Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus

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Unterwegs im Alpspitzgebiet: Michael Vitzthum reist zu seinen Skitouren immer öffentlich an.
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Unterwegs im Alpspitzgebiet: Michael Vitzthum reist zu seinen Skitouren immer öffentlich an.

Im Interview

Zug statt Auto: Münchner Skitourengeher macht überraschenden Selbstversuch - doch er sieht ein Problem

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Michael Vitzthum ist Münchner und leidenschaftlicher Skitourengeher. Jene Sportler-Gruppe, der man gerne Mitverantwortung am Wochenendstau gibt. Doch er verzichtet aufs Auto - mit einem spannenden Ergebnis.

  • Skitourengehen liegt im Trend. Michael Vitzthum ist diesem Freizeitsport seit rund 20 Jahren verfallen. 
  • Doch während fast alle Tourengänger mit dem Auto anreisen, hat der 48-jährige Münchner seines schon vor zehn Jahren abgegeben. 
  • Sein Ziel: Bei jeder Tour mit Zug und Bus zum Berg zu kommen. Und er hofft auf Nachahmer.

Herr Vitzthum, Sie haben sich vorgenommen, alle ihre Skitourenziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Warum?

Vitzthum: Ich möchte einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Als Bergsteiger haben wir eine große Verantwortung, weil wir im Gebirge vom Klimawandel besonders betroffen sein werden. Und gerade bei An- und Abreise hinterlassen wir den größten CO2-Fußabdruck. Viele sagen: Skitouren nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Das geht nicht! Da wollte ich den Gegenbeweis antreten.

Wie oft sind Sie unterwegs?

Vitzthum: In dieser Saison habe ich bislang 21 Skitouren gemacht, und zu allen bin ich mit Zug oder Bus gefahren. Die weiteste Anreise in diesem Winter war Innsbruck, aber vergangenes Jahr sind wir auch schon ausschließlich mit Zug und Bus bis nach Norwegen gefahren. Klar gibt es Touren, bei denen es keine direkte Anbindung gibt. Aber dann versuche ich, so weit wie möglich zu kommen und dann die letzte Meile zum Beispiel mit dem Taxi oder zu Fuß zurückzulegen.

Reisen Sie allein oder in der Gruppe?

Vitzthum: Ich bin in einer ehrenamtliche Gruppe beim Alpenverein aktiv. Da plant man gemeinsam, reist zusammen an und bei der Rückfahrt gibt’s eine Nachbesprechung. Meine Erfahrung ist: Man unterhält sich mehr als im Auto. Es ist ein viel größeres Gruppenerlebnis.

Was ist günstiger: Auto oder Zug?

Vitzthum: Wenn man nur das Spritgeld rechnet, mag die Autofahrt günstiger wirken. Aber Faktoren wie Unterhalt, Anschaffung, Wertverlust, Parkgebühr oder die Maut werden gerne vergessen. Gerade bei einem Gruppenticket mit vier bis fünf Leuten ist die Zugfahrt schon wettbewerbsfähig.

Sind Sie immer pünktlich angekommen?

Vitzthum: In dieser Saison haben alle Touren geklappt. Im Winter davor gab es hin und wieder mal Zugausfälle wegen der starken Schneefälle, aber im Großen und Ganzen funktioniert das gut. Ich würde sagen: Besser, als viele glauben. Und im Stau stehe ich nie.

Treffen Sie oft auf Gleichgesinnte im Zug?

Vitzthum: Selten. Am Dreikönigstag sind wir ins Alpbachtal gefahren – vom Münchner Hauptbahnhof bis zum Ski-Anschnallen waren es ungefähr zweieinhalb Stunden – da waren wir die einzigen Tourengeher im Zug. Auch in Bussen war es oft so, dass sie ohne uns leer gefahren wären. Am Parkplatz vor Ort stehen dann aber 200 Autos. Dass man hier auch mal eine alternative Anreise wählen könnte, ist bei vielen Leuten noch nicht angekommen.

Sie haben sich dazu entschlossen, die Touren auf Facebook öffentlich zu dokumentieren. Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Vitzthum: Bislang kommt durchweg positives Feedback. Die Leute sind sehr neugierig. Egal, ob im Netz oder im Zug. Vor Kurzem waren wir in der Nähe von Seefeld im Karwendel auf einer Tour. Auf der Zugfahrt haben wir drei Starnberger getroffen, erfahrene Tourengeher, zum ersten Mal öffentlich unterwegs. Einer von ihnen hat erzählt, dass sich seine Kinder bei Fridays for Future engagieren. Und die hatten ihn gefragt, warum er eigentlich immer mit dem Auto in die Berge fährt. Ich glaube, es findet langsam ein Umdenken statt.

Wie könnte man diese Entwicklung noch beschleunigen?

Vitzthum: Mit dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt nicht genug Verbindungen, oft nur wenige brauchbare am Morgen und am Abend. Wer etwa in die Chiemgauer Alpen will, tut sich besonders schwer. Außerdem müssen regionale Verkehrsgesellschaften ihre Fahrpläne besser abstimmen, damit man nach der Zugfahrt nicht lange auf den Bus warten muss. Auch Bayern und Tirol müssen enger zusammenarbeiten und gemeinsame Tickets einführen. Ich finde, hier könnte auch der Alpenverein mehr Druck ausüben.

Strahlende Sonne, guter Schnee: Kürzlich zog es tausende Wintersportler in Richtung Spitzingsee. Miesbacher Thomas Griesbeck filmte den Stau - und landet einen Facebook-Hit. (Merkur.de*)

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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