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Vielerorts sinken die Müllgebühren.

Müllgebühren im Sinkflug

München - Vieles wird teurer. Die Gebühren für die Müllentsorgung nicht – zahlreiche bayerische Kommunen senken sogar die Sätze. Das belegen aktuelle Zahlen des Umweltministeriums.

Die Mieten steigen, die Gaspreise explodieren und die Stromkosten erreichen Rekordhöhe. Die Müllgebühren jedoch sind in vielen bayerischen Kommunen eine angenehme Ausnahme: Um 3,5 Prozent sind sie im Vergleich zum Vorjahr gesunken – und das, obwohl die Entsorgungswirtschaft transportintensiv und deshalb abhängig ist von teurem Benzin und Diesel.

Doch nicht nur die Preise für die Energie, sondern auch die für Sekundärrohstoffe haben zugelegt – und zwar gewaltig. Besonders begehrt ist Altpapier. Die Zeitung vom Vortag etwa ist rund vier Cent wert. Deshalb übernehmen laut Abfallbericht des Umweltministeriums immer mehr Kommunen die Papierentsorgung, bevor private Unternehmen zugreifen. Gegenüber 2006 haben im Jahr 2007 40 Prozent mehr öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger eine Papiertonne aufgestellt. Tendenz: steigend. Ebenfalls begehrt ist Schrott: Vor fünf Jahren kostete die Entsorgung zum Teil, 2007 brachte die Tonne Schrott schon 100 Euro ein. Dazu kommt das Deponieverbot für Restmüll, das seit 2005 gilt. Seither muss Müll verbrannt werden. Dadurch sind die Verbrennungsanlagen besser ausgelastet, sie arbeiten kostendeckend.

Mehr als jede vierte Kommune hat die Abfallgebühr seit 2006 gesenkt – um bis zu einem Viertel. Auch das geht aus dem Abfallbericht des Ministeriums hervor. Nur acht Kommunen haben erhöht, beim Rest bleiben die Gebühren unverändert. Durchschnittlich liegen die Abfallgebühren für einen Musterhaushalt mit vier Bewohnern (60- bis 80-Liter-Tonne) in Bayern bei 165,40 Euro pro Jahr. Die Preise im Überblick (pro Jahr und bei 14-tägiger Leerung).

Kreis Dachau:

Ein Vier-Personen-Haushalt bezahlt dort für die 80-Liter-Restmülltonne 124,80 Euro. Biomüll: plus 60 Euro. Seit Jahren senkt der Kreis die Gebühren für Müll, zuletzt 2007 um knapp ein Viertel. „Allerdings sind wir auf einem relativ hohen Niveau gestartet“, sagt Sachgebietsleiter Peter Kistler. Grund: die teure Bauschuttdeponie bei Petershausen. Da sich die Kosten amortisiert haben, konnten die Gebühren wieder gesenkt werden.

Kreis Erding:

Fast auf dem Niveau von 1992 befinden sich die Hausmüllgebühren im Kreis Erding. Die 80-Liter-Tonne kostet seit 2008 176,40 Euro (minus 1,4 Prozent). Die Biomüll-Entsorgung ist inklusive.

-Kreis Ebersberg: Jede Gemeinde erhebt im Kreis Ebersberg eigene Abfallgebühren. Bruck etwa hat 2005 auf 192 Euro für eine 80-Liter-Tonne erhöht, Kirchseeon im Juli auf 180 Euro. Biomüll ist in beiden Gemeinden inklusive. In Vaterstetten gibt es ein Wertmarkensystem, die Gebühren wurden 2003 um 17 Prozent erhöht. Die 60-Liter-Tonne kostet 231,40 Euro. Je seltener die Tonne abgeholt werden muss, desto mehr Geld bekommt der Bürger am Jahresende zurück. 80 Liter Biomüll kosten 41,60 Euro extra.

Kreis Freising:

Um knapp sieben Prozent ist die Restmüllgebühr 2007 im Kreis Freising erhöht worden. Georg Westermeier, Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft, weist jedoch darauf hin, dass sich die Preise der Kommune auf einem niedrigen Niveau befinden. Die Gebühr für 120 Liter Restmüll: 142,20 Euro. Dieselbe Menge Biomüll: 67,44 Euro.

Kreis Fürstenfeldbruck:

Seit 1995 ist die Müllgebühr zweimal gesenkt worden. Aktuell zahlt ein Vier-Personen-Haushalt 142 Euro im Jahr für Rest- und Biomüll, kompostiert der Bürger selbst, nur 125 Euro. Ab 2009 stellt der Kreis Papiertonnen auf. „Wer seine alten Zeitungen dort reinwirft, bringt Geld in seine eigene Kasse“, so Abfallwirtschaftschef Herbert Britzelmaier.

Kreis München:

Auch hier organisieren die Gemeinden die Abfallwirtschaft. Die Kosten für eine 60-Liter-Tonne Restmüll schwanken zwischen 111 Euro in Baierbrunn und 123 Euro in Straßlach-Dingharting (Biomüll jeweils inklusive).

Stadt München:

Für Restmülltonnen von Privathaushalten plant die Stadt München ab Januar 2009 eine Senkung um 2,8 Prozent. Allerdings profitieren nur Bewohner eines Mehrfamilienhauses, der Preis für die 80-Liter-Tonne bleibt mit 141,96 Euro gleich.

Garmisch-Partenkirchen:

Dort wird die Müllgebühr nach Gewicht erhoben. Die Grundgebühr für die 120-Liter-Tonne beträgt 160 Euro im Jahr. Jedes Kilo Restmüll kostet 50 Cent, Biomüll 30 Cent. 2002 war die Grundgebühr um 44 Euro erhöht worden. „Die Abdichtung der vollen Deponien in Mittenwald und Schwaiganger kostet Millionen“, begründet Hannes Voith. Deshalb sei eine Senkung nicht vorgesehen. Der Markt Garmisch-Partenkirchen hat eine eigene Regelung: Dort kostet eine 80-Liter-Restmülltonne 210 Euro im Jahr. Die Biotonne kostet nichts extra.

Kreis Miesbach:

Im Kreis Miesbach zahlt der Bürger für eine 60-Liter-Tonne 160 Euro, vor der letzten Gebührenerhöhung 2003 nur 142 Euro. Biomüll (80 Liter) kostet 50 Euro extra.

Starnberg:

Um ein Zehntel wurden die Müllgebühren im Kreis Starnberg zum 1. Januar 2008 gesenkt. „Wir haben neu ausgeschrieben und dadurch bessere Preise erreicht“, sagt Peter Wiedemann, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbands Awista. Gebühr für eine 60-Liter-Tonne: 148,20 Euro. Die Gebühren für Biomüll sind bereits enthalten.

Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen:

Um 15 Prozent sind die Müllgebühren in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen. Die 80-Liter-Tonne kostet 167,40 Euro pro Jahr. Für Biomüll fallen keine Extrakosten an.

Kreis Weilheim-Schongau:

Seit April 1994 gibt es dort die Abfallentsorgungsgesellschaft – seither wurden die Müllgebühren um fast die Hälfte reduziert, zuletzt zum Juli 2008. Pro Wohneinheit wird eine Grundgebühr von 50,40 Euro erhoben, dazu kommen 81,60 Euro für 80 Liter Restmüll. Dieselbe Menge Biomüll kostet 42 Euro.

Kreis Rosenheim:

Im 14. Jahr sind die Müllgebühren unverändert. Die 80-Liter-Tonne kostet 132 Euro, mit Biomüllentsorgung 144 Euro.

Von Carina Lechner

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