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Per Handy können Besucher künftig Schmutz in Bahnhöfen melden. 

“Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte“

Bayerns Bahnreisende werden zu Schmutz-Detektiven - neuer WhatsApp-Dienst

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Die Bahn will die Sauberkeit in den Bahnhöfen verbessern. Dabei sollen auch die Kunden mithelfen und besonders dreckige Ecken per WhatsApp melden. An neun bayerischen Bahnhöfen testet der Konzern diese Idee.

München - Bahnhöfe gelten nicht gerade als Hort der Sauberkeit – daran will die Bahn jetzt arbeiten. „Die Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte und der erste Kontakt zum Kunden“, sagt Karl Heinz Ferstl, der für die Sauberkeit der bayerischen Bahnhöfe zuständig ist. Die Fahrgäste sollen sich auf dem Weg zum Zug wohlfühlen – und künftig auch gleich selber an der Sauberkeit mitarbeiten.

Die Fahrgäste sind aufgerufen, die Putztrupps auf grobe Verschmutzungen hinzuweisen – per Handy, über WhatsApp. „Das geht schnell und einfach“, sagt Ferstl und erklärt: „Der Kunde kann eine Verschmutzung direkt melden. Dafür reicht es, uns ein Foto zu schicken.“ Die Bahn will das Angebot so niedrigschwellig wie möglich halten. Deshalb ist kein langer Text nötig – nur eine kurze Beschreibung des genauen Orts der Verschmutzung wäre hilfreich. Die Nummer sollten sich Bahnreisende, die den Service nutzen wollen, aber besser einspeichern. Sie lautet 0157/92 39 74 31 – nicht gerade leicht zu merken.

„Nicht nur meckern, selbst aktiv werden“

Trotzdem erhofft sich die Bahn viele Hinweise. In anderen Bundesländern ist der Dienst bereits erprobt, dort erreichen den Konzern gut 400 Nachrichten im Monat. „Wir ärgern uns selbst sehr über dreckige Ecken in unseren Bahnhöfen. Mit der Meldung per WhatsApp wollen wir es unseren Kunden ermöglichen, nicht nur zu meckern, sondern selbst aktiv zu werden“, sagt Ferstl. „Oft sind es die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen.“

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Dabei geht es um größere Verschmutzungen vom Hundehaufen bis zum verschütteten Kaffeebecher. Nachdem ein Dreck-Eck gemeldet wurde, geht die Nachricht direkt an DB Service und an die Reinigungskräfte im Bahnhof. Der Kunde erhält eine Empfangsbestätigung. Wie lang es dann dauert, bis der Reiniger vor Ort tätig wird, hängt vom Einzelfall ab. „Unser Ziel ist, dass die Verschmutzung so schnell wie möglich beseitigt wird“, sagt Ferstl. 

So funktioniert das neue System

Allerdings müssten die Reinigungskräfte die WhatsApp-Aufträge zusätzlich zu ihrer normalen Tätigkeit abarbeiten – deshalb könnte es auch mal ein wenig dauern. „Schnellstmöglich“ soll der Dreck weg. „Der Präsenzreiniger für Pasing ist aber zum Beispiel auch für die Haltestelle Westkreuz zuständig. Wenn er gerade dort unterwegs ist, kann er natürlich nicht zwei Minuten nach Erhalt der WhatsApp an der Stelle der gemeldeten Verschmutzung sein“, erklärt Ferstl.

Wer eine Verunreinigung gemeldet hat, bekommt aber eine Erledigungsmeldung, wenn die Stelle wieder sauber ist. Außerdem erhält er die Möglichkeit, die Sauberkeit des Bahnhofs zu bewerten. „Danach wird die Nummer des Melders wieder gelöscht“, sagt Ferstl. So bleibe der Datenschutz gewährleistet.

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Zunächst führt die Bahn das Angebot an neun bayerischen Bahnhöfen ein – in München sind der Hauptbahnhof sowie Pasing und der Ostbahnhof dabei. Die weiteren bayerischen Bahnhöfe sind Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Bundesweit sollen langfristig über 240 Bahnhöfe an dem Programm teilnehmen.

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