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Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

Prognose für Bayern erhöht

Asylantragsflut: Herrmann bittet Pensionäre um Hilfe

München - Die Zahl der in Bayern aufgenommenen Asylbewerber wird in diesem Jahr auf jeden Fall einen neuen Höchststand erreichen. Eine genaue Prognose ist aber fast unmöglich.

In diesem Jahr wird Bayern möglicherweise erstmals mehr als 100 000 Flüchtlinge aufnehmen. Sozialministerin Emilia Müller (CSU) hat ihre Prognose erhöht und rechnet nun damit, dass heuer zwischen 90 000 und 110 000 Asylbewerber in Bayern untergebracht werden müssen. Das teilte die CSU-Politikerin am Dienstag auf Anfrage mit. „Derzeit erreichen Bayern im Schnitt über 1500 Menschen pro Tag - Tendenz weiter steigend“, sagte Müller.

Die tatsächlichen Ankunftszahlen in Bayern liegen noch viel höher, doch ein großer Teil wird nach einer festgelegten Quote auf die übrigen Bundesländer verteilt. Seit Jahresbeginn seien 117 000 Menschen im Freistaat angekommen, sagte Müller. „Davon verbleiben in Bayern rund 50 000.“ Die bisherige Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge werde nicht zu halten sein. Am Mittwoch will Bundesinnenminister Thomas de Maiziére die neue Prognose verkünden. „Ich rechne mit etwa 600 000 bis 700 000 Asylbewerbern in diesem Jahr“, sagte Müller dazu.

Damit werden auch die Rekordzahlen aus den 90er Jahren weit überschritten. Im Jahr 1992 hatte Bayern knapp 60 000 Asylbewerber aufgenommen, damals überwiegend aus Rumänien und den Kriegsgebieten im früheren Jugoslawien. Derzeit kommt die Mehrzahl der Flüchtlinge aus weiter entfernten Kriegsregionen, an erster Stelle Syrien.

Da die Behörden mit dem anfallenden Arbeitsaufwand überfordert sind, hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in einem Rundschreiben 2600 pensionierte Beamte um Unterstützung gebeten. Die Entwicklung sei dramatisch, erklärte Herrmann. „Trotz Einsatz aller verfügbaren Kapazitäten sind die für die Erstaufnahme zuständigen Regierungen kaum noch in der Lage, die verwaltungsmäßige Erstregistrierung zeitgerecht zu bewältigen“, sagte der Innenminister. Deshalb seien nun „außergewöhnliche Maßnahmen“ notwendig.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) plant für Anfang September einen weiteren bayerischen Asylgipfel mit Kommunen und Kirchen. Bayernweit sind die Unterkünfte knapp, so dass die Landkreise inzwischen verstärkt auf Provisorien ausweichen. So hat der Landkreis München mehrere Traglufthallen geordert, wie sie normalerweise von Tennis- oder Reitclubs im Winter genutzt werden. Anderswo werden Holzbauten errichtet. Die Kirchen haben mehrfach ihre Bereitschaft erklärt, mehr Flüchtlinge unterzubringen, verweisen jedoch auf begrenzte Kapazitäten.

dpa

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