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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Michael Lerchenberg 

Stadt schweigt zu den Vorwürfen

Spezlwirtschaft in der Provinz? Kult-Kabarettist gerät in die Defensive

Michael Lerchenberg ist guter Dinge, obwohl die Staatsanwaltschaft Hof Anklage gegen ihn erhoben hat. Es geht um einen stattlichen sechsstelligen Betrag.

München - Im tz-Interview vom August 2017 verwies der scheidende Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel noch darauf, dass er eine „gut gefüllte Rücklagenkasse im mittleren sechsstelligen Bereich“ hinterlasse. Jetzt geht es um so einen Betrag: Die Staatsanwaltschaft Hof hat Anklage gegen Michael Lerchenberg (64) erhoben, meldet die Frankenpost – und mit ihm auch gegen Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck (63), mit dem der Münchner Künstler befreundet ist und in Wunsiedel gut zusammengearbeitet hat. Spezlwirtschaft in der oberfränkischen Provinz?

Lerchenberg und Beck sollen in 111 Fällen Mitarbeiter der Theaterfestspiele nicht sozialversichert haben. Den Schaden beziffert die Behörde auf mehr als 292.000 Euro. Das Landgericht prüft, ob es zur Verhandlung kommt.

„Wohlüberlegte Argumente zu meinen Gunsten“

Lerchenberg teilte der tz gestern per E-Mail mit: „Es handelt sich um eine komplizierte Rechtssituation, insbesondere, was die Frage der Verantwortlichkeit betrifft. Mein Verteidiger und ich sind aber der Meinung, wohlüberlegte Argumente zu haben, die zu meinen Gunsten sprechen.“

Es geht um die Jahre 2008 bis 2015. Mitarbeiter der Festspiele sollen Werkverträge als Selbstständige erhalten haben – die Bereiche: Beleuchtung, Ton, Kostüme, Maske –, ohne dass die Voraussetzungen erfüllt gewesen seien. Die 18 Betroffenen arbeiten normalerweise im städtischen Bauhof oder bei den Wunsiedler Stadtwerken. Bei den Festspielen waren sie so eingespannt, dass die Staatsanwaltschaft glaubt: Hier waren Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Bürgermeister Beck hat laut Staatsanwaltschaft von Lerchenbergs Praktiken gewusst, sei aber nicht eingeschritten. Von der Stadt Wunsiedel hieß es lediglich, dass sie sich zu den Vorwürfen nicht äußern werde.

Lesen Sie auch: Nockhherberg: Lerchenberg und Springer schmeißen hin

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