+
Sollen frei bleiben: Die Unterarme von Polizisten eignen sich nicht für Tattoos, befand das Polizeipräsidium Mittelfranken. Das will sich ein Oberkommissar nicht gefallen lassen.

Sind tätowierte Beamte unglaubwürdig?

Tattoo-Streit: Gericht verbietet Polizist Aloha-Schriftzug

Weil ihm das Polizeipräsidium die Tätowierung verbot, zog ein Oberkommissar vor Gericht. Das bestätigte nun, dass die Unterarme des Polizisten frei bleiben müssen.

Update vom 14. November, 12.55 Uhr: Verwaltungsgericht verbietet Polizisten Aloha-Tattoo

Bayerische Polizisten dürfen sich nicht sichtbar tätowieren lassen. Das hat der Bayerische VerwaltungsgerichtsGericht verbietet Polizist Aloha-Schriftzughof am Mittwoch in München entschieden. Der 42 Jahre alte Polizeioberkommissar Jürgen Prichta hatte geklagt, weil das Polizeipräsidium Mittelfranken ihm verboten hatte, sich den hawaiianischen Schriftzug „Aloha“ auf seinen linken Unterarm tätowieren zu lassen.

Prichta hatte 2008 seine Flitterwochen auf Hawaii verbracht und wollte mit dem Tattoo eine bleibende Erinnerung daran auf seinem Körper verewigen. „Ich bin schon enttäuscht“, sagte er nach dem Urteil. „Und ich verstehe es auch nicht.“ Das Urteil ist rechtskräftig und hat grundsätzliche Bedeutung für alle Polizisten in Bayern. In anderen Bundesländern wie Berlin wird die Tattoo-Frage dagegen liberaler gehandhabt.

Mehr zum Thema Polizei: Mysteriöse Kiste im Keller gefunden - sofort rücken Spezialisten an

„Ich denke, es gibt einige Kolleginnen und Kollegen, die jetzt enttäuscht sind“, sagte Rainer Nachtigall, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. „Wir haben jetzt unterschiedliche Rechtslagen in unterschiedlichen Bundesländern.“

14. November, 9.10 Uhr: Prozess um Aloha-Tattoo für Polizisten beginnt

München - „Aloha“ ist eigentlich ein gutes Wort. Der hawaiianische Gruß steht für Liebe, Freundlichkeit oder Mitgefühl. Für einen bayerischen Polizisten allerdings ist er zum Stein des Anstoßes für einen jahrelangen Streit mit seinem Arbeitgeber geworden, der am Mittwoch ab 10 Uhr den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München beschäftigt (Az.: 3 BV 16.2072).

Der Beamte hatte nämlich schon vor fünf Jahren die Erlaubnis beantragt, sich einen „Aloha“-Schriftzug auf den Unterarm tätowieren zu lassen. Doch das Polizeipräsidium Mittelfranken lehnte den Antrag ab. Die Begründung: Wenn der 1976 geborene Polizeioberkommissar die Sommeruniform mit den kurzen Ärmeln trage, dann wäre „Aloha“ ja für jeden sichtbar.

Ebenfalls interessant: Polizistin aus Dresden zeigt ihren Po im Badeanzug - „Atemberaubend schön“

Ist ein Tattoo-Verbot für Polizisten noch zeitgemäß?

Grundlage für das Verbot ist der Artikel 75 des Bayerischen Beamtengesetzes. „Soweit es das Amt erfordert, kann die oberste Dienstbehörde nähere Bestimmungen über das Tragen von Dienstkleidung und das während des Dienstes zu wahrende äußere Erscheinungsbild der Beamten und Beamtinnen treffen“, heißt es darin. „Dazu zählen auch Haar- und Barttracht sowie sonstige sichtbare und nicht sofort ablegbare Erscheinungsmerkmale.“ Der Polizist will das Verbot aber nicht hinnehmen; er hält die Regelung des Innenministeriums vom 7. Februar 2005 zum „Erscheinungsbild der Bayerischen Polizei“ für veraltet.

Es ist längst nicht das erste Mal, dass deutsche Gerichte sich mit dieser Frage befassen müssen. Allerdings geht es im aktuellen Fall um eine Art Grundsatzentscheidung in dem Bundesland, in dem die Frage von Tätowierungen bei Polizisten nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bislang am restriktivsten gehandhabt wird.

Das könnte Sie auch interessieren:  Dieb aus der Isar gefischt - Fall immer Kurioser: Darum soll sich die Bestohlene heute melden

In anderen Bundesländern lassen Gerichte tätowierte Polizisten zu

Erst Ende September entschied das Verwaltungsgericht in Magdeburg, dass ein Polizei-Anwärter in Sachsen-Anhalt, der sich eine vermummte Gestalt und das Logo des 1. FC Magdeburg auf die Wade tätowieren ließ, nicht deshalb abgelehnt werden darf.

Kurz zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht im westfälischen Münster in einem ähnlichen Fall ganz ähnlich entschieden. Ein großer Löwenkopf auf dem Unterarm war für die Richter kein Grund, einen Bewerber vom Polizeidienst auszuschließen.

Allerdings hängt es auch immer von der jeweiligen Tätowierung ab, wie ein solcher Streit ausgeht. Im April entschied das Arbeitsgericht in Berlin gegen einen tätowierten Polizisten. Er war als Bewerber für den Objektschutz abgelehnt worden, weil er auf einem Unterarm die Göttin Diana mit entblößten Brüsten tätowiert hatte. Zu Recht, urteilte das Gericht.

Ähnlich erging es einer Polizei-Anwärterin mit auffälligem Tattoo in Hessen: 2014 entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen sie. Die Frau hatte sich auf dem rechten Unterarm den Spruch „Bitte bezwinge mich“ tätowieren lassen. Die Tätowierung überschreite den Rahmen der noch akzeptablen individuellen Auffälligkeit, urteilte der Gerichtshof.

Kann Bayern es sich leisten, tätowierte Polizisten zu verbieten?

Peter Schall, bayerischer Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, hält ein striktes Tattoo-Verbot für Polizisten für überholt. „Das kommt noch aus alten Zeiten, in denen nur Seeleute und Strafgefangene tätowiert waren. Der Polizist sollte wie aus dem Ei gepellt ausschauen.“ Seine Gewerkschaft habe eine Kollegin betreut, die sich ihre sichtbare Tätowierung in einer langwierigen und schmerzhaften Prozedur entfernen ließ, um im Polizeidienst bleiben zu können.

„Ich erwarte aber eigentlich, dass das vom Gerichtshof weitgehend freigegeben wird. Es ist ja auch die Frage, wie lange Bayern es sich überhaupt noch leisten kann, hier so restriktiv zu sein. Inzwischen ist ja jeder Dritte tätowiert“, sagt Schall. Laut einer Studie der Uni Leipzig aus dem vergangenen Jahr ist es jeder fünfte Deutsche. Und es werden mehr. „Man wird sich das auf Dauer nicht leisten können, die Leute auszugrenzen. Die Befähigung sollte entscheiden und nicht das Aussehen“, meint Schall. 

Bestes Beispiel für die Verbreitung von Tattoos: Die Kandidaten der RTL-Sendung „Adam sucht Eva“ sind teilweise am ganzen Körper angemalt.

In Berlin hat die Polizei ihre Haltung inzwischen schon ganz offiziell geändert. In einem Bewerbungs-Aufruf der Hauptstadt-Polizei hieß es: „Die Polizei Berlin ändert ihren Umgang mit Tätowierungen!“ Ausnahmen: extremistische, sexistische, gewaltverherrlichende und religiöse Motive. „Aloha“ steht nach Ansicht des klagenden Polizisten „in vollem Einklang zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, wie er in erster Instanz vor Gericht angegeben hatte. Dort war er unterlegen.

dpa

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurios! Gefesselter Gefangener flüchtet vor Polizei - bei einer Beerdigung
Diese Meldung liest sich wie aus einem Film. Ein Gefangener hat offenbar bei einer Beerdigung die Gunst der Stunde genutzt und ist vor der Polizei geflüchtet. Er wird …
Kurios! Gefesselter Gefangener flüchtet vor Polizei - bei einer Beerdigung
Bahn-Chaos wegen Streik: Zugverkehr hat sich weitgehend stabilisiert
Die Tarifverhandlungen sind vorerst gescheitert. Die Gewerkschaft EVG organisierte für den Montagmorgen einen Warnstreik. Der Berufsverkehr im Raum München war stark …
Bahn-Chaos wegen Streik: Zugverkehr hat sich weitgehend stabilisiert
Riskantes Überholmanöver? Frau verliert ungeborenes Kind
Ein riskantes Überholmanöver einer Seniorin hatte für eine junge Frau womöglich schlimme Konsequenzen: Die Schwangere verlor durch eine Gurtprellung wohl ihr ungeborenes …
Riskantes Überholmanöver? Frau verliert ungeborenes Kind
Polizei-Hubschrauber bei Vermisstensuche attackiert
Weil er die Besatzung eines tief fliegenden Polizeihubschraubers mit einem Laserpointer geblendet hat, ist ein Mann zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung …
Polizei-Hubschrauber bei Vermisstensuche attackiert

Kommentare