Tourismusverband: Zweite Tranche freigegeben

München - Es fließt wieder Geld beim finanziell angeschlagenen Tourismusverband München-Oberbayern. Der Vorstand hat Mittel locker gemacht, um sich in der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Doch der Skandal um falsch verbuchtes Fördergeld ist längst nicht ausgestanden.

Der von einem Skandal um missbräuchlich verwendete EU-Fördermittel gebeutelte Tourismusverband für München und Oberbayern steht vor einer Verschlankung. Die Verbandsarbeit solle sich künftig auf ihre Kernbereiche konzentrieren, sagte der Interims-Geschäftsführer Stephan Götschel der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch nach einer Vorstandssitzung in München. „Die Interessen der Mitglieder sollen wieder stärker wahrgenommen werden.“

Im August war bekanntgeworden, dass EU-Fördermittel falsch verbucht wurden. Es soll dabei aber nicht um persönliche Bereicherung von Mitarbeitern gehen. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) verhängte daraufhin einen Förderstopp. Das Zudrehen des Geldhahnes brachte den Verband zeitweise an den Rand der Pleite.

Bei der Sitzung wurde nun die zweite Tranche - 100 000 Euro - eines Sonderetats in Höhe von einer Viertelmillion Euro freigegeben, den die Mitglieder nach der Schieflage aufgebracht hatten. Damit soll unter anderem der Auftritt der südbayerischen Tourismusregion bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in München finanziert werden.

Die Vorstände wurden bei dem Treffen über den aktuellen Stand der verbandsinternen Aufklärung des Fördergeld-Skandals informiert. „Wir kommen gut voran“, erläuterte Götschel, „aber die Arbeit verschlingt Ressourcen.“ Offenbar müssen Tausende von Rechnungen durchforstet werden. „Das bindet Personal und kostet Geld“, erläuterte der Rechtsanwalt. Ein Steuerberater wurde eingeschaltet.

Nach seiner Neuorganisation will der Tourismusverband mit weniger Zuschüssen der öffentlichen Hand auskommen. Nach den Worten von Götschel heißt dies aber nicht, dass die Mitglieder künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Vielmehr läuft die Neuaufstellung auf eine deutlich Verschlankung des Verbandes hinaus. Götschel sprach in dem Zusammenhang von einer „Fokussierung auf die Kernbereiche“.

Zeil verteidigte am Mittwoch den Förderstopp. Sein Ministerium sei haushalts- und EU-rechtlich sowie gegenüber dem Steuerzahler verpflichtet, keine weiteren Fördermittel zu vergeben. „Das ist ein normaler, automatischer Vorgang, wenn solche Unregelmäßigkeiten wie beim Tourismusverband Oberbayern bekanntwerden“, sagte Zeil. Nach der Aufklärung des Falles stehe er dem Verband „im unveränderten Umfang zur Seite“. Zeil kündigte an, Oberbayern werde auf den drei wichtigsten deutschen Reisemessen im kommenden Jahr vertreten sein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Subventionsbetruges. Die entlassene Geschäftsführerin werde als Beschuldigte geführt, sagte Behördensprecher Thomas Steinkraus-Koch. Es gehe dabei um Scheinrechnungen, um an EU-Fördermittel zu gelangen.

Der Tourismusverband München-Oberbayern - der größte seiner Art in Deutschland - ist der Dachverband der Branche im südlichsten Regierungsbezirk der Bundesrepublik. Er bündelt die Interessen von mehr als 300 Mitgliedern - überwiegend Urlaubsregionen, aber auch Organisationen wie der ADAC - und verzeichnet jährlich 30 Millionen Übernachtungen. Der Freistaat und die EU beteiligen sich zu mehr als einem Drittel am Jahresetat von fast drei Millionen Euro.

Rubriklistenbild: © dpa

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