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Der Angeklagte Andreas R. hält sich am in einem Gerichtssaal im Landgericht I in München einen Aktenordner vors Gesicht. R. steht vor Gericht, weil er sich nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung und trotz einer elektronischen Fußfessel im April 2012 an einem damals sieben Jahre alten Mädchen vergangen haben soll.

Fußfessel im Fokus

Missbrauch trotz elektrischer Fessel - Prozess geht zu Ende

München - Ein Prozess um den Nutzen elektronischer Fußfesseln für pädophile Täter steht in München vor dem Abschluss. Am 19. September will das Landgericht München das Urteil verkünden.

Der 42 Jahre alte Angeklagte war im Januar 2012 unter strengen Auflagen und mit einer elektronischen Fußfessel aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden. Drei Monate später soll der einschlägig vorbestrafte Sexualstraftäter in der Wohnung einer Bekannten deren siebenjährige Tochter missbraucht haben. 1999 war der Mann bereits wegen Missbrauchs seiner Stieftochter zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden.

DieStrafkammer verhandelte nun gut sieben Monate lang gegen den Mann. Ihm droht bei einem Schuldspruch neben einer Haftstrafe erneut die Sicherungsverwahrung.

Ein Mann trägt eine elektronische Fußfessel

In dem Prozess wurden Dutzende von Zeugen gehört, darunter die Sachverständigen aus früheren Verfahren. Der Angeklagte hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Gegen Ende der zum großen Teil nichtöffentlichen Beweisaufnahme soll der 42-Jährige sich dann als eine Art verdeckter Ermittler dargestellt haben: Er habe sich dem Kind in der Absicht genähert, aus dessen Reaktion auf einen möglichen sexuellen Missbrauch durch den leiblichen Vater schließen zu können. Der von der Mutter getrennt lebende Vater hatte den Angeklagten angezeigt, als das Mädchen ihm sexuelle Übergriffe geschildert hatte.

Mit dem Kontakt zu dem Kind hatte der 42-Jährige gegen eine Auflage bei seiner Entlassung verstoßen. Auch sorgte er nicht dafür, dass die elektronische Fußfessel in „betriebsbereitem Zustand“ blieb - der Akku war bei seiner Festnahme leer.

Über die Fußfesseln gab es immer wieder Debatten. Der bayerische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Hermann Benker, nannte die Fessel einmal ein „besseres Babyfon“. Und auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) räumte ein, dass es sich bei der Fessel lediglich um eine Notlösung handele. In Deutschland werden seit dem 1. Januar 2012 Träger der Fußfesseln vom hessischen Bad Vilbel aus zentral überwacht.

dpa

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