die Verträge dadurch ungültig werden würden.

Früher hat China zudem große Mengen recycelbare Abfälle aus Deutschland gekauft, vor allem Kunststoffe. Dann wurde vor zwei Jahren ein Importverbot erlassen. Das bedeutet: Noch mehr Müll, der bleibt.

Müllentsorgungsproblem in Bayern: Verbrennungsanlagen oft Jahrzehnte alt

Auch die Düngeverordnung von 2017 ist ein Problem. „Landwirte dürfen den meisten Klärschlamm nicht mehr als Dünger benutzen. So bleibt nur die Verbrennung“, sagt Weiß. Und weil die meisten Verbrennungsanlagen aus den 70er- und 80er-Jahren stammen, häufen sich Reparaturen. Sie stehen länger still und haben weniger Durchsatz.

Auch die Verbraucher verschärfen das Problem: durch ihr Verhalten. Denn viele werfen ihre Bioabfälle weiterhin in den Restmüll. „Das würde nicht passieren, wenn die Regierung Tonnen aufstellt“, erklärt Weiß. Laut Gesetz gilt es aber schon als getrennte Erfassung, wenn ein Container für Bioabfall am Wertstoffhof steht. Das ärgert Weiß: „Kein Mensch lädt das Zeug ins Auto und fährt am Wochenende zum Wertstoffhof. Das ist eine reine Alibisammlung.“

Müllentsorgungsproblem in Bayern: Forderung nach Biotonnen-Pflicht

Deshalb fordert er eine Pflicht für Biotonnen. Dadurch könnten in Bayern rund 0,8 Millionen Tonnen Müll eingespart werden, deutschlandweit sogar vier Millionen Tonnen. Landkreise und Gemeinden können jedoch selbst entscheiden, ob sie Biotonnen für jeden Haushalt oder Container an zentralen Sammelstellen aufstellen, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums.

Neben der Biotonne wären laut Weiß auch der gelbe Sack oder die gelbe Tonne viel bequemer für die Bürger als Container-Sammelstellen für Verpackungsabfälle. „Bei einer Umstellung würde jede Menge Verpackung, die jetzt im Restmüll landet, in die Verwertung gehen. Das würde die Situation entspannen.“

Müllentsorgungsproblem in Bayern: Wegwerfkultur erschwert Situation

Das Problem sei aber vor allem die Wegwerfkultur. „Jedes Jahr landen 2,8 Milliarden Einwegbecher und 1,3 Milliarden Kunststoffdeckel im Restmüll“, sagt Weiß. „Auch wenn sie bequem für die Verbraucher sind, sollte die Politik sie verbieten oder ein Pfandsystem einführen.“ Laut Umweltministerium kann ein Verbot nur vom Bundesgesetzgeber festgelegt werden. Es werde bereits besprochen, wie der Konsummüll in Städten verringert und Alltagsmüll wie Coffee-to-go-Becher reduziert werden können.

Ob nun Gewerbe- oder Haushaltsabfälle - Mülltrennung ist die Lösung. Buchner empfiehlt seinen Gewerbekunden Abfälle bereits vor Ort in Holz, Papier und Folie zu unterscheiden. „Das raten wir jedem, von der Ein-Mann-Schreinerei bis zum Großbetrieb.“ Das gilt auch für die Bürger, betont Weiß: „Wenn sie ihren Müll konsequent und richtig trennen würden, vor allem Biomüll und Verpackungsabfälle, wäre viel geholfen.“

Die angekündigte Kassenbon-Pflicht würde weiteren Müll auf uns zukommen lassen. Ein Bäcker hat das drohende Szenario mit einem Foto vorgezeichnet. In Freising trotzt die Zukunftswerkstatt dem Konsumwahn, wie Merkur.de* berichtet. Mit einer Lasershow an Silvester wollen Bürger in Olching ein Zeichen für den Umweltschutz setzen - auch das thematisiert Merkur.de*. Großbritannien steigt aus der Europäischen Union (EU) aus. Dadurch wird dem unterfränkischen Städtchen Veitshöchheim eine besondere Ehre zuteil.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Paula L. Trautmann, lby

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