Muharrem D. beim Prozessauftakt in München.
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„Ich weiß, dass ich schuld bin“ sagte der Angeklagte Muharrem D. nach seinen Anschlägen auf mehrere Geschäfte von Menschen mit türkischer Abstammung in Waldkraiburg zum Prozessauftakt in München.

Prozess um Bombenleger von Waldkraiburg

Keine Maske, kein Ticket: Terrorist fliegt in Bayern durch puren Zufall auf - Kiloweise Sprengstoff gefunden

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Die Polizei sollte nur einen Schwarzfahrer überprüfen. Dass sie stattdessen den Bombenleger von Waldkraiburg fasst, war purer Zufall.

Waldkraiburg/München – Die Probleme begannen mit einer Maske. Weil Muharrem D. sie am 8. Mai 2020 partout nicht aufsetzen wollte und sie zwei Beamten am Bahnhof von Mühldorf vor die Füße schleuderte, nahmen sie ihn fest. Zuvor war er aus dem Zug geholt worden, weil er kein Ticket besaß. Die Beamten baten ihn, zur Dienststelle mitzukommen, seine Koffer sollte er mitnehmen. Das wollte er nicht, das Gepäck war ihm zu schwer, die versteckten Rohrbomben wogen zu viel.

Vier Anschläge im Raum München verübt: Bombenleger spaßt noch mit der Polizei

Weil die Polizisten nur zu zweit im Dienst waren und sich alle Kollegen in der Corona*-Quarantäne befanden, mussten die beiden Beamten alleine die Rohrbomben-Ladung zur Wache schleppen. „Ich habe das fast nicht tragen können, so viel hat das gewogen“, erinnerte sich eine Polizistin (46) als Zeugin vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Der 26-Jährige hatte sich zuvor widerstandslos festnehmen lassen, ein Packerl mit Marihuana legte er unaufgefordert zu den Koffern.

Zu diesem Zeitpunkt ahnten die Beamten noch nicht, wen sie vor sich hatten. Und auch als Muharrem D. auf dem Weg zur Wache fragte, ob er jetzt die 3.000 Euro Belohnung bekommen würde, rechneten sie allenfalls mit irgendeinem Spinner, bis der junge Mann sagte, er sei der Bombenleger von Waldkraiburg und er habe alle vier Anschläge verübt.

Terrorist von Waldkraiburg packt komplett aus - er wollte alles wohl nur noch hinter sich bringen

Als der männliche Kollege ihn daraufhin abtastete, offenbarte er noch weitere Sprengstoff-Depots in einer Tiefgarage sowie in seinem Zimmer in einer Wohngemeinschaft in Garching an der Alz. Auf den Hinweis der Beamten, dass er sich nicht selbst belasten müsse und einen Anwalt hinzuziehen könnte, sagte der 26-Jährige, er brauche keinen Anwalt und er wolle alles hinter sich bringen.

„Er wollte dass es brennt“: Waldkraiburg-Täter hatte weitere Anschläge geplant - auf volle Ditib-Moschee

Es wurde eine lange Nacht für die Kripobeamten, die den Fall übernommen hatten. Wie bereits aus der Anklage gegen den Islamisten bekannt ist, hatte Muharrem D. einen Anschlag auf die Ditib-Moschee von Köln vor. Das hätte bereits am nächsten Wochenende geschehen sollen, erinnerte sich ein Kriminaler (54) aus Traunstein. „Er wollte einen Anschlag machen, wollte, dass es da brennt“, berichtete er. Es sollten Menschen dort sein, fügte er in Erinnerung an die Vernehmung hinzu.

Der Plan des Waldkraiburgers mit kurdischen Wurzeln wäre es gewesen, mit einem Auto voller Sprengstoff in die Moschee zu fahren, berichtete der Kripo-Beamte. Alle Kollegen hätten sich nur gedacht: „Da haben wir aber Glück gehabt, dass wir ihn haben.“ In der ersten Vernehmung habe er noch mit Stolz auf seine Anschläge geblickt. Als der Angeklagte erfuhr, dass sich nun ein Generalbundesanwalt um ihn kümmere, sei das „ein Highlight für ihn gewesen“, berichtete der Beamte.

Waldkraiburg: Bombenleger auf Drogen - Terrorist erzählt der Polizei Details aus seinem Leben

Allerdings war deutlich zu erkennen, dass Muharrem D. unter Drogen stand. Er erzählte von seiner Familie, mit der er sich wegen einer Goldkette der Oma überworfen hatte. Die Mutter bezeichnete er als Hexe, der Vater sei ihr Sklave und die Oma die Chefin. Als Motiv für seine Schreckens-Taten gab er den Hass auf Türken an. Aus diesem Grund verübte er in einer Aprilnacht einen Brandanschlag auf einen Gemüseladen. 26 Menschen wurden in Lebensgefahr gebracht.

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