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Sicherheitsdienste in Kliniken

Münchner Ärzte und Pfleger werden beleidigt und bedroht - ist es auf dem Land friedlicher? 

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In den Münchner Kliniken gibt es seit Jahresbeginn einen Sicherheitsdienst in den Notaufnahmen - weil es ohne nicht mehr geht. Ist das auf dem Land auch nötig? Wir haben uns umgehört.

Ebersberg/Fürstenfeldbruck/Garmisch-Partenkirchen - Prügelnde Patienten und Beleidigungen gehören in den Münchner Notaufnahmen fast schon zur Tagesordnung. Deshalb hat das Klinikum München Anfang des Jahres in der Nacht einen Sicherheitsdienst für die Notaufnahmen organisiert. 

Doch handelt es sich den aggressiven Patienten und Angehörigen um ein Münchner Phänomen oder sind auch die umliegenden Regionen betroffen? Wir haben uns bei drei Krankenhäusern in drei Landkreisen erkundigt.

Keine „Münchner Verhältnisse“ in Ebersberg

Von „Münchner Verhältnissen“ will Stefan Huber, Geschäftsführer der Kreisklinik Ebersberg, nicht sprechen. Aber in den letzten Jahren habe sich „hier schon deutlich was getan“. Die Entwicklung gehe auch im Lehrkrankenhaus der TU München in eine besorgniserregende Richtung.

„Es gibt auch in Ebersberg eine Zunahme von ‚Gewaltbereitschaft‘, meist unter Alkoholeinfluss und von beleidigendem Verhalten und eine geringe Wertschätzung von Patienten in der Notaufnahme unserem Personal gegenüber“, sagt Huber. Dabei gehe das Verhalten meist von den Patienten selbst aus - und nur selten von Angehörigen.

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Trotz der negativen Entwicklung sehen die Verantwortlichen der Kreisklinik Ebersberg aktuell keine Veranlassung für einen Sicherheitsdienst in der Notaufnahme. „Im Notfall kontaktieren wir die Polizei, die jeweils sehr schnell vor Ort ist.“

Deeskalationstrainer in Garmisch-Partenkirchen

Körperliche Übergriffe von Patienten oder deren Begleitern sind im Klinikum Garmisch-Partenkirchen laut Pressereferentin Maria Mayer die absolute Ausnahme. Deshalb gibt es hier keinen Sicherheitsdienst und laut Mayer ist auch keiner geplant.

Beim Thema „verbale Auseinandersetzungen“ gibt sich die Pressereferentin zurückhaltend. Sie fragt: „Wann ist es eine Beleidigung und wann ein unschönes Gespräch?“ Weitere Angaben macht sie zu dem Thema nicht.

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Dafür erklärt Mayer, dass das Klinikum Garmisch-Partenkirchen vor allem auf Prävention setzt. „Wir haben einen Deeskalationstrainer im Haus.“ Dank diesem seien die Angestellten auf den Stationen und in der Notaufnahme auf besonders aufdringliche Patienten vorbereitet.

Bereichsübergreifend Beleidigungen im Klinikum Fürstenfeldbruck

Steigende Patientenzahlen bedeuten theoretisch auch mehr Vorfälle, könnte man meinen. Im Klinikum Fürstenfeldbruck ist diese Rechnung falsch, sagt Pressesprecherin Andrea Wieland. „Einen erkennbaren Anstieg an Gewalt können wir mit Zahlen nicht bestätigen. Wir können aber zunehmende Patientenzahlen verzeichnen.“

Allerdings berichtet auch Wieland von Beleidigungen und Gewalt. Meldungen von Mitarbeitern gebe es aus „allen Bereichen der Klinik. Das ist nicht auf die Notaufnahme beschränkt.“ Bei den Aggressoren gebe es keine Unterschiede. Sowohl Patienten als auch deren Angehörige und Begleiter zeigen laut Wieland ein solches Verhalten.

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Wie in Garmisch-Partenkirchen setzt auch das Klinikum Fürstenfeldbruck auf die Bildung der Angestellten. In Kommunikationsschulungen lernen die Mitarbeiter den richtige Umgang mit Patienten und Angehörigen - auch in Stresssituationen. Deshalb gibt es derzeit auch in Fürstenfeldbruck keine Gedankenspiele zu einem möglichen Sicherheitsdienst.

Sicherheitsdienst (noch) ein Münchner Phänomen

Ein eigener Sicherheitsdienst in der Notaufnahme ist bislang also ein Münchner Phänomen. Doch auch wenn die exemplarischen Krankenhäuser aus Ebersberg, Garmisch-Partenkirchen und Fürstenfeldbruck sich aktuell nicht mit einem Sicherheitsdienst beschäftigen, scheinen Beleidigungen und teilweise körperliche Gewalt auch im Münchner Umland zur Tagesordnung zu gehören. 

Für die Zukunft kann also nicht ausgeschlossen werden, dass möglicherweise ernsthaft über einen Sicherheitsdienst in den Notaufnahmen nachgedacht wird. Auch, weil Übergriffe und Beleidigungen keine neue Entwicklung sind. Schon 2016 berichtete merkur.de* von der zunehmenden Gewaltbereitschaft im Landkreis Erding.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

ses

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